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EZB senkt Prognosen deutlich: Zinswende weit in die Zukunft verschoben - Nord LB Kolumne

Die EZB hat wie auf ihrer heutigen Ratssitzung auf die deutliche Abkühlung des gesamtwirtschaftlichen Umfelds reagiert. Sie musste ihre Prognosen massiv auf ein realistisches Niveau senken. Bild und Copyright: telesniuk / shutterstock.com.

Die EZB hat wie auf ihrer heutigen Ratssitzung auf die deutliche Abkühlung des gesamtwirtschaftlichen Umfelds reagiert. Sie musste ihre Prognosen massiv auf ein realistisches Niveau senken. Bild und Copyright: telesniuk / shutterstock.com.

07.03.2019, 16:29 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4nvestors auf: Twitter | Google News | Facebook

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat auf ihrer heutigen Sitzung wie erwartet auf die starke Eintrübung des gesamtwirtschaftlichen Umfelds reagiert. Wenig überraschend war die Entscheidung, dass die Leitzinsen unangetastet und somit auf ihren historischen Tiefstständen bleiben. Der Hauptrefinanzierungssatz verharrt bei 0,00%, der Satz für die Einlagefazilität bei -0,40% und der Zins für die Spitzenrefinanzierungsfazilität bei 0,25%.

Allerdings hat die EZB – für einige Marktteilnehmer überraschend – bereits im März neue Beschlüsse gefasst. So wurde die Formulierung der Forward Guidance für die zukünftige Entwicklung der Leitzinsen derart verändert, dass bis Ende 2019 Leitzinsen auf dem aktuellen Niveau erwartet werden. Aus unserer Sicht wird der Einlagesatz frühestens ab Mitte 2020 angehoben. Eine erste Erhöhung des Hauptrefinanzierungssatzes rückt aus unserer Sicht sogar erst zum Jahresende 2020 auf die Agenda der Notenbank.

Die Forward Guidance für die Reinvestmentpolitik blieb unverändert, wegen des Bezugs auf den ersten Zinsschritt hat sich aber auch hier der Zeitplan verschoben. Wir schließen aus den heutigen Maßnahmen (insb. TLTRO III-Serie bis März 2021) und den Äußerungen Mario Draghis, dass eine deutliche Reduktion der Überschussliquidität für lange Zeit nicht angestrebt wird. Die EZB wird daher mindestens bis Ende 2021 Fälligkeiten aus dem EAPP vollständig reinvestieren.

Zudem haben die Frankfurter Währungshüter – wie von uns erwartet – eine weitere Serie gezielter langfristiger Refinanzierungsgeschäfte (TLTRO) beschlossen. Die TLTRO III-Serie startet im September 2019 und endet im März 2021. Die Laufzeit beträgt jeweils zwei Jahre und die Konditionen richten sich nach dem durchschnittlichen Leitzins (Hauptrefinanzierungssatz).

Mit der dovishen Anpassung der Forward Guidance und dem neuen Stimulus durch die TLTRO III-Serie reagiert die EZB auf die merkliche Abkühlung des gesamtwirtschaftlichen Umfelds in den vergangenen Monaten. Die Korrektur der Projektionen fiel recht drastisch aus, auch weil die Dezemberprognosen bereits zum damaligen Zeitpunkt von einem gewissen Zweckoptimismus gekennzeichnet waren. Die EZB erwartet nun ein reales Wachstum von 1,1% statt 1,7% für 2019 bzw. 1,6% und 1,5% für die beiden Folgejahre. Auch der Inflationsausblick fällt mit 1,2%, 1,5% und 1,6% für die Jahre 2019 bis 2021 sehr viel verhaltener aus. Die Risiken für den Ausblick bezeichnete Draghi als weiterhin abwärts gerichtet.

Fazit: Die EZB hat wie von uns erwartet auf ihrer heutigen Ratssitzung auf die deutliche Abkühlung des gesamtwirtschaftlichen Umfelds reagiert. So musste sie ihre Prognosen massiv auf ein realistisches Niveau senken, der Dezemberausblick war damals bereits zu optimistisch. Aber auch weiterhin sieht die EZB die Risiken abwärts gerichtet, auch weil die EZB keinen Einfluss auf Protektionismus oder Brexit hat. Die Forward Guidance für die Leitzinsen wurde angepasst und so eine Leitzinserhöhung zumindest für 2019 ausgeschlossen. Erst ab Mitte 2020 ist eine erste Anhebung des negativen Einlagesatzes möglich. Zudem stützt die Notenbank die Kredit- und Wirtschaftsentwicklung mit einer neuen Serie von längerfristigen Refinanzierungsgeschäften (TLTRO III). Der EZB-Rat hat einstimmig (!) die Zinswende weit in die Zukunft verschoben – diese könnte gar bis zum nächsten Aufschwung auf sich warten lassen. Dies drückt auch die längerfristige Rendite von Bundesanleihen abwärts, angesichts hoher politischer Risiken sind gar Negativrenditen wieder möglich. Offensichtlich wurde der richtige Zeitpunkt für die Zinswende verpasst, im aktuellen Umfeld erscheint eine Leitzinsanhebung in der Tat als nicht adäquat.

Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

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