Alle Jahre wieder, Online verändert den Handel - Commerzbank Kolumne
Die Voraussetzungen für ein gutes Weihnachtsgeschäft konnten in Deutschland angesichts einer Beschäftigung auf Rekordniveau (2017: +1,5% auf 44,3 Mio.) besser kaum sein. Während die Einzelhandelsverbände psychologisch bedingt traditionell und mit eher positiven Annahmen in das wichtige Weihnachtsgeschäft starten, folgt i.d.R. genauso traditionell anschließend die Ernüchterung. Das ist auch diesmal nicht anders und die ersten Signale aus den Einzelhandelsverbänden fallen entsprechend gemischt aus. Probleme haben offenbar insbesondere kleinere Geschäfte, deren Sortimentsumfang im Vergleich zum Internet als nicht mehr zeitgemäß empfunden wird und deren Umsätze tendenziell stagnieren oder sogar rückläufig sind. Größere Geschäfte und insbesondere der Onlinehandel entwickeln sich besser. Bei letzterem erwartet der Einzelhandelsverband HDE für das Weihnachtsgeschäft ein Umsatzplus von 10%. Der stationäre Handel tut sich aus verschiedenen Gründen schwer. Zum einen belastete in 2017 ein kalendarischer Effekt, denn Heiligabend fiel genau auf den 4. Advent. Im vergangenen Jahr lagen noch 5 1/2 Verkaufstage dazwischen. Das dürfte zwar zu relativ vielen Einkäufen in letzter Minute geführt haben, dennoch wirkt so ein Effekt eher dämpfend. Der strukturell bedeutendere Grund liegt im stetigen Aufstieg des Onlinehandels, der sich in den vergangenen Jahren auf immer mehr Produktkategorien ausgeweitet hat. Deshalb mahnt der HDE die Entwicklung von Online-Strategien auch für kleinere Geschäfte an, um zukunftsfähig zu bleiben. Der Lebensmittelhandel bleibt in der Breite angesichts der besonderen logistischen Herausforderungen (Frische, Transportkosten) bisher zwar noch weitgehend verschont, allerdings könnte sich das angesichts der Anstrengungen zahlreicher großer Anbieter, darunter insbesondere Amazon, ändern. Die Onlinestrategie bleibt ein wesentliches Kernelement der Zukunftsfähigkeit.
Anleihen
Frankreich: Verbraucherpreise (Dez.), 8:45 Uhr
Euroraum: Verbraucherpreise (Dez.), 11:00 Uhr
USA: Arbeitsmarktbericht (Dez.), 14:30 Uhr
USA: Handelsbilanz (Nov.), 14:30 Uhr
USA: ISM-Index Dienstleistungen (Dez.), 16:00 Uhr
Gute Konjunkturdaten aus den USA zum Jahresstart und die Aussicht auf eine straffere Geldpolitik sorgten gestern für einen Renditeanstieg bei den US-Staatsanleihen mit kürzeren Laufzeiten. Längere Laufzeiten sowie Bundesanleihen konnten sich dagegen abkoppeln und ihr Kursniveau halten. Die Mitglieder im geldpolitischen Entscheidungsgremium der US-Notenbank sehen mehrheitlich die Inflation langsam auf 2% ansteigen. Zudem würden die Steuersenkungen den Konsum, aber auch die Investitionen ankurbeln. Dies ist zumindest aus dem jüngsten Protokoll der Fed-Sitzungen herauszulesen. Auch die Entwicklung der Vermögenspreise wird von den Währungshütern kritisch beobachtet. Im Vorfeld des heutigen US-Arbeitsmarktberichts lieferte das ADP Research Institute gestern ein sehr positives Bild zum Stellenaufbau: Nach Einschätzung des ADP-Berichts sind im Dezember 250.000 zusätzliche Stellen entstanden. Basierend auf dieser Zahl könnte heute auch der amtliche Bericht einen etwas stärkeren Stellenzuwachs ausweisen als die von Ana-lystenseite erwarteten 190.000 Stellen. Allerdings weichen die beiden Berichte auch häufig deutlich voneinander ab. Zudem zeigte der ISM-Index am Mittwoch einen Rückgang der Arbeitsmarktkomponente um 2,7 Punkte. Mithin könnte zumindest der Stellenaufbau im Verarbeitenden Gewerbe etwas schwächer als im November (31.000) gewesen sein. Auf gute Nachfrage stieß gestern die Auktion spanischer Staatsanleihen – die erste in diesem Jahr. Die Anleihen waren stärker überzeichnet als im Schnitt des letzten Jahres. Bei den Bestandsanleihen führte dies zu Renditerückgängen, bei der 10-jährigen bspw. um knapp 7 Bp. auf 1,53%.
Aktien
Nachdem die Aktienmärkte in Europa einen vergleichsweise holprigen Start ins neue Jahr hingelegt hatten, verstärkte sich am dritten Handelstag des neuen Jahres der positive Trend. Die Leitindizes legten um bis zu 2,8% (Italien) zu. Für Schwung sorgten dabei vor allem die positiven Vorgaben von der Wallstreet und aus Asien. So gewann der japanische Nikkei 225-Index nach einer feiertagsbedingten Pause gleich am ersten Handelstag 3,3% und setzte damit ein kräftiges Ausrufezeichen. Leicht steigende Zinsen, der etwas festere Euro sowie ein in den vergangenen Wochen und Monaten deutlich gestiegener Ölpreis konnten den Aktienmärkten gestern nichts anhaben. Sehr robuste Makrodaten in Europa, Asien und in den USA wecken Hoffnungen auf weitere Kursgewinne. Der Dax gewann nach einem verhaltenen Start rd. 1,5% und marschierte wieder in Richtung der Marke von 13.200 Punkten. Auf europäischer Sektorenebene waren am gestrigen Tag insbesondere Werte aus den Bereichen Bau und Automobile gefragt, die durchschnittlich um 1,9% bzw. 1,8% zulegen konnten. Am Ende der Performancerangliste notierten Werte aus dem Immobiliensektor, die im Schnitt um 0,7% nachgaben. Die Börsen in den USA setzten ihren Aufwärtstrend unterstützt von robusten Arbeitsmarktdaten fort. Der Dow Jones-Index (+0,6%) erzielte ein neues Allzeithoch und überwand erstmals die Marke von 25.000 Punkten. Auch der S&P 500-Index (+0,4%) und der NASDAQ Composite-Index markierten Rekordhochs. Auf Sektorenebene (S&P 500) waren insbesondere Aktien aus dem Bereich Finanzen gefragt, die im Schnitt um 0,9% kletterten. Am Ende der Performancerangliste notierten dagegen Werte aus dem Immobilienbereich, die durchschnittlich um 1,7% sanken. Die Börsen in Asien tendierten zum Wochenschluss zumeist freundlich. Der Nikkei 225-Index (+0,9%) legte erneut zu. Auch der südkoreanische Kospi-Index gewann 1,3%.