Ekotechnika: Neue Produkte sorgen für Wachstumsphantasie

Ekotechnika-Vorstand Bjoerne Drechsler im Gespräch mit der Redaktion von www.4investors.de. Bild unf Copyright: Ekotechnika.

Ekotechnika-Vorstand Bjoerne Drechsler im Gespräch mit der Redaktion von www.4investors.de. Bild unf Copyright: Ekotechnika.

Nachricht vom 11.02.2019 11.02.2019 (www.4investors.de) - Bei Ekotechnika setzt man künftig verstärkt auf die Bereiche Forstwirtschaft und Smart Farming. Das macht Vorstand Bjoerne Drechsler im Gespräch mit der Redaktion von www.4investors.de deutlich. Drechsler äußert sich in dem Exklusivinterview auch zu den jüngsten Zahlen und zur Prognose, die er als konservativ ansieht. Angesprochen werden von Drechsler ebenfalls die Sanktionen gegen Russland und die Bedeutung der Servicesparte von Ekotechnika.


www.4investors.de: Ekotechnika dürfte eher den Spezialisten bekannt sein. Stellen sie die Gesellschaft bitte kurz vor.

Drechsler:
Die Ekotechnika AG mit Sitz in Walldorf ist die deutsche Holdinggesellschaft der russischen EkoNiva-Technika Gruppe, dem größten Händler internationaler Landtechnik in Russland. Unser Hauptgeschäftsfeld ist der Verkauf importierter Landmaschinen wie Traktoren und Mähdrescher, vornehmlich von unserem Hauptlieferanten John Deere, dem Weltmarktführer in diesem Sektor. Neben Landtechnik sind wir seit kurzem auch im Vertrieb von Forstmaschinen unseres kanadischen Partners Tigercat aktiv. Weitere wichtige Standbeine sind das Ersatzteil- und Service-Geschäft für unsere Land- und Forsttechnik sowie unser jüngstes Geschäftsfeld Smart Farming, das wir derzeit mit unserem Partner John Deere aufbauen.

www.4investors.de: Kürzlich haben sie die Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2017/18 publiziert. Dabei hat sich der schwache Rubel deutlich bemerkbar gemacht. Können sie da für Abhilfe sorgen und wird sich diese Entwicklung im neuen Jahr fortsetzen?

Drechsler:
Im abgelaufenen Geschäftsjahr konnten wir unseren Umsatz im Vergleich zum Vorjahr trotz des schwachen Rubels um 10 Prozent steigern. Im Ersatzteilgeschäft und auch beim operativen Ergebnis machte sich die Rubelschwäche bemerkbar, die Entwicklung war aber dennoch besser als ursprünglich geplant. Wie sich der Rubel im laufenden Geschäftsjahr entwickelt, ist leider nur schwer prognostizierbar. Derzeit gehen wir in unseren Planungen von einem durchschnittlichen Rubelkurs von 75 RUB/EUR aus. 2017/2018 lag er bei rund 72 RUB/EUR. Wir arbeiten hier also mit einer konservativen Planung. Im Übrigen prüfen wir immer wieder mögliche Hedging-Maßnahmen, diese sind aber technisch aufwendig und sehr teuer.

www.4investors.de: Trotz eines Umsatzanstiegs geht der Gewinn von 8,6 Millionen Euro auf 4,8 Millionen Euro zurück. Was sind die Gründe dafür neben einer normalisierten Steuerquote?

Drechsler:
Der Rückgang unseres Konzernergebnisses ist im Wesentlichen auf die Volatilität des Rubels und die negativen Währungsdifferenzen zurückzuführen. Darüber hinaus war das Vorjahresergebnis von positiven Steuereffekten durch hohe Verlustvorträge aus den Vorjahren beeinflusst, die im abgelaufenen Turnus nicht mehr zum Tragen kamen.

www.4investors.de: In der Servicesparte machen sie einen Umsatz von 3,4 Millionen Euro. Wieso ist dieser Bereich trotzdem attraktiv für sie?

Drechsler:
Der Bereich ist vor allem aus Vertriebsgründen wichtig. Unser Credo lautet: Die erste Maschine verkauft der Vertrieb – alle weiteren der Service. Unsere Service-Mitarbeiter helfen uns dabei, die Beziehungen zu unseren Kunden weiter zu stärken und ihre Loyalität zu erhöhen, damit sie beispielsweise künftig auch unsere Smart Farming Dienstleistungen nachfragen. Und die Steigerungsraten unseres Service-Bereichs sind ebenfalls vielversprechend. In den letzten zwei Jahren haben wir den Umsatz von 2,3 Millionen Euro auf 3,4 Millionen Euro erhöht und planen diesen Geschäftsbereich aus besagten Gründen weiter auszubauen.

www.4investors.de: Sie haben im vergangenen Jahr insgesamt 353 Traktoren, Mähdrescher und Futterhäcksler verkauft. Das klingt erst mal nicht sonderlich viel. Können sie diese Zahl einmal in Relation zum Gesamtmarkt setzen?

Drechsler:
Der Gesamtmarkt für importierte Landtechnik beträgt 3.000 Einheiten – Ekotechnika hat hier einen Anteil von über 10 Prozent und das, obwohl unser territorialer Anteil deutlich geringer ist. Man sollte auch erwähnen, dass es sich vornehmlich um sehr große Maschinen handelt. Im letzten Jahr haben wir eine Steigerung bei Traktoren und Mähdreschern von rund 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr erreicht. Insgesamt konnten wir unsere Verkäufe in den letzten drei Jahren fast verdoppeln. Damit sind wir sehr zufrieden.

www.4investors.de: Sie thematisieren im Geschäftsbericht den anhaltenden Trend hin zu wenigen Großkunden. Kann man dagegen etwas unternehmen?

Drechsler:
Diese Entwicklung beobachten wir bereits seit einiger Zeit. Es ist erklärtes Ziel der russischen Regierung, den Agrarsektor weiter zu konsolidieren und die Bildung großer Agrarunternehmen zu fördern. Dies kann man zum Beispiel an der Struktur der Subventionsvergaben ablesen. Wir gehen davon aus, dass dieser Trend weiter anhalten wird. Deshalb arbeiten wir intensiv an der Ansprache dieser Großkunden mit ihren besonderen Anforderungen. Ein Vorteil ist die deutlich höhere Zahlungsdisziplin und das geringere Geschäftsrisiko großer Agroholdings gegenüber kleineren Mitbewerbern.

www.4investors.de: Die Prognose für das neue Jahr klingt eher nach Stagnation als nach Wachstum. Woher soll Fantasie für die Aktie kommen?

Drechsler:
Die Abhängigkeit von den geopolitischen und makro-ökonomischen Rahmenbedingungen in Russland macht eine Prognose für das kommende Geschäftsjahr schwierig. Wegen der Unsicherheiten arbeiten wir mit einem konservativen Planungsansatz, der für das Jahr 2018/2019 von einem Umsatz und EBIT auf Vorjahresniveau ausgeht. Weitere Fantasie kommt definitiv von unseren neuen Produkten in der Forstwirtschaft und dem neuen Geschäftsfeld Smart Farming.

www.4investors.de: Was kann man sich denn unter dem Bereich Smart Farming vorstellen?

Drechsler:
Smart Farming ermöglicht es, die Qualität der Ernte sowie den Ertrag je Hektar zu steigern und die Kosten deutlich zu senken. Durch den Einsatz modernster Techniken wie Drohnen, Ertragskarten und Bodenscannern können Böden detailliert analysiert werden und auf diese Weise die Aussaat und Düngung der Bodenqualität angepasst werden. Seit 2018 arbeiten wir mit unserem Partner John Deere und unserem Schwesterunternehmen Ekosem-Agrar im Projekt „Lead Farms“ zusammen, in welchem wir die Technik zunächst auf 1.000 Hektar und in diesem Jahr auf bis zu 30.000 Hektar einsetzen und testen. Gerade in Russland bieten die enormen Ausmaße der Felder deutliches Potenzial für Effizienzsteigerungen und Kosteneinsparungen. Nach Einschätzung der Investmentbank Goldman Sachs liegt das weltweite Marktpotenzial in diesem Segment bis 2050 bei rund 240 Milliarden US-Dollar.

www.4investors.de: Ab wann rechnen sie mit nennenswerten Umsätzen im Smart Farming Geschäft?

Drechsler:
Sobald wir die Ergebnisse der ersten beiden Erntephasen ausgewertet haben, sollen auch unsere Kunden von den Vorteilen profitieren. Wir gehen derzeit davon aus, dass dies in 2020 der Fall sein wird.

www.4investors.de: Im Bereich Forstwirtschaft haben sie eine Partnerschaft mit Tigercat aus Kanada abgeschlossen. Sie können die Maschinen der Kanadier in Russland vertreiben. Welches Feedback haben sie nach den ersten Wochen erhalten?

Drechsler:
Das Feedback aus dem Markt ist sehr positiv – die Marke ist bekannt und wird wegen der hohen Qualität geschätzt. Allerdings war in der Vergangenheit der Aftermarket (also die weitere Betreuung der Kunden) nicht optimal organisiert, was viele potentielle Käufer abschreckte. Diese Probleme können wir mit unserer Kompetenz und unserer vorhandenen Infrastruktur im Servicebereich ausräumen und somit eine optimale Betreuung garantieren.

www.4investors.de: Und welches Potenzial sehen sie bei dieser Partnerschaft?

Drechsler:
Der Gesamtmarkt in Russland umfasst ca. 400 Maschinen jährlich. Aus unserer Sicht erscheinen hier mittelfristig 10 Prozent bis 20 Prozent Marktanteil realistisch.

www.4investors.de: Der Kurs der Aktie hat sich in den vergangenen zwölf Monaten kaum bewegt, das Plus liegt bei 4 Prozent. Warum ist die Aktie für Anleger dennoch attraktiv?

Drechsler:
Unser Aktienkurs konnte in 2018, nach einem Anstieg um über 300 Prozent seit der Emission Ende 2015, sein hohes Niveau halten, allerdings bei niedrigen Handelsumsätzen. In unseren neuen Geschäftsfeldern und Bereichen wie Smart Farming und Forstwirtschaft sehen wir für die kommenden Jahre ein großes Potenzial für anhaltendes Wachstum. Diese positive Entwicklung sollte auch die Attraktivität unserer Aktie weiter steigern.

www.4investors.de: Wie sehr belasten Ekotechnika die westlichen Sanktionen gegenüber Russland?

Drechsler:
Die größten Auswirkungen haben sicherlich die aufgrund der westlichen Sanktionen getroffenen Gegenmaßnahmen von russischer Seite. So unterstützt die Regierung inländische Landmaschinenproduzenten mit diversen Programmen und Subventionen, sodass die heimische Technik deutlich günstiger ist als die importierte Landtechnik, die wir vertreiben. Nichtsdestotrotz haben unsere Maschinen und Geräte in den meisten Produktkategorien einen deutlichen technischen Vorteil gegenüber den russischen Maschinen. Das ist auch für unsere Kunden, insbesondere die großen Agroholdings, ausschlaggebend bei der Kaufentscheidung. (Redakteur: Johannes Stoffels  Johannes Stoffels auf Twitter )


Exklusiv-Berichte und Interviews aus der 4investors Redaktion:
PfeilbuttonMensch und Maschine: „Auf Jahre hinaus Umsatzzuwächse oberhalb von 10 Prozent“
Das könnte Sie auch interessieren
Soziale Netzwerke: 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook


Weitere Nachrichten aus der 4investors-Redaktion

20.02.2019 - Deutsche Konsum REIT: „Wir werden ein echter Dividendentitel“
20.02.2019 - Commerzbank Aktie: Ein positives Zeichen, aber…
20.02.2019 - Adler Modemärkte will weiter an Profitabilität arbeiten
20.02.2019 - Nel Aktie: Die Abturzgefahren werden nicht kleiner
20.02.2019 - TUI Aktie: Schwierigkeiten beim Comebackversuch
20.02.2019 - Schaltbau: „Auf dem Weg zurück zu historischen Margen”
20.02.2019 - Intershop will 2019 nah an die Gewinnschwelle kommen
20.02.2019 - Fresenius Medical Care hebt Dividende an und will Aktien zurückkaufen
20.02.2019 - Gerry Weber: Neues aus dem Vorstand
20.02.2019 - BYD und Geely: Dominieren jetzt wieder die Rallye-Bewegungen die Aktienkurse?


Chartanalysen

20.02.2019 - Commerzbank Aktie: Ein positives Zeichen, aber…
20.02.2019 - Nel Aktie: Die Abturzgefahren werden nicht kleiner
20.02.2019 - TUI Aktie: Schwierigkeiten beim Comebackversuch
20.02.2019 - BYD und Geely: Dominieren jetzt wieder die Rallye-Bewegungen die Aktienkurse?
20.02.2019 - Singulus Aktie: Es winkt eine völlig neue Perspektive
20.02.2019 - Wirecard Aktie: Wehe, diese Marke wird nicht überwunden…
19.02.2019 - Wirecard Aktie: Was war das denn?
19.02.2019 - Nel Aktie: Dunkle Wolken am Himmel
19.02.2019 - Adyen Aktie: „Was wäre wenn…”
19.02.2019 - Steinhoff Aktie: Neues Kaufsignal im Visier


Analystenschätzungen

20.02.2019 - ElringKlinger Aktie: Die Quittung für den Dividenden-Ausfall
20.02.2019 - Fresenius kommt an der Börse gut an - Kaufempfehlungen
20.02.2019 - Telefonica Deutschland: Erste Reaktionen auf die Zahlen für 2018
20.02.2019 - Deutsche Telekom Aktie: Wird das noch was?
19.02.2019 - Mensch und Maschine: Kaufempfehlung für die Aktie
19.02.2019 - Wirecard Aktie: Traum-Kursziele für den FinTech-Wert
19.02.2019 - Klöckner Aktie - Analysten: Chance-Risiko-Verhältnis hat sich verbessert
19.02.2019 - Lufthansa Aktie: Profiteur der Konsolidierung?
19.02.2019 - BMW, Daimler und VW: Kaufempfehlungen trotz Steuer-Drohung
19.02.2019 - E.On Aktie: Schlapper Start ins Jahr?


Kolumnen

20.02.2019 - DAX: Bekommen die Käufer nun kalte Füße? - UBS Kolumne
20.02.2019 - EuroStoxx 50: Markante Widerstandszone voraus - UBS Kolumne
20.02.2019 - Nachlassende Nachfragedynamik belastet Rohstoffpreise, langfristig Angebotslücke? - Commerzbank Kolumne
20.02.2019 - DAX lächelt freundlich, Bodenbildung aber keine Euphorie - Donner & Reuschel Kolumne
19.02.2019 - Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen für den Februar - VP Bank Kolumne
19.02.2019 - Regierung fordert den Bau neuer Flüssiggasterminals in Norddeutschland - Commerzbank Kolumne
19.02.2019 - S&P 500: Bullen mit einer überzeugenden Leistung - UBS Kolumne
19.02.2019 - DAX: Nächstes Ziel 10.500 Punkte? - UBS Kolumne
18.02.2019 - Amazon Aktie: Nichts Halbes und nichts Ganzes - UBS Kolumne
18.02.2019 - DAX: Ein starker Konter der Bullen - UBS Kolumne

All Right Reserved by minimalthemes - ©2018 Stoffels & Barck GbR