Angespannte Nervosität - Deutsche Telekom, Infineon, OpenAI, US-Banken - Börse München
12.10.2026 11:06 Uhr - Autor: Ulrich Kirstein auf twitter
Die deutschen Aktienmärkte konnten sich auch in der vergangenen Woche nicht aus der Umklammerung von hohen Ölpreisen, hohen Anleiherenditen sowie Zins- und Inflationssorgen befreien. Da positive Signale aus anderer Richtung weitgehend ausblieben, standen die Kurse überwiegend unter Druck. Wie schon den Wochen davor, erholten sie sich freitags aber etwas, so dass sich das Wochenminus letztlich in Grenzen hielt. Ausschlaggebend dafür war dieses Mal vor allem auch eine zwischenzeitliche leichte Entspannung am Anleihemarkt sowie die Versicherung von US-Präsident Donald Trump, die USA würden den Iran vor den Anfang November anstehenden Zwischenwahlen nicht mehr angreifen. Unter dem Strich gab der Deutsche Aktienindex (DAX) im Wochenvergleich um 0,6 Prozent auf 25.087,27 Punkte nach und beendete den Handel am Freitag damit über der 25.000-Punkte-Marke, um die er lange gekämpft hatte. Der MDAX rutschte dagegen mit einem Minus von 1,5 Prozent und einem Wochenschlussstand von 29.989,90 Zählern unter die 30.000-Punkte-Marke ab. Der Tech-Dax, der in der Vorwoche noch deutlich zugelegt hatte, verlor 2,5 Prozent auf 3.978,41 Punkte, und der m:access All Share gab 1,3 Prozent auf 919,32 Zähler nach. Zu den großen Wochenverlierern im Dax zählten Infineon. Die Papiere des Münchner Halbleiterherstellers wurden von der Schwäche anderer internationaler High-Tech-Werte mitgezogen. Sie gaben mit einem Minus von 5,2 Prozent allerdings etwas weniger ab, als sie eine Woche zuvor gewonnen hatten. Deutsche Telekom verloren mit einem Abschlag von 6,9 Prozent noch deutlicher. Der Kurs wurde durch die Nachricht belastet, dass das Elon-Musk-Unternehmen SpaceX in den USA Low-Band-Frequenzen erworben hat und damit zu einem bedeutenden Mobilfunkanbieter werden könnte. SpaceX selbst legten im Wochenvergleich um 2,9 Prozent zu. Gesucht waren unter den Dax-Werten unter anderem Konsumwerte. So verbesserten sich beispielsweise Zalando um 6,4 Prozent und Adidas um 3,8 Prozent. Die Kurse an den deutschen Anleihemärkten haben sich in der vergangenen Woche nach einem zunächst schwächeren Beginn weitgehend stabilisiert. Als Grund dafür führten Händler unter anderem nachlassende Zinssorgen und vor allem auch eine Entspannung am französischen Anleihemarkt an. Insgesamt stieg die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe im Wochenvergleich um 3 Hundertstel auf 3,48 Prozent. Die Umlaufrendite wiederum gab um 11 Basispunkte auf 3,44 Prozent nach. Im Gegensatz zu den deutschen Börsen haben die US-Aktienmärkte in der vergangenen Woche teilweise neue Rekordstände erzielt, konnten sich letztlich aber nicht ganz den belastenden Faktoren, wie dem hohen Ölpreis, Zins- und Inflationsängsten sowie den hohen Anleiherenditen entziehen. So war die Rendite der zehnjährigen US-Treasuries am Mittwoch bis auf 5,36 Prozent gestiegen – und damit auf den höchsten Stand seit 2002. Auffällig war zudem die sehr volatile Entwicklung bei High-Tech- und KI-Werten. Diese war vor allem auch auf Zahlen des offensichtlich vor dem IPO stehenden ChatGPT-Unternehmens OpenAI zurückzuführen, dessen Umsatz unter den Erwartungen lag. Insgesamt verbesserte sich der tech-lastige Nasdaq-Composite-Index dennoch im Wochenvergleich um 0,6 Prozent auf 27.366,17 Punkte. Der marktbreite S&P-500-Index legte um 1,2 Prozent auf 7.811,54 Zähler zu, und beim Dow-Jones-Index stand ein Wochenplus von 0,9 Prozent auf der Anzeigentafel. Er beendete den Handel am Freitag bei 51.654,95 Punkten. Ausblick Beispielsweise bei der beginnenden Quartalsberichtssaison. Denn traditionell startet die neue Saison mit den Zahlen der größten US-Banken. So veröffentlichen am Dienstag die Citigroup, Goldman Sachs, JPMorgan Chase und Wells Fargo ihre Quartalsberichte, und am Mittwoch folgen die Bank of America, Morgan Stanley sowie der Vermögensverwalter Blackrock. Die Erwartungen an sie sind wie gesagt hoch. Sollten sie diese erfüllen, könnte das die Stimmung nachhaltig heben. Dafür müssten aber auch noch zwei große Player im KI-Markt mitspielen. Denn am Mittwoch legt Europas KI-Aushängeschild ASML seine Zahlen für das dritte Quartal vor. Der taiwanesische Halbleiter-Riese TSMC wiederum veröffentlicht am Donnerstag seinen kompletten Quartalsbericht, nachdem er bereits vor einigen Tagen seine Umsatzzahlen für das vergangene Quartal publiziert hatte. Quartalszahlen der führenden deutschen Unternehmen stehen dagegen noch nicht im Kalender. Zumindest am heutigen Montag lohnt sich allerdings ein Blick nach Paris. Denn dort veröffentlicht Volkswagen im Rahmen des Pariser Autosalons, wie viele Fahrzeuge der Konzern im dritten Quartal ausgeliefert hat. Beim Thema Anleiherenditen wiederum lohnt sich vor allem ein Blick auf die Inflationszahlen, da sie indirekt zur weiteren Geldpolitik der Notenbanken führen. Auch hier spielt die Musik in der aktuellen Woche vor allem in den USA. Denn am Mittwoch wird dort der neue Verbraucherpreisindex veröffentlicht und am Donnerstag folgen Daten zum US-Erzeugerpreisindex. Ähnlich wie der Unternehmenskalender ist auch der allgemeine Wirtschaftskalender für Deutschland in der neuen Woche dagegen relativ leer. Am Dienstag gibt das Statistische Bundesamt bekannt, ob seine jüngste Schnellschätzung zum Verbraucherpreisindex auch nach dem Nachrechnen noch Bestand hat. Am Mittwoch folgen neue Zahlen zum Großhandelspreisindex – und am Donnerstag dürfte die Bundesbank im Rahmen ihres neuen Monatsberichts darlegen, was sie aktuell über das Thema Inflation denkt. Ausgewählte wichtige Termine der Woche Disclaimer: Dies ist eine Kolumne der Bayerischen Börse AG. Der Inhalt von Text und Video wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. 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Der Begriff „angespannte Nervosität“ ist ziemlich gut geeignet, um die aktuelle Stimmung an den Börsen zu beschreiben. Taumelt Europa weiter in Richtung einer neuen Schuldenkrise? Was macht der Ölpreis? Kommt es zum offenen Krieg zwischen Saudi-Arabien und den Huthis? Und schaffen es die Unternehmen, die hohen Erwartungen im Rahmen der in dieser Woche durchstartenden neuen Quartalsberichtssaison zu erfüllen? Das sind einige der wesentlichen Fragen, die die Marktteilnehmer aktuell umtreiben. Die meisten davon werden mit Sicherheit auch am Freitag dieser Woche noch nicht beantwortet sein, aber einige Hinweise, worin die Reise geht, dürfte es geben.
Abseits von den Unternehmensmeldungen, dürfte es unter anderem darum gehen, ob auf die Schlagzeilen, die US-Präsident Donald Trump in den vergangenen Tagen produziert hat, auch reale Ergebnisse folgen. So hat er ja nicht nur keine weiteren Angriffe im Irankrieg bis zu den US-Midterms angekündigt, sondern auch einen Diesel-Deal mit Russland eingefädelt und am Sonntag dann auch noch verkündet, dass sich die Ukraine und Russland darauf geeinigt hätten, gegenseitig keine Energie-Anlagen mehr anzugreifen. Das Ziel dabei ist klar definiert: Die hohen Öl- und Spritpreise sollen sinken. Es gehört wenig Phantasie dazu, steigende Aktienkurse zu prognostizieren, falls die Schlagzeilen tatsächlich in der Realwirtschaft ankommen sollten – nur ist das bei Trump eben nicht immer der Fall; zumal ja auch noch die Frage im Raum steht, ob es nach den jüngsten Angriffen der Huthis auf den Flughafen in Riad zu einem offenen Krieg zwischen den Saudis und den Huthis kommt.
Montag, 12.10: Beginn IWF-Treffen;
Dienstag, 13.10: Verbraucherpreisindex Deutschland; Leistungsbilanz Deutschland; ADP Beschäftigungsänderung USA.
Mittwoch, 14.10: Großhandelspreisindex Deutschland; chinesische Handelsbilanz; Verbraucherpreisindex USA.
Donnerstag, 15.10: Bundesbank-Monatsbericht; Industrieproduktion in der Eurozone; Erzeugerpreisindex für die USA; Einzelhandelsumsätze in den USA; Erstanträge zur Arbeitslosenunterstützung in den USA; Philly-Fed-Herstellungsindex; NY Empire State Produktionsindex.
Freitag, 16.10: Verbraucherpreisindex Eurozone; Handelsbilanz Eurozone; Industrieproduktion in den USA.
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