Pyrolyx: Recycelte Reifen öffnen Milliardenmarkt

Pyrolyx-Vorstandschef Niels Raeder im Exklusivinterview mit der Redaktion von www.4investors.de. Bild und Copyright: Pyrolyx.

Pyrolyx-Vorstandschef Niels Raeder im Exklusivinterview mit der Redaktion von www.4investors.de. Bild und Copyright: Pyrolyx.


Nachricht vom 21.02.2017 21.02.2017 (www.4investors.de) - Pyrolyx ist bisher kaum einem Investor ein Begriff. Vorstandschef Niels Raeder erläutert im Exklusivinterview mit der Redaktion von www.4investors.de, warum sich dies ändern könnte. Er spricht über die Expansion in den USA, das Fehlen von Kapazitäten, den Umweltgedanken und die Finanzierung der Gesellschaft. Dabei hat Pyrolyx gerade im Rahmen einer Kapitalerhöhung fast 300.000 Aktien platzieren können. Das frische Geld soll für den internationalen Geschäftsausbau genutzt werden. Raeder erläutert in dem Gespräch auch, wie er einen australischen Milliardär zum Investor gemacht hat und welche Prognose es für 2017 gibt.


www.4investors.de: Viele Anleger werden mit der Pyrolyx AG wenig anfangen können. Beschreiben Sie bitte ihre Gesellschaft in drei Sätzen!

Raeder:
Der Pyrolyx AG ist es als erstem Unternehmen weltweit gelungen, Altreifen so zu recyceln, dass das wiedergewonnene Carbon Black zur Herstellung neuer Reifen erneut eingesetzt werden kann. Pyrolyx hat durch diese Entwicklung den Grundstein für die Beseitigung eines der weltweit größten Umweltprobleme gelegt und gleichzeitig die Türen zu einem Milliardenmarkt für sich geöffnet. Die Pyrolyx Gruppe hat für diese bahnbrechende Entwicklung über 50 Millionen Euro in den vergangenen 10 Jahren investiert.

www.4investors.de: Sie sagten jüngst in München, dass es in den USA und in Europa Kapazitätsengpässe auf dem Carbon Black Markt gibt. Warum erkennt niemand diese Chance und errichtet neue Kapazitäten?

Raeder:
Carbon Black Hersteller gibt sehr wenige und diese haben sich in den vergangenen Jahren, sofern sie international aufgestellt sind, verständlicher Weise mehr auf den bisherigen Wachstumsmarkt Asien konzentriert. Außerdem zwingen steigende Umweltauflagen die Hersteller in den USA und Europa, ihre Anlagen nachzurüsten, ein kostenintensiver Prozess, der für kleinere und mittlere Hersteller generell nur schwer bewältigt werden kann und den Großen wenig Freiraum für sonstige Investitionen lässt.

Gerade hier liegen aber auch unsere Wettbewerbsvorteile: Wenn wir pro Jahr zwei bis drei Anlagen mit einer Produktionsmenge von jeweils 14.000 t/rCB errichten würden, könnten wir zumindest das weltweite Carbon Black Marktwachstum von über 3 Prozent pro Jahr zu ca. 10 Prozent decken. Wir nehmen damit auch niemanden Marktanteile weg, was die Akzeptanz unseres recovered Carbon Black natürlich beschleunigt.

www.4investors.de: Sie stellen dem Markt recyceltes Carbon Black zur Verfügung. Welche Vor- und Nachteile hat dieser Stoff gegenüber dem „normalen“ Carbon Black?

Raeder:
Wir haben drei uneinholbare Vorteile:

Erstens bieten wir recovered Carbon Black mit einem sehr interessanten Discount zum vergleichbaren „Virgin Carbon Black“ an. Bei den in Summe grundsätzlich hohen Carbon Black Preisen macht dieser Preisvorteil für unsere Kunden teilweise hunderttausende Euro pro Jahr aus.

Zweitens, wir sind richtig grün – wir sparen pro Tonne durch unseren Prozess produziertes recovered Carbon Black gegenüber dem herkömmlichen Produktionsverfahren ca. 2,7 t/CO2 und 2 t Rohöl. Sollte rCB, wie von Marktexperten prognostiziert, wirklich einmal knapp ein Viertel des Weltmarktes an Carbon Black ersetzen, wäre das zu diesem Zeitpunkt eine Einsparung von über 10 Millionen Tonnen CO2 und ca. 6 Millionen Tonnen Rohöl bzw. über 40 Millionen Barrel Öl pro Jahr.

Drittens sind wir im Vergleich zu Virgin Carbon Black für den Menschen gesundheitlich deutlich unbedenklich. Die sogenannten krebserregenden PAH’s treten nach ersten Testergebnissen nur rudimentär auf (ca. 90 Prozent weniger als bei CB) und dies macht unser rCB bei bestimmten Anwendungen vor allem im Food Contact Bereich zur einer Killer-Applikation.

Was die grundsätzliche Anwendung unseres rCB im Reifen, anderen Gummi- oder Plastikprodukten angeht, sind diese vielseitig und je nach Anwendung bis zu einem gewissen Punkt relativ uneingeschränkt. Wir gehen davon aus, dass unser aktuell adressierbarer Markt bis zu 50 Prozent des Carbon Black Weltmarktes ausmacht. Angenommen unsere R+D Abteilung entwickelt so erfolgreich weiter wie bisher, bin ich davon überzeugt, dass wir diesen Anteil weiter steigern können.

www.4investors.de: Das recycelte Carbon Black kann also auch ganz normal in der Reifenproduktion genutzt werden?

Raeder:
Ja, das recovered Carbon Black, also das zurückgewonnene Carbon Black, kann bei der Produktion von Neureifen zugemischt werden. Der prozentuale Anteil wird durch die Art der Applikation bestimmt. So kann man derzeit z.B. in die sogenannten Sidewalls und Innerliner eines Reifen aktuell ca. 20-40 Prozent einmischen, in die Laufflächen nur bis zu 10 Prozent.

www.4investors.de: Aktuell haben Sie eine Reihe von internationalen Kooperationsanfragen auf dem Tisch. Wie ist dort der Stand der Dinge?

Raeder:
Scheinbar hat es sich langsam herumgesprochen, dass wir es als erstes Unternehmen der Welt geschafft haben, rCB wieder an die Reifenindustrie zurück zu verkaufen. Jeder der also heute Zugang zu Altreifen hat, kann mit unserer Technologie einen immensen Beitrag zum Umweltschutz leisten und gleichzeitig ein profitables Geschäft betreiben. Dass das reizvoll ist, kann man ja nachvollziehen.

Die für uns am seriösesten wirkenden Anfragen, häufig auch von Regierungen, prüfen wir konsequent. Man kann davon ausgehen, dass im laufenden Jahr noch weitere Kooperationen vermeldet werden können, sei es auf der Produktionsseite oder im Vertrieb.

www.4investors.de: Wie teuer ist es für sie, eine Anlage zu bauen?

Raeder:
Die Investitionshöhe ist abhängig von der Produktionskapazität, die errichtet werden soll. Die aktuell geplante Errichtung des Werkes in den USA wird ungefähr bei 25 Millionen Euro bis 30 Millionen Euro liegen.

www.4investors.de: Welche Erwartungen haben sie an das im Dezember verkündete Joint Venture in den USA? Welche Investitionen sind dort nötig, wann kann die Anlage ihren Betrieb aufnehmen?

Raeder:
Mit Reklaim haben wir unseren Wunschpartner für ein Joint Venture gefunden, da das Unternehmen in den USA einen exzellenten Marktzugang bietet, ein hervorragendes Management mitbringt und wir unsere Technologie an einem strategisch sehr wichtigen Standort schnell errichten können. Der Anteil der Pyrolyx AG an dem amerikanischen Joint Venture beträgt aktuell 81 Prozent und das Joint Venture firmiert unter Pyrolyx USA Inc.

Wir werden zur Errichtung der ersten Anlage rund 25 Millionen Euro bis 30 Millionen Euro investieren und damit in der ersten Produktionsstufe eine technische Kapazität von 16 kt rCB erreichen. Die Nachfrage ist aber schon jetzt so groß und nachhaltig in den USA, so dass die Planung für zwei weitere Standorte bzw. Anlagen mit jeweils gleicher Kapazität parallel vorangetrieben werden. Wir gehen davon aus, im Laufe des nächsten Jahres mit der Produktion in den USA beginnen zu können, vorausgesetzt es gibt keine Verzögerungen bei den abschließenden Planungen.

www.4investors.de: Zu ihren Großaktionären zählen der australische Milliardär Michael Triguboff und die Familie von Roland Berger. Wie kommt man an solche Investoren?

Raeder:
Das geht wahrscheinlich nur über persönliche Empfehlungen und Vertrauen. Ich habe Roland Berger über seinen Sohn ganz zu Anfang kennen gelernt und er hat uns einfach, schnell und unkompliziert finanziell unterstützt. Dann erfolgte eine Empfehlung auf die andere. Erst in der EU dann Richtung USA, dann Russland und China und in den letzten drei Jahren in Australien. Wir verfügen über mehr als 20 sehr finanzstarke Investoren, die uns jederzeit unterstützen, wenn es notwendig ist, aber auch besonderes Engagement unseres Teams einfordern und natürlich zuletzt auch Erfolge sehen möchten. Das alles können wir nach wie vor bieten!

www.4investors.de: Heute findet in München eine außerordentliche Hauptversammlung statt. Dort soll neues Kapital geschaffen werden. In der Folge können rund 1,6 Millionen Aktien mittels Kapitalerhöhung ausgegeben werden. Wofür soll das frische Geld genutzt werden? Zukäufe oder neue Anlagen?

Raeder:
Durch die Schaffung neuer Kapitalien wollen wir uns die maximale Flexibilität zur Finanzierung der von mir angesprochenen ersten Produktionsstufe in den USA schaffen, um damit einen der nachfragestärksten Märkte beliefern zu können. Mit diesem Schritt starten wir gewissermaßen unseren Rollout zum Aufbau von Produktionskapazitäten. Auch für den weiteren Ausbau der deutschen Anlage in Stegelitz benötigen weiteres Investivkapital. Hier sind wir dieses Jahr ausverkauft und brauchen dringend weitere Kapazität.

www.4investors.de: Die Hauptversammlung soll auch den Weg für Wandel- und/oder Optionsschuldverschreibungen im Volumen von bis zu 90 Millionen Euro freimachen. Weshalb wählen sie zusätzlich auch diesen Weg der Kapitalbeschaffung?

Raeder:
Wir stehen vor dem Auf- und Ausbau von Produktionsstätten, um den weltweit steigenden Bedarf an rCB bedienen zu können und weiterhin die aktive Rolle als Technologieführer zu verkörpern. Dazu verschaffen wir uns auf komplementären Wegen die Grundlagen über den Kapitalmarkt und vergrößern unseren Investorenkreis, um uns immer breiter aufstellen zu können. Und - ich sprach es eben schon an - wir wollen es ja nicht bei einer Produktionsstätte in den USA belassen. Auch die Kapazitäten in Deutschland bzw. Europa sollen erweitert werden, um die Nachfrage bedienen zu können.

www.4investors.de: Wie viel Geld benötigen sie im laufenden Jahr, um ihre Pläne zu finanzieren?

Raeder:
Wir gehen davon aus, in den nächsten Monaten mindestens 20 Millionen Euro Kapital einzusammeln.

www.4investors.de: Welche Prognose geben sie für 2017 ab?

Raeder:
Der globale Carbon Black Markt wird in den nächsten 10 Jahren um etwa 38 Prozent auf über 20 Milliarden Euro Umsatz wachsen. Wir als Technologieführer werden hier eine aktive und starke Rolle einnehmen. Deshalb gilt jetzt unser Hauptaugenmerk auf den Bau der ersten Produktionsanlage in den USA. Darüber hinaus werden wir die Evaluierung weiterer Standorte außerhalb Nordamerikas in Angriff nehmen und die vorliegenden Kooperationsanfragen sorgfältig prüfen.

www.4investors.de: Wann wird Pyrolyx profitabel werden?

Raeder:
Je nachdem wie schnell wir den Betrieb der ersten Anlage in den USA vollständig hochgefahren haben. Derzeit gehen wir von aus, in 2019 operativ profitabel zu werden.

www.4investors.de: Wenn man die Aktie von Pyrolyx als Risikowert einschätzt, liegt man nicht völlig falsch, oder?

Raeder:
Risiken gibt es grundsätzlich immer, wenn man etwas Bahnbrechendes entwickelt und sich dann dazu entschließt, es auch wirklich umzusetzen. Umso mehr das dann aber wirklich gelingt, umso geringer sind die Risiken und ich finde, es ist uns sogar schon extrem gut gelungen! (Autor: Redaktion 4investors  Redaktion 4investors auf Twitter )


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