DAX: Das Wiederaufflammen des Iran-Konfliktes stoppt die Rekordjagd - Nord/LB
08.07.2026 16:54 Uhr - Autor: Kolumnist auf twitter
Das aktuell beobachtbare Wiederaufflammen des militärischen Konfliktes am Persischen Golf hat die Rekordjagd am Aktienmarkt zumindest vorerst beendet. Höhere Risikoprämien und wieder größere Sorgen bezüglich der Effekte des Ölpreises auf die Inflationsentwicklung und die globale Wirtschaftsaktivität belasten die Stimmung der Investoren. Die Anleger gehen sprichwörtlich in Deckung, was den DAX sogar wieder unter die „magische“ Marke von 25.000 Punkten gedrückt hat. In der Nacht hatte das US-Militär als Antwort auf eine iranische Attacke auf ein Handelsschiff mehr als 80 Ziele am Persischen Golf angegriffen. Inzwischen hat Donald Trump die brüchige Waffenruhe am Rande des NATO-Gipfels zudem sogar für beendet erklärt. Nachdem die Optimisten am globalen Aktienmarkt eindeutig das Ruder übernommen hatten, spüren die Pessimisten nun klaren Aufwind. Wir haben immer wieder auf das Risiko eines Wiederaufflammens des Konfliktes hingewiesen. Washington und Teheran dürften beide kein Interesse daran haben, in Medienberichten als Verlierer des Waffengangs dargestellt zu werden. Insofern war durchaus mit kontroversen Wortmeldungen und vielleicht sogar auch mit kleineren Scharmützeln zu rechnen. Die aktuellen Nachrichten präsentieren sich zunächst aber doch wirklich unfreundlich und lösen entsprechend größere Sorgen bei den Anlegern aus, welche angesichts der freundlichen Kursentwicklung der Vergangenheit ohnehin mit der Angst vor einer spekulativen Preisblase an den Aktienmärkten zu kämpfen haben. Donald Trump ist inzwischen für schnelle Wechsel seiner Vorgehensweise bekannt. Insofern muss das momentane „Ende“ der Waffenruhe letztlich nicht auch wirklich das Ende sein. Dennoch werden sich die Anleger zunächst auf negative Nachrichten vom Persischen Golf einstellen müssen und tun dies mittlerweile auch – beispielsweise durch den Verkauf von Aktien. Das Weiße Haus hat angesichts des anstehenden Wahlkampfes in den Vereinigten Staaten („Midterms“) generell gesagt kein Interesse an höheren Ölpreisen. Inflation ist im Land der eigentlich unbegrenzten Möglichkeiten seit einiger Zeit ein ganz zentrales politisches Thema. Insofern besteht – ganz grundsätzlich gesprochen – bei Donald Trump eher ein Zwang zu einer Einigung mit Teheran. Wie die Außenpolitiker im Iran in diesem komplexen Umfeld agieren werden, scheint fast noch schwieriger zu prognostizieren zu sein. Inflation bleibt auch an den internationalen Finanzmärkten ein wirklich zentrales Thema. Die in der jüngeren Vergangenheit beobachtbare freundliche Entwicklung der Aktienkurse war auch eine Konsequenz von Hoffnungen auf eine in der Zukunft vielleicht weniger restriktiv ausgerichtete US-Geldpolitik. Größere Sorgen bezüglich eines neuen Energiepreisschocks würden das Leben des neuen Fed-Chefs Kevin Warsh sicherlich nicht einfacher machen. In diesem Zusammenhang werden die Marktteilnehmer wieder deutlich genauer auf die Entwicklung der Inflationserwartungen der privaten Haushalte in den Vereinigten Staaten zu achten haben. Unsere empirischen Analysen legen an dieser Stelle nahe, besonders genau auf die im Rahmen des Survey of Consumer Expectations von der New York Fed erhobenen Daten zu blicken. Fazit: Die Angst ist an den Aktienmarkt zurückgekehrt. Das momentan beobachtbare Wiederaufflammen des Iran-Konfliktes hat die Rekordjagd beim DAX zumindest vorerst beendet und den deutschen Blue-Chip-Index wieder unter die auch psychologisch wichtige Marke von 25.000 Punkten fallen lassen. Politische Börsen haben in der Regel zwar eher kurze Beine, der Risikomanager im Hinterkopf vieler Anlegern hat nun aber zunächst das Ruder ergriffen und die Kurse der Dividendenpapiere südwärts gedrückt. Damit rückt das Weiße Haus noch stärker ins Blickfeld der Marktteilnehmer! Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen! 4investors.de als bevorzugte Quelle bei Google festlegen Damit sehen Sie unsere Börsen- und Aktiennews häufiger in Ihren Google-Suchergebnissen.
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