Börse am Morgen: US-Midterms, EZB, Tata Motors und Ölpreis - Nord/LB
04.11.2026 08:58 Uhr - Autor: Kolumnist auf twitter
Das Ifo-Geschäftsklima der dt. Chemieindustrie hat sich im Oktober deutlich auf -5,9 Punkte verschlechtert, vor allem aufgrund erheblich pessimistischerer Geschäftserwartungen. Gleichzeitig stiegen Nachfrage und Neuaufträge, die Kapazitätsauslastung erhöhte sich auf 76,6%; Unternehmen planen Produktions- sowie Preiserhöhungen. Die Wettbewerbssituation bleibt angespannt, insbesondere im Auslandsgeschäft, sodass die Branche trotz verbesserter Ertragslage mit weiteren Umstrukturierungen und Personalabbau rechnet. Einem Medienbericht zufolge müssen die Euro-Länder bis diese Woche Freitag Kandidaten für die vorzeitige Nachfolge von EZB-Präsidentin Christine Lagarde nominieren; die Eurogruppe will über die Bewerber am 9. November beraten. Als aussichtsreiche Kandidaten gelten Pablo Hernández de Cos und Klaas Knot, auch Bundesbankpräsident Joachim Nagel kommt infrage. Lagardes angekündigter Rücktritt im Februar, acht Monate vor dem regulären Amtsende, beschleunigt damit unerwartet den Wechsel an der EZB-Spitze. Das Neugeschäft der US-Industrie entwickelte sich im September überraschend stark. Die Auftragseingänge für langlebige Güter stiegen um 1,8% zum Vormonat und damit deutlich stärker als erwartet (+1,2%), nach revidierten +0,3% im August. Auch ohne den volatilen Verkehrssektor legten die Bestellungen kräftig um 1,3% zu und signalisieren damit eine robuste Industrienachfrage. Tagesausblick Aktien- und Rentenmärkte DAX -0,45%; MDAX -0,36; TecDAX -0,56%; Dow Jones -0,38%; S&P500 +0,36%; Nasdaq Comp. +0,83%. Am europ. Rentenmarkt bleibt die Lage fragil. Alles steht und fällt mit den Energiepreisen resp. den Inflationserwartungen. Auch bei unseren Nachbarn in Paris kann man sich für mindestens die kommenden sechs Monate auf politische Unsicherheit vorbereiten. Unternehmen Rohstoffe 4investors.de als bevorzugte Quelle bei Google festlegen Damit sehen Sie unsere Börsen- und Aktiennews häufiger in Ihren Google-Suchergebnissen.
Während derzeit noch die Wahlergebnisse der US-Midterms eingeordnet werden, dürfen sich die Märkte heute noch auf spannende ökonomische Daten freuen. Am Vormittag werden die aggregierten Inflationsdaten der Eurozone veröffentlicht, eine sich leicht abschwächende Preissteigerungsrate ist anzunehmen. Außerdem liefert die ADP-Beschäftigungsänderung einen Vorgeschmack auf die am Freitag zu erwartenden Arbeitsmarktdaten der USA. Wir bleiben in der nordamerikanischen Wirtschaftsregion, wo außerdem noch die Rückmeldungen der Einkaufsmanagerbefragung von Dienstleistungsunternehmen erscheinen werden. Dieser wichtige Vorbote der Konjunktur sollte sich wie der Schwesterindex aus der Industrie robust präsentieren – möglicherweise mit Implikationen für die Geldpolitik!
Die Sorge vor einer weiteren Eskalation im Iran-Krieg und volatile Ölpreise setzten die europäischen Aktienmärkte am Dienstag zu. Der deutsche Leitindex DAX verlor zeitweise über einem Prozent, auch der EuroStoxx 50 kam nicht recht vom Fleck. Zusätzliche Unsicherheit brachten die bevorstehenden US-Zwischenwahlen, deren Ausgang den künftigen politischen Spielraum Donald Trumps bei Steuern, Staatsausgaben und Wirtschaftspolitik bestimmen dürfte.
Tata Motors hat rund 89,4% der Iveco Group übernommen und kontrolliert damit auch FPT Industrial, einen zentralen Motorenlieferanten der europäischen Landtechnik. FPT-Motoren kommen unter anderem bei Claas, Case IH, New Holland, Steyr und Deutz-Fahrzum Einsatz; laut Unternehmen steckt FPT-Technik in jedem dritten europäischen Traktor und zwei von fünf Mähdreschern. Für das Entwicklungszentrum im schweizerischen Arbon mit mehr als 200 Beschäftigten sind zunächst keine Kürzungen vorgesehen; Tata hat zudem zugesagt, zwei Jahre lang keine Werke infolge des Zusammenschlusses zu schließen oder größere entsprechende Umstrukturierungen vorzunehmen. Perspektivisch könnte Tata das FPT-Antriebsgeschäft angesichts seiner europäischen Wachstumsambitionen ausbauen, eine konkrete Zusage dafür liegt bislang jedoch nicht vor.
Ölpreise drehten am Dienstag (nach anfänglichen Gewinnen) wieder deutlich ins Minus (nachdem Berichte über mögliche Fortschritte bei einer Lösung des US-iranischen Krieges die zuvor durch neue US-Angriffe ausgelöste Risikoprämie wieder steigen ließen). In diesem volatilen Umfeld fiel Brent vom Tageshoch von über USD 107 zeitweise auf USD 100,80 je Barrel und schloss final knapp 4% unter dem Vortagesschluss. Marktkommentatoren haben es in diesen stürmischen Zeiten wahrlich nicht leicht. Innerhalb von nur 24 Stunden reicht die Nachrichtenlage aus, um big swings in die eine oder andere Richtung auszulösen. Mit fundamentalen Analysen hat dies schon lange nichts mehr zu tun.
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