USA: Fed-Zinsanhebung, aber Wolken am Horizont verdunkeln die Aussichten! - Nord LB Kolumne

20.12.2018, 11:35 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4nvestors auf: Twitter | Google News | Facebook

Bild und Copyright: Bart Sadowski / shutterstock.com.

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Am gestrigen Abend lieferte die Federal Reserve als Ergebnis der Notenbanksitzung den erwarteten vierten Zinsschritt in diesem Jahr. Die Fed Funds Target Rate wurde um 25bp auf 2,50% angehoben. Diese Maßnahme ist nicht überraschend. Die Entscheidung war einstimmig.

Das FOMC-Statement beinhaltete nur wenige Anpassungen. Am wichtigsten war wohl die Anmerkung, dass die FOMC-Mitglieder „wenige weitere Zinsanhebungen“ erwarten – bisher waren es „weitere Zinsanhebungen“. An Stelle des Halbsatzes „die Arbeitslosenquote ist gefallen“ wurde angemerkt, dass „die Arbeitslosenquote niedrig geblieben“ sei. Zudem werde das FOMC zukünftig die Betrachtung der „globalen Wirtschafts- und Finanzbedingungen“ in ihre Entscheidungen einbeziehen. Dies sind klare Hinweise darauf, dass die Federal Reserve den Autopilot abschaltet und abhängig vom Umfeld agieren wird. Letztlich ist der geldpolitische Pfad unsicherer geworden, was nach acht Zinsanhebungen seit 2016 auch normal ist.

Im Fokus standen eindeutig auch die Zinsprojektionen. Hierbei wurden wichtige Anpassungen vorgenommen: Die FOMC-Gremiumsmitglieder plädieren im Median nun für zwei statt bisher drei Leitzinsanhebungen in 2019. Damit haben einige der Notenbanker auf die Marktturbulenzen und die zugenommenen Risiken für die Konjunktur reagiert. Für 2020 gehen sie unverändert von einer Anhebung und für 2021 von einem Abwarten aus – bei einer Fed Funds Target Rate von dann 3,25% (bisher 3,50%). Es ist festzuhalten, dass nur 11 der 17 Notenbanker für maximal zwei Hikes in 2019 plädieren.

Auch bei den Projektionen für die Makrodaten waren Anpassungen auszumachen: Die erwartete BIP-Wachstumsrate für 2019 wurde mit 2,3% (2,5%) niedriger und für 2020 mit 2,0% unverändert angegeben. Die Arbeitslosenquote wird in 2019 bei unverändert 3,5% und in 2020 bei leicht nach oben angepassten 3,6% gesehen. Die Inflation wird eine Spur niedriger vorausgesagt.

Auf der anschließenden Pressekonferenz zeichnete Notenbankchef Jerome Powell zwar ein grundsätzlich moderat positives Konjunkturbild, allerdings versehen mit einigen dunklen Wolken am Horizont. Seine Aussagen waren in der Summe durchaus als etwas dovish zu bezeichnen.

Powells Bemerkung, „there is a mood of angst about growth going forward“, sorgte keineswegs für Zuversicht an den Kapitalmärkten: Der S&P50 gab deutlich nach, die Rendite zehnjähriger US-Treasuries fiel bis auf 2,75%. Ein neues Zweijahrestief heute im Dax ist angesichts der Vorgaben nicht ganz unwahrscheinlich! Der Euro notiert dagegen wenig verändert bei 1,14 USD.

Wir bleiben bei unserer Ansicht, dass in 2019 zwei Zinsanhebungen am wahrscheinlichsten sind. So sehen wir im März ein Abwarten voraus, einem schwächeren Wirtschaftswachstum und einem (basis- und ölpreisbedingten) Rückgang der Inflationsrate auf unter 2,0% geschuldet. Die Unsicherheit bleibt groß – einige Themen könnten sich noch kritischer entwickeln als heute befürchtet oder sich auflösen. Zu erwähnen ist beispielsweise erstens die 90-Tagesfrist bis zum 2. März, wenn nach derzeitigem Stand die US-Importzölle auf chinesische Waren auf 25% angehoben werden sollen, und zweitens der Termin 29. März, wenn Großbritannien den Brexit triggert.

Fazit: Die Federal Reserve hat wie erwartet die vierte Anhebung der Fed Funds Target Rate in diesem Jahr vorgenommen. Die Maßnahme überrascht nicht. Mit 2,50% liegt der Leitzins nun offenbar in einem Bereich, der als neutral zu bezeichnen ist. Die Konjunkturaussichten und die Projektionen für die Leitzinsen wurden nach unten angepasst: Nun werden nur noch zwei statt drei Hikes in 2019 erwartet. Das ist realistischer! Powell verwies auf einige dunkle Wolken am Horizont. Die Themen Handelspolitik oder Brexit können ein Potential erlangen, die Fed zu einem zeitweisen Abwarten zu bewegen. Die globalen Faktoren wird die Federal Reserve in Zukunft mit berücksichtigen wollen.

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