Bastei Lübbe: Bilanzierung geprüft und von Wirtschaftsprüfern testiert

Bastei Lübbe Vorstandschef Thomas Schierack weist jüngst in einem Bericht der „Wirtschaftswoche“ aufgekommene Vorwürfe einer „kreativen Bilanzierung“ zurück. Bild und Copyright: Bastei Lübbe.

Bastei Lübbe Vorstandschef Thomas Schierack weist jüngst in einem Bericht der „Wirtschaftswoche“ aufgekommene Vorwürfe einer „kreativen Bilanzierung“ zurück. Bild und Copyright: Bastei Lübbe.

19.07.2016, 16:58 Uhr - Autor: Redaktion 4investors  Redaktion 4investors auf Twitter  | 4nvestors auf: Twitter | Google News | Facebook

Der Bastei Lübbe AG wird in einem Medienbericht der „Wirtschaftswoche“ „kreative Bilanzierung“ unterstellt. Im Kern zielen die Vorwürfe auf die bilanzielle Einbindung der neuen Digitalaktivitäten, insbesondere der Beteiligung an der oolipo AG und Daedalic Entertainment GmbH.

Im Interview mit der Redaktion von www.4investors.de spricht Vorstandschef Thomas Schierack über Details und Hintergründe der konzerneigenen Bilanzierungspolitik, die aktuelle Dividendenkürzung und die bevorstehende Rückzahlung der Unternehmensanleihe.

www.4investors.de: In einem aktuellen Artikel behauptet die „Wirtschaftswoche“, ein großer Teil der Gewinne von Bastei Lübbe würde aus „kreativer Bilanzierung“ entstehen. Was sagen Sie zu diesen Vorwürfen?

Schierack:
Die Vorwürfe sind aus unserer Sicht haltlos. Wir haben von Anfang an offen kommuniziert, bei welchen Gewinnen es sich um Einmalgewinne handelt und was die jeweiligen Hintergründe dazu sind. Zudem werden jegliche unserer Bilanzierungsmaßnahmen kontinuierlich von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG geprüft, testiert und führten bislang zu keinerlei Beanstandungen. In der Tat haben wir im März 2015 eine Beteiligung in Höhe von 55 Prozent an der oolipo AG an die in London ansässige Blue Sky Tech Ventures Limited verkauft. Richtig ist auch: Blue Sky Tech Ventures wurde erst kurz vorher als Unternehmen mit dem Geschäftszweck der Akquise von Investoren vom internationalen Finanzexperten Andrew Irvine gegründet. Mit Blue Sky Tech Ventures Limited haben wir einen Partner gefunden, mit dessen Hilfe wir weitere strategische Investoren zur Finanzierung des internationalen Marktangangs des Start-ups oolipo an Bord nehmen können. Eine Konsequenz aus der Aufnahme neuer Investoren ist, dass wir unsere Beteiligung an der oolipo AG nicht länger voll konsolidiert haben. Eine ähnliche Vorgehensweise war übrigens aufgrund der Bilanzierungsvorschriften IFRS auch bei Daedalic Entertainment notwendig.

Im Fall oolipo AG wurde auf Basis des damaligen Business Plans dann ein angemessener Kaufpreis festgelegt. Die Zahlungsfrist für den Kaufpreis berücksichtigte zu diesem Zeitpunkt, dass mit der Investorenansprache im Mai/Juni 2015 begonnen werden sollte. Wie bei Start-up-Gesellschaften üblich, ist das Geschäftsmodell dann insbesondere hinsichtlich des Marktangangs nochmals überarbeitet worden, was in der Folge zu niedrigeren Budgetansätzen führte. Deswegen wurde die Investorenansprache auf Mai/Juni 2016 verschoben sowie die Kaufpreiszahlungsfristen verlängert. Die Zahlungen werden aber mit der Aufnahme neuer Investoren nun Zug um Zug wie geplant geleistet. Inzwischen sind bereits ca. 1 Million Euro an Kaufpreisen bezahlt worden.

www.4investors.de: Sie sprechen es an, Blue Sky sollte einen Teil der oolipo-Anteile an neue Investoren weiterreichen. Ist dies inzwischen geschehen? Und falls ja, zu welchem Preis sind diese neuen Investoren bei oolipo eingestiegen?

Schierack:
Vielleicht vorweg: oolipo und Daedalic sind unsere mit Abstand wichtigsten digitalen Investments. Beiden kommt in unserer Digitalstrategie eine große Bedeutung zu. Das Potenzial dieser beiden Firmen erkennen immer stärker auch externe Investoren. Zwischenzeitlich sind drei weitere Investoren an der oolipo AG beteiligt, die zu Preisen deutlich über Buchwert eingestiegen sind. Auch dies bestätigt die Werthaltigkeit des Buchwertes der oolipo AG und untermauert unser Vorgehen.

www.4investors.de: Was sagen Sie zum Vorwurf der „kreativen“ Bilanzierung?

Schierack:
Ich verstehe diese Kritik nicht ganz. Die so genannte „kreative“ Bilanzierung ergibt sich zwingend aus den Vorschriften des IFRS, an die wir gebunden sind. Zudem erfüllen wir als börsennotiertes Unternehmen höchste Transparenzanforderungen und kommen unseren Publizitätspflichten umfassend nach. Unsere Bilanzierungsmaßnahmen werden, wie bereits zuvor betont, fortlaufend durch die KPMG geprüft und testiert. Bei dem Übergang einer Vollkonsolidierung zu einer at equity-Konsolidierung muss nach IFRS zwingend der Fair Value des Unternehmens festgestellt werden. Dies ist sowohl in Folge der beschriebenen oolipo-Transaktion als auch im letzten Jahr bei der Daedalic GmbH geschehen, als diese nicht mehr vollkonsolidiert wurde. Dies hat also nichts mit „kreativer“ Bilanzierung zu tun, sondern mit allgemein verbindlichen Bilanzierungsvorschriften. Die Wertansetzung in der Bilanz wird überdies alljährlich durch einen Impairment-Test, der auch wieder von den Wirtschaftsprüfern überprüft wird, kontrolliert. Dies alles haben wir im Übrigen in den letzten Jahren auch ganz offen kommuniziert.

Was in dem Wirtschaftswoche-Artikel unerwähnt bleibt, ist die Tatsache, dass wir sowohl im Geschäftsjahr 2014/2015 als auch im Geschäftsjahr 2015/2016 außerordentliche Aufwendungen in einer Größenordnung von ca. 8 Millionen Euro hatten, die sich belastend auf die Ergebnissituation ausgewirkt haben. Von geschönten Finanzkennzahlen kann ergo nicht die Rede sein.

www.4investors.de: Die Rede ist auch von einem „Geld-Rondell“, das durch den Bastei-Lübbe-Aufsichtsrat Professor Michael Nelles in Schwung gehalten wird. Welche Rolle spielt Michael Nelles bei den Finanzierungen und Übernahmen tatsächlich und wie lassen sich diese Geschäfte mit seiner Tätigkeit als Aufsichtsrat vereinbaren?

Schierack:
Herr Professor Nelles war zunächst im Beirat unserer Gesellschaft und ist seit dem Börsengang Mitglied des Aufsichtsrats der Bastei Lübbe AG. Er hat uns bei der Übernahme an der Räder GmbH im Jahr 2012 und bei einigen Finanzierungen unterstützend begleitet. Seine Tätigkeiten sind jeweils im Vorfeld klar umrissen worden und es liegen Aufsichtsratsbeschlüsse vor, die diese Tätigkeiten genehmigen. Darüber hinaus haben wir dies in unseren Geschäftsberichten transparent gemacht. Wir sehen keinen Interessenkonflikt mit seiner Tätigkeit als Aufsichtsratsmitglied.

www.4investors.de: In der Berichterstattung ist auch die Rede von einem „veritablen Krach“ in der Geschäftsführung von Bastei Lübbe im Jahr 2015, in dessen Folge der Ex-Digitalvorstand Jörg Plathner das Unternehmen „Knall auf Fall“ nach nur knapp einem Jahr verlassen musste. Trifft es zu, dass der kurze Zeit später vollzogene Verkauf des Daedalic-Anteils an Blue Sky den Ausschlag für den Abgang von Jörg Plathner gab?

Schierack:
Nein, es gibt außer der zeitlichen Nähe keinerlei Zusammenhang zwischen der Trennung von Herrn Plathner und dem Weiterverkauf des Daedalic-Anteils.

www.4investors.de: Bastei Lübbe hat die Dividende für das Geschäftsjahr 2015/2016 für viele Aktionäre unerwartet auf 0,10 Euro gekürzt. Hat Bastei Lübbe nicht genügend liquide Mittel für eine Fortsetzung der bisherigen Dividendenpolitik?

Schierack:
Diese Dividendenkürzung ist eine temporäre Maßnahme. Der einzige Grund hierfür ist, dass wir aktuell verstärkt in unser Wachstum investiert haben – insbesondere in anorganisches Wachstum mit den jüngsten Zukäufen von BuchPartner und Lyx, welche wichtige Bausteine für unsere Wachstumsstrategie darstellen. Wir haben in den vergangenen Monaten insgesamt rund 18 Millionen Euro in neue Firmen investiert. Wir standen daher vor der Frage, jetzt eine Kapitalerhöhung durchzuführen oder die Dividende von 0,30 Euro je Aktie auf 0,10 Euro zu reduzieren. Wir haben uns gegen die Verwässerung durch Kapitalerhöhung entschieden und für die Kürzung der Dividende. Aber klar ist: Wir planen natürlich in Zukunft die Fortsetzung unserer bisherigen Dividendenpolitik. Wir beabsichtigen, nach dieser zeitlich begrenzten Phase zukünftig wieder 40 Prozent bis 50 Prozent des ausschüttungsfähigen Gewinnes an die Aktionäre auszuschütten.

www.4investors.de: Die aktuelle EBITDA-Prognose für das laufende Jahr beläuft sich auf rund 14 Millionen Euro, während Sie zuvor noch eine Steigerung auf 18 Millionen Euro bis 19 Millionen Euro in Aussicht gestellt hatten. Warum ist das so und welche Bereiche laufen schlechter als erwartet?

Schierack:
Hintergrund der Rücknahme der EBITDA-Prognose ist die Tatsache, dass sich Spitzentitel ins nächste Geschäftsjahr verschoben haben, mit denen wir in unserer ursprünglichen Planung früher gerechnet hatten. Dies ändert jedoch nichts an den positiven Wachstumsperspektiven des Gesamtkonzerns.

www.4investors.de: Was entgegnen Sie Kritikern, die Bastei Lübbe vorwerfen, es trotz vorhandener Mittel seit dem Börsengang nicht geschafft zu haben, sich im Kernbereich Buch unabhängiger von seinen Topautoren Ken Follett und Dan Brown zu machen bzw. neue Top-Autoren unter Vertrag zu nehmen?

Schierack:
Autoren vom Umsatzniveau eines Ken Follett oder Dan Brown sind rar gesät. Weltweit gibt es vielleicht vier oder fünf Autoren dieses Kalibers. Zwei davon sind bereits bei Bastei Lübbe unter Vertrag. Topautoren selbst aufzubauen ist ein mittel- bis langfristiges Unterfangen. Im Frühjahr 2017 werden wir eine solche Potenzialautorin mit Shari Lapena „The couple next door“ veröffentlichen. Gleichzeitig arbeiten wir konsequent daran, die Möglichkeiten, die unsere Beteiligungen bieten, gezielt bei der Autorenakquise einzusetzen. Dadurch können wir Autoren zusätzliche Möglichkeiten bieten, die andere Verlage nicht haben. Ich gehe fest davon aus, dass das unsere Anziehungskraft mittel- und langfristig weiter steigern wird.

www.4investors.de: Wie haben Ihre Investoren auf den Wirtschaftswoche-Artikel reagiert?

Schierack:
Soweit wir Reaktionen erhalten haben, waren diese natürlich nicht durchweg begeistert. Gut aufgenommen wurde, dass wir auf der Bilanzpressekonferenz, der letzten Hauptversammlung und in Interviews unsere Strategie und die zugrunde liegenden Fakten offengelegt und stets transparent kommuniziert haben.

www.4investors.de:Neben der Bastei-Lübbe-Aktie ist in den letzten Tagen auch der Kurs der börsennotierten Anleihe unter Druck geraten. Müssen die Anleihegläubiger jetzt um die fristgerechte Rückzahlung der im Oktober 2016 fälligen Anleihe bangen?

Schierack:
Nein, die Anleihe-Gläubiger müssen nicht bangen. Zinsen und Anleihe werden im Oktober 2016 vollständig und fristgerecht zurückbezahlt werden. Die Finanzierung ist durch den im Oktober 2015 abgeschlossenen Konsortialkredit seit langer Zeit schon gesichert.

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