Erster Börsentag erlaubt keinen Blick in die Zukunft


„Der Kursentwicklung des ersten Handelstages wird zu viel Aufmerksamkeit geschenkt”, sagt cometis-Vorstand Henryk Deter. Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung von Börsengängen in Deutschland an der Frankfurter Börse. Bild und Copyright: ESB Professional / shutterstock.com

„Der Kursentwicklung des ersten Handelstages wird zu viel Aufmerksamkeit geschenkt”, sagt cometis-Vorstand Henryk Deter. Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung von Börsengängen in Deutschland an der Frankfurter Börse. Bild und Copyright: ESB Professional / shutterstock.com

Nachricht vom 20.03.2019 20.03.2019 (www.4investors.de) - Wird eine Aktie erstmals an der Börse gehandelt, erlaubt der Kursverlauf des ersten Tages (IPO-Tag) keinen Rückschluss auf die zukünftige Wertentwicklung. Bei rund der Hälfte der Börsengänge entwickelten sich die Kurse später gegenläufig zur Tendenz des ersten Börsentages. Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung der cometis AG. Henryk Deter, Vorstand cometis, stellt fest: „Für die längerfristige Wertentwicklung eines Unternehmens ist der Sprung vom Startblock nicht entscheidend. Der Kursentwicklung des ersten Handelstages wird zu viel Aufmerksamkeit geschenkt.“ In ihrer Untersuchung betrachteten die Berater die Kurse von 40 Neuemissionen am deutschen Aktienmarkt seit Januar 2014 über einen Zeitraum von zwei Jahren nach deren Börsengang.

Die Hälfte der Kurse tendiert später gegenläufig zum IPO-Tag


Bei 20 Unternehmen entwickelten sich die Kurse in den folgenden zwei Jahren entgegen der Tendenz des ersten Börsentags. Bei 13 Unternehmen deren Schlusskurs bei der Premiere über dem Ausgabepreis lag, waren in den zwei Folgejahren teilweise deutliche Kursverluste festzustellen. Dagegen konnten 7 Gesellschaften entgegen dem ungünstigen Kursverlauf des ersten Handelstages in der Folgezeit teilweise deutliche Kursgewinne verzeichnen. „Weder sollten Kursgewinne am ersten Tag des Börsenhandels zu Euphorie verleiten noch rechtfertigen Kursverluste am ersten Börsentag den Stab über einem Unternehmen zu brechen“, so Deter.

Bei 21 Aktien setzte sich die Tendenz des ersten Handelstages in den folgenden zwei Jahren fort. Davon zeigten 14 Gesellschaften einen weiteren Kursanstieg – genau wie an Tag Eins. Zugleich offenbarten 7 Gesellschaften, deren Schlusskurs bereits am ersten Handelstag unterhalb des Ausgabepreises lag, auch in den beiden Folgejahren eine anhaltende Kursschwäche.

Über den langfristigen Erfolg entscheidet „liefern und kommunizieren“


Der Erfolg eines Börsengangs wird auch nicht durch die Kursentwicklung am ersten Handelstag bestimmt, sondern steht schon vor Handelsstart fest. Denn die Aktien sind bereits bei den neuen Investoren platziert bevor überhaupt der erste Kurs an der Anzeigentafel erscheint. Deter: „Entscheidend ist, dass die Unternehmen ihr Selbstverständnis als „public company“ verinnerlichen. Dazu müssen sie nicht nur die vor dem Börsengang angekündigten Ergebnisse liefern, sondern auch kontinuierlich und professionell mit dem Kapitalmarkt kommunizieren.“

Wertentwicklungen breit gestreut


In den zwei Jahren nach dem Börsengang verzeichnete „Covestro“ mit plus 198% die beste Wertentwicklung. Die Aktie des Chemieunternehmens lag bereits am IOP-Tag mit 10 Prozent im Plus und entwickelte sich nach zwei Jahren mit einer Kapitalisierung von rund 13 Milliarden Euro zu einem echten Schwergewicht. Auf Platz zwei liegt die Aktie von „Siltronic“. Der Hersteller von Wafern für die Halbleiterindustrie erreichte mit plus 174 Prozent innerhalb von zwei Jahren einen Börsenwert von über 2 Milliarden Euro. Platz drei belegt die Aktie von Brain. Das Biotechnologieunternehmen erreichte mit plus 171 Prozent innerhalb von zwei Jahren einen Börsenwert von rund 400 Millionen Euro und boxt in einer mittleren Gewichtsklasse.

Dagegen büßten die Aktionäre einiger leichtgewichtiger Neuemissionen ihren Einsatz weitgehend ein. Wer am 27. Januar 2014 Aktien des chinesischen Textilproduzenten „Tintbright“ erwarb, erlitt einen Totalverlust. Die Papiere wurden zwei Jahre später nicht mehr an der Börse notiert. Vorstand und Aufsichtsrat sind abgetaucht und die Gesellschaft ist auch postalisch nicht mehr erreichbar.

Auch Aktionäre, die am 5. November 2015 die Aktie des Bekleidungsherstellers „Steilmann“ erwarben, hatten mit einem Verlust von 99 Prozent nahezu ihr gesamtes Kapital verloren. Aktionäre des chinesischen Automobilzulieferers „JJ Auto“ mussten gleichfalls eine Wertminderung um 99 Prozent verkraften. Zwar lag der Schlusskurs der JJ Auto-Papiere am ersten Handelstag noch 6 Prozent über dem Erstausgabepreis, doch schon bald sanken die Kurse und brachen nach einem Jahr weiter ein. (Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter )

Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne von cometis AG. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

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