DAX-Studie auf KI-Basis zeigt Zusammenhang zwischen CEO-Vorwörtern und Analystenprognosen auf

22.01.2019, 17:31 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4nvestors auf: Twitter | Google News | Facebook

Eine wissenschaftliche Studie zeigt, dass Vorstandsvorwörter in Geschäftsberichten teilweise geprägt sind von Management- und Governance-Faktoren. Bild und Copyright: Vytautas Kielaitis / shutterstock.com

Eine wissenschaftliche Studie zeigt, dass Vorstandsvorwörter in Geschäftsberichten teilweise geprägt sind von Management- und Governance-Faktoren. Bild und Copyright: Vytautas Kielaitis / shutterstock.com

Die CEO-Kommunikation eines Unternehmens steht in einem messbaren Zusammenhang mit der Streuung von Analystenprognosen zum Ergebnis je Aktie. Zu diesem Schluss kommt eine Studie, die von der Hamburger Agentur für Finanzkommunikation Kirchhoff Consult AG gemeinsam mit der PRECIRE Technologies GmbH aus Aachen und dem Lehrstuhl für Rechnungswesen, Wirtschaftsprüfung und Controlling an der HHL – Leipzig Graduate School of Management durchgeführt wurde. Für die Studie analysierte und interpretierte eine Künstliche Intelligenz (KI) die Tonalität von Vorstandsvorwörtern („Brief an die Aktionäre“) in den Geschäftsberichten aus den Jahren 2015 bis 2017. Im Anschluss ermittelten die Studienautoren, wie diese Tonalität mit Unternehmensdaten und mit Analystenprognosen zusammenhängt.

Künstliche Intelligenz analysiert Vorstandsvorwörter von DAX-Unternehmen: Tonalität im Schnitt überdurchschnittlich aggressiv und impulsiv


Die KI ermittelte die Ausprägung von 29 kommunikativen Faktoren in den Vorstandsvorwörtern. Sie charakterisierte die Texte als überdurchschnittlich aggressiv und impulsiv sowie als unterdurchschnittlich innovativ. Auffällig ist dabei, dass bei vielen Unternehmen die Tonalität des Vorworts von Jahr zu Jahr deutlich schwankt. Dies trägt zu einer inkonsistenten Außendarstellung der DAX-Unternehmen bei. Das Vorstandsvorwort soll jedoch im Idealfall die Unternehmensidentität, die Unternehmenswerte oder die Markenbildung positiv unterstreichen – Aspekte, die sich über kurze Zeiträume nicht sonderlich verändern sollten.

Die Studie zeigt auf Basis dieser Textanalyse, dass Vorstandsvorwörter in Geschäftsberichten teilweise geprägt sind von Management- und Governance-Faktoren. So zeigt sich etwa, dass Vorwörter weniger kompetitiv und weniger inspirierend formuliert sind, wenn ein neuer CEO den Posten antritt, wenn starke Ankeraktionäre an Bord sind, oder wenn das Unternehmen eine hohe Ausschüttungsquote hat.

Eine weitere Erkenntnis aus der Studie ist, dass Zusammenhänge zwischen dem Ton des Vorstandsvorwortes und der Streuung von Analystenprognosen zu diesem Unternehmen bestehen. Auffallend hohe Streuungen treten bei Unternehmen mit besonders „kompetitiven“ Vorwörtern auf, auffallend geringe Streuungen bei Unternehmen mit besonders „inspirierenden“ Vorwörtern.

Vorwörter als ungenutztes Potenzial zur Unternehmenskommunikation


„Das Vorstandsvorwort bestimmt oftmals den ‚Ton‘ der CEO-Kommunikation rund um die Veröffentlichung des Geschäftsberichts und stellt vermutlich den am häufigsten gelesenen Teil des Berichts dar“, so Klaus Rainer Kirchhoff, Gründer und CEO der Kirchhoff Consult AG. „Besonders bemerkenswert ist für mich der in der Studie nachgewiesene Zusammenhang mit den Analystenprognosen der Unternehmen. Diese Erkenntnis belegt die große Bedeutung der Sprache in der Investor Relations-Arbeit und CEO-Kommunikation“, so Kirchhoff weiter.

„Unsere Sprache beinhaltet mehr Informationen als vermutet. Mithilfe unserer KI können wir psychologische Rückschlüsse auf kommunikative und persönliche Kompetenzen sowie die Wirkung der Sprache erschließen“, erklärt Martin Harasim, Chief-Business-Development-Officer von PRECIRE Technologies.

Prof. Dr. Henning Zülch von der HHL sieht in der Nutzung von KI Potenziale für die Kapitalmarktforschung: „Die Digitalisierung verschiebt die Grenzen des Machbaren und des Messbaren – auch in den Bereichen Reporting und Investor Relations. Vorstände werden sich daran gewöhnen müssen, dass künftig nicht mehr nur der Analyst, sondern auch die KI ganz genau zuhört, was sie sagen – mit bisher nur schwer absehbaren Folgen. Der Einsatz künstlicher Intelligenz hilft uns aber auch, unser eigenes Kommunikationsverhalten besser zu verstehen. Wie sehr beeinflussen der Ton, das Charisma unseres Gegenübers unsere Interpretation scheinbar harter Fakten? Diese Frage wirft die aktuelle Studie in eindrucksvoller Weise auf.“

Die vollständige Studie steht hier zum Download bereit.

Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne von Kirchhoff Consult. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

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