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Börse am Morgen: Carrefour, Varta, Volkswagen, EZB, Börsentermine - Nord/LB

27.07.2026 07:52 Uhr - Autor: Kolumnist  auf twitter

Börsen-Ausblick und Marktbericht. Bild und Copyright: MaxxiGo / shutterstock.com.

Die dt. Wirtschaft ist im Juli überraschend auf Wachstumskurs zurückgekehrt. Der Einkaufsmanagerindex stieg auf 51,2 Punkte, getragen von einer starken Industrieproduktion auf dem höchsten Niveau seit viereinhalb Jahren. Der Dienstleistungssektor stabilisiert sich zwar, leidet aber unter steigendem Kostendruck und neuen Inflationsrisiken. Die weitere Erholung bleibt angesichts geopolitischer Risiken im Nahen Osten, höherer Energiepreise und anhaltender Investitionsschwäche in der deutschen Industrie fragil.

EZB-Ratsmitglied Pierre Wunsch lehnt eine Erhöhung der unverzinsten Mindestreserve für Banken ab, da diese faktisch einer zusätzlichen Belastung bzw. „Besteuerung“ der Banken gleichkäme und den Eindruck eines fiskalischen Eingriffs der europäischen Zentralbank (EZB) erzeugen könnte. Die EZB prüft dennoch Maßnahmen zur Begrenzung ihrer finanziellen Verluste, darunter eine Anhebung der Mindestreservequote von derzeit 1% auf 2%, was dem Eurosystem laut der Nachrichtenagentur Reuters jährlich rd. EUR 4 Mrd. einsparen könnte. Zusätzlich wird diskutiert, die Verzinsung von Teilen der Überschussreserven der Banken zu reduzieren oder ganz zu streichen.

Wochenausblick
Nachdem die EZB in der letzten Woche bereits über den Leitzins beriet, folgen diese Woche gleich drei Notenbanken. Die Federal Reserve wird am Mittwoch, die Bank of England am Donnerstag und die Bank of Japan am Freitag über die weitere geldpol. Ausrichtung entscheiden. Alle eint eine weiterhin ungewisse Inflationsentwicklung, wobei das lokale Hoch hinter den Märkten liegen sollte. Trotz stockender Verhandlungen im Mittleren Osten scheinen die Märkte die neue Weltlage außerdem in großen Teilen verdaut zu haben.

Renten- und Aktienmärkte
Die US-Börsen zeigten sich zum Wochenschluss nervös und richtungslos. Während starke Unternehmensgewinne und fallende Ölpreise unterstützten, belastete ein deutlicher Ausverkauf bei Halbleiterwerten die Technologiebörse, wodurch der Nasdaq 100 über 1% verlor. DAX +1,36%; MDAX +0,92%; TecDAX +1,85%; Dow Jones +0,46%; S&P 500 +0,05%; Nasdaq C. -0,64%.

Der Rückgang des Brent-Ölpreises unter USD 100 entspannte den Anleihemarkt hingegen und nährte Hoffnungen auf eine Wiederaufnahme von US-Iran-Gesprächen. Entsprechend legten europäische Staatsanleihen zu, wobei die Renditen deutscher Bundesanleihen, französischer OATs und italienischer BTPs um 3 bis 5 Basispunkte fielen. Trotz dieser Erholung liegen die globalen Renditen auf Wochensicht aufgrund der Nahost-Spannungen weiterhin erhöht.

Unternehmen
Die Varta AG und drei Tochtergesellschaften haben Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt, nachdem eine erst 2024 eingeleitete Sanierung gescheitert ist. Belastet wurde das Unternehmen u.a. durch eine schwache Nachfrage und den Verlust von Apple als Großkunden. Die profitable Haushaltsbatterien-Sparte soll von der Insolvenz ausgenommen und von Gläubigern um die Deutsche Bank übernommen werden. Trotz der Krise sieht sich Varta derzeit nicht als zahlungsunfähig, steht jedoch vor einer weitreichenden Neuordnung bis hin zur Zerschlagung von Unternehmensteilen.

Volkswagen hat seine Umsatzprognose für 2026 gesenkt und erwartet nun einen Rückgang der Erlöse von bis zu drei Prozent (statt eines Wachstums), obwohl die Nachfrage nach elektr. Kleinwagen hoch bleibt. Im ersten Halbjahr ging der Umsatz leicht auf EUR 158,1 Mrd. zurück, während der Gewinn um 11,6 Prozent auf EUR 5,9 Mrd. sank. An der Prognose für die oper. Marge von 4% bis 5,5% hält der Konzern fest und erwartet weiterhin ein Ergebnis über Vorjahresniveau.

Carrefour verfehlte mit einem operativen Gewinn von EUR 757 Mio. im ersten Halbjahr 2026 die Markterwartungen von EUR 779 Mio., worauf die Aktie am Freitag letzter Woche um 4,5% fiel und zu den größten Verlierern im französischen CAC40 zählte. Marktbeobachter kritisieren die hohe Bewertung, die Ertragsqualität und den schwachen Cashflow und raten trotz eines Kursanstiegs von über 15% seit Jahresbeginn zu Gewinnmitnahmen.

Rohstoffe
Nach den kräftigen Kursanstiegen der vergangenen Zeit kam es am Freitag zum Ende der Woche am Ölmarkt zu Gewinnmitnahmen, wodurch Brent und WTI um jeweils bis zu rd. 3% nachgaben. Auf Wochensicht verzeichnen beide Ölsorten dennoch ein Plus von rund zehn Prozent. Marktteilnehmer rechnen angesichts der geopolitischen Spannungen im Nahen Osten und möglicher Lieferausfälle kurzfristig mit weiter steigenden Ölpreisen. Das Öl muss einfach durch den Flaschenhals. Und da verhält es sich wie beim Ketchup. Erst kommt nichts raus und dann hat man die ganze Soße auf dem Teller = Bottleneck.

Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!



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