Börse am Morgen: Commerzbank, Südzucker, UniCredit, Ölpreise - Nord/LB
09.07.2026 07:26 Uhr - Autor: Kolumnist auf twitter
Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat die nationalen Behörden aufgefordert die Kapitalpuffer für Banken explizit nicht zu senken. „Die Risiken für die Finanzstabilität im Euroraum sind in einem Umfeld anhaltender geopolitischer Spannungen und Unsicherheit erhöht geblieben“ heißt es wörtlich. Laut EZB-Rat wäre eine Eskalation oder ein Fortdauern des Krieges im Nahen Osten nachteilig für die globalen Energie- und Rohstoffmärkte mit entsprechenden Konsequenzen für die Inflations- und Wachstumsaussichten. Darüber hinaus warnt der EZB-Rat vor einem Anstieg an Cybersicherheitsrisiken sowie hybriden Bedrohungen der kritischen Infrastruktur. Claudia Buch (oberste EZBBankenaufseherin) hatte erst am Dienstag dieser Woche den Banken im Euroraum eine Frist bis zum 31. Oktober dieses Jahres gesetzt um Pläne zur Abwehr von Cyber-Bedrohungen einzureichen. Tagesausblick Aktien- und Rentenmärkte Auch an den Rentenmärkten zeigten sich die Auswirkungen der militärische Eskalation in Nahost instantan. Energiepreisinduzierte länger anhaltende Inflation bleibt an den weltweiten Bondmärkten das zentrale Thema. Länderübergreifend zogen die Renditen europäischer Staatsanleihen am Mittwoch an. 10-jährige Deutsche Bunds rentierten wieder oberhalb der 3%-Marke (Intraday: +10bp; 3,09%). DAX -2,23%; MDAX -3,40%; TecDAX -2,27%; Dow Jones -1,09%; S&P 500 -0,28%; Nasdaq Comp. +0,20%. Unternehmen Devisen und Rohstoffe Kakao Future Preise übersprangen gestern zum ersten Mal seit Januar wieder das USD 6.000 Niveau pro Tonne. Grund sind zunehmende Sorgen der Händler hinsichtlich Wetterrisiken in West Afrika (langanhaltende Regenfälle aufgrund des El Niño Effekts). Der liquideste gehandelte Kontrakt zog in New York auf USD 6.224 an (+8,1%). Ansteigende Ölpreise führen bei Devisenhändlern zu der Erwartung, dass die Fed in diesem Jahr die Zinsen wohl doch noch anheben könnte. Der Greenback reagiert darauf aber ggü. dem EUR äußerst gelassen. Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
Die Deutsche Handelsbilanz für den Mai steht heute Morgen im Fokus, was Aufschluss über die weltweiten Handelsströme unter angepassten Lieferketten geben könnte. Außerdem zeigen heute Nachmittag die sog. Hauswiederverkäufe in den USA, wie es um den dortigen Immobilienmarkt bestellt ist. Zuletzt pendelte dieser Indikator um die Schwelle von 4 Millionen Einheiten, wir erwarten jedoch einen leichten Impuls nach oben. Auf der Unternehmensseite wird die Südzucker AG heute den Quartalsbericht für Q1 des Geschäftsjahres 2026/2027 veröffentlichen.
Das aktuell beobachtbare Wiederaufflammen des militärischen Konfliktes am Persischen Golf hat die Rekordjagd am Aktienmarkt zumindest gestern vorerst beendet. Höhere Risikoprämien und wieder größere Sorgen bezüglich der Effekte des Ölpreises auf die Inflationsentwicklung und die globale Wirtschaftsaktivität belasten die Stimmung der Investoren. Die Anleger gingen sprichwörtlich in Deckung, was den deutschen Leitindex DAX sogar wieder unter die „magische“ Marke von 25.000 Punkten gedrückt hat. Schon in der Nacht zum Mittwoch hatte das US-Militär als Antwort auf eine iranische Attacke auf ein Handelsschiff mehr als 80 Ziele am Persischen Golf angegriffen. Inzwischen hat der US-Präsident Donald Trump die brüchige Waffenruhe am Rande des NATO-Gipfels zudem sogar für beendet erklärt. Politische Börsen haben zwar in der Regel eher kurze Beine, der Risikomanager im Hinterkopf vieler Anleger hat nun aber zunächst das Ruder ergriffen und die Kurse nach unten gedrückt. Trump drohte bspw. öffentlich mit einer möglichen Besetzung der strategisch wichtigen Insel Charg (Iran).
Unicredit hat sich über ihr Aktientauschangebot weitere 17,6% der Commerzbank-Aktien gesichert und hält damit nun insgesamt 44,37% der Anteile. Über bestehende Kaufoptionen könnte die Beteiligung auf 47,59% steigen und läge damit nur knapp unter der Mehrheitsschwelle. Zusätzlich bestehen Derivatepositionen, die mit Zustimmung der Gegenpartei in weitere Aktien umgewandelt werden könnten. Der Bund bekräftigte in diesem Umfeld, dass der Anteil von zwölf Prozent nicht verkauft werden soll. „Das aggressive und feindliche Vorgehen der UniCredit bleibt aus Sicht der Bundesregierung inakzeptabel.“
Die neuen Spannungen im Nahen Osten haben die Sorgen über mögliche Öl-Lieferausfälle wieder verstärkt und die Ölpreise deutlich steigen lassen. Brent und WTI legten seit Dienstag dieser Woche schon um mehr als 10% zu. Marktteilnehmer fürchten ein komplettes Scheitern des fragilen Waffenstillstands und weitere Störungen auf der wichtigen Transportroute (verschärfte Sanktionen gegen iranische Ölexporte), was das Risiko höherer Ölpreise wieder erhöht.
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