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Nord LB – Großbritannien: Erstaunlich robustes Wachstum nach dem Brexit-Votum

27.10.2016 11:21 Uhr - Autor: Kolumnist  auf twitter

Vor wenigen Minuten hat das Office for National Statistics in London eine erste Vorausschätzung zur Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts im Vereinigten Königreich im zurückliegenden III. Quartal veröffentlicht. Demnach hat sich die britische Wirtschaftsleistung gegenüber dem Vorquartal saisonbereinigt um 0,5% Q/Q ausgeweitet, das Vorjahresniveau wurde um 2,3% Y/Y übertroffen. Das sind erstaunlich robuste Zahlen zur wirtschaftlichen Verfassung des Inselreichs in den ersten drei Monaten nach dem Brexit-Votum.

Die in verschiedenen Szenarien vielfach beschriebenen sehr düsteren Szenarien zu den Auswirkungen des Brexit haben sich damit in der augenblicklich beobachtbaren wirtschaftlichen Aktivität noch so gut wie gar nicht materialisiert. Dies zeigt sich besonders eindrucksvoll daran, dass in der entstehungsseitigen Aufgliederung mit einem Zuwachs um 0,8% Q/Q ausgerechnet die entscheidenden Wachstumsimpulse von den Dienstleistungssektoren mit ihrem Schwerpunkt in der Finanzindustrie ausgegangen sind. In der Industrie und in der Bauwirtschaft verringerte sich die Wertschöpfung hingegen um -0,4% bzw. -1,4% Q/Q und damit merklich.

Zum jetzigen Zeitpunkt der ersten Vorausschätzung haben die Londoner Statistiker noch nicht einmal die Hälfte der für die Berechnungen eigentlich benötigten Daten beisammen. Die Detailinformationen beschränken sich auf die entstehungsseitigen Aggregate. Daran gemessen haben sich die bisherigen Erstveröffentlichungen zu den National Accounts allerdings oft als erstaunlich unanfällig gegenüber Revisionen erwiesen. Wir sollten die heutigen Informationen also durchaus für bare Münze nehmen und daraus den legitimen Schluss ziehen, dass das Brexit-Gespenst auf der Insel bisher offenbar noch kaum jemanden so richtig erschrecken konnte. Aber wie sind die weiteren Perspektiven?

Der Antrag nach Artikel 50 der EU-Verträge wird voraussichtlich erst im März gestellt und doch verdichten sich bereits jetzt die Anzeichen darauf, dass es am Ende auf einen „Hard Brexit“ hinauslaufen wird. Am gestrigen Abend hatte der britische Handelsminister Mark Garnier es als unwahrscheinlich bezeichnet, dass die (bisher noch) vom Standort London aus agierenden Banken ihre Passporting-Rechte behalten werden. Unter dieser nach unserer Einschätzung sehr plausiblen Annahme ist perspektivisch mit einem Exodus eines nicht unerheblichen Teils der für die Wertschöpfung und Beschäftigung im Vereinigten Königreich so immens wichtigen Finanzindustrie zu rechnen. Das wird der britischen Wirtschaft langfristig und nachhaltig schaden. Wir gehen für den weiteren Verlauf weiterhin von einer Anpassungsrezession aus.

Das Britische Pfund konnte mit der Datenveröffentlichung gegenüber allen relevanten Währungen zulegen. Zum US-Dollar sprang es zwischenzeitlich bis auf 1,227 USD.

Die Bank of England wird am „Super Thursday“ nächster Woche den Inflation Report vorstellen und über ihre geldpolitische Strategie entscheiden. Die heutigen Zahlen stützen sicherlich unsere Prognose, wonach die Notenbank weder beim Leitzins noch beim Ankaufprogramm nachlegen wird – jedenfalls noch nicht am nächsten Donnerstag.

Fazit: Nach vorläufigen Berechnungen ist die britische Wirtschaft im III. Quartal und damit in den ersten drei Monaten nach dem Brexit-Votum erstaunlich robust um 0,5% Q/Q gewachsen. Die entscheidenden Impulse kamen ausgerechnet aus den Dienstleistungssektoren. Mit dem Ausblick auf einen „Hard Brexit“ und den teilweisen Exodus der Finanzindustrie wird sich die wirtschaftliche Lage im Inselreich perspektivisch aber deutlich eintrüben. Für die Bank of England ergibt sich indes kurzfristig mit Blick auf den „Super Thursday“ nächster Woche noch kein Handlungsbedarf.

Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

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