Clever einsteigen - Börse München
27.09.2026 08:34 Uhr - Autor: Ulrich Kirstein auf twitter
Der DAX der Woche gibt eine hübsche Bergkette ab - mit Entfernungen zwischen Gipfel und Tal um die 600 Höhenmeter beziehungsweise Punkten. Kein Gipfelsturm, aber vor allem keine jähen Abstürze, mit Blick auf die gegenwärtige geopolitische Lage zeigt sich der Index geradezu resilient. Optimismus im Wartesaal Bullen mit Zauberwürfel Zu gut gelaunt Disclaimer: Dies ist eine Kolumne der Bayerischen Börse AG. Der Inhalt von Text und Video wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen! 4investors.de als bevorzugte Quelle bei Google festlegen Damit sehen Sie unsere Börsen- und Aktiennews häufiger in Ihren Google-Suchergebnissen.
Vielleicht steht es doch nicht so schlimm um unser Land, wenigstens rechnen die Wirtschaftsinstitute in ihrem aktuellen Gutachten mit einem Wachstum von 1,3 Prozent: „Herbstprognose: Wirtschaftsinstitute erwarten für 2026 doppelt so hohes Wachstum“, meldet Die Welt. Was vor allem zeigt, mit wie wenig Wachstum bisher gerechnet wurde. Überall kommt dieses – erst einmal prognostizierte – Wachstum aber offensichtlich nicht an: „Institut erwartet Verlust von 350.000 Jobs bis Ende 2027“, dämpft Die Zeit unseren Optimismus. Die gute Laune scheint bei der Wirtschaft aber ungebremst zu sein: „Ifo-Geschäftsklima auf höchstem Stand seit drei Jahren“, meldet das Handelsblatt. Auf was es heutzutage besonders ankommt, weiß die Bahn: Da das mit dem pünktlich sein nicht wirklich klappt, rüstet sie auf: Beim Wartebereich! Zumindest am Hauptbahnhof Berlin wurde jetzt ein neuer Wartebereich für mehr Komfort und Aufenthaltsqualität eröffnet – da freut man sich doch direkt über die nächste Verspätung oder den Zugausfall! „Einfach Pause machen: Schöner warten am Berliner Hauptbahnhof“, meldet dazu die Bahnblogstelle. Und uns fällt dazu der Schlager Im Wartesaal zum großen Glück von Walter Andreas Schwarz von 1958 ein, vielleicht kommt ja sogar Das ganz große Glück im Zug nach Osnabrück, das Cliff & Rexonah 1997 besangen?
Börse Online macht die aktuelle Ausgabe mit einem Zauberwürfel auf, schließlich geht es um „Clever kaufen“ und das soll über eine ideale Verbindung aus „KGV unter 15, mindestens 3 Prozent Dividende, starker Chart“ gelingen. Nun, eine Sechsjährige aus China hat kürzlich den Rekord beim Zauberwürfel zwei Mal hintereinander eingestellt – in etwas mehr als 4 Sekunden! Vielleicht sollte sie den nächsten Börsenbrief verfassen? Mit „Dividenden ohne Ende“ kontert Focus Money, mit denen gibt es „jede Woche Geld aufs Konto“. Damit könne sogar die Inflation besiegt werden, die vielen gerollten Euro-Scheine auf dem Titelbild unterstreichen dies noch. Der Aktionär schreibt groß KI auf den Titel und „Neue Chance – Bullen melden sich zurück – einsteigen und 150 Prozent Gewinn einfahren“. Dann mal los.
Wenn Mitarbeiter zu gut gelaunt während der Arbeit sind, können sie zum Problem für den Arbeitgeber werden, vor allem wenn sie ihre gute Laune allzu offensichtlich kundtun und auch noch im öffentlichen Bereich tätig sind. Und was ist öffentlicher als der öffentliche Nahverkehr? So trifft es jetzt einen Hamburger Busfahrer, dem sein lautes Singen hinterm Steuerrad untersagt wurde. Er schmettert zwar keine Opernarien, aber griff, wenn wir der Süddeutschen Zeitung Glauben schenken wollen, tief in die Schlagerkiste mit Mendocino oder Moskau, Moskau und, für Hamburg etwas naheliegender, Auf der Reeperbahn nachts um halb eins. Nun, wir kennen unsere eigene Laune beim Benutzen des öffentlichen Nahverkehrs, auch diese würde mit der Frohnatur im Fahrerhaus kollidieren, egal ob um halb acht morgens oder um halb eins. Der zum Schweigen verdonnerte Busfahrer namens Harry erwähnt in einem Interview, dass schon sein Vater als Friedhofsgärtner eine heitere Natur gewesen sei. Dazu wäre allerdings anzumerken, dass die gewöhnlichen Friedhofsbewohner relativ gelassen auf laute Gesänge reagieren – im Gegensatz zu genervten Busreisenden. Wahrscheinlich ist auch das laute Rezitieren von Gedichten Busfahrer Harry ebenfalls untersagt, ansonsten könnte er passend von Klabund die Wanderung der Nacht zitieren: „Woher? / Vom Meer. / Wohin? / Zum Sinn. / Wozu? / Zur Ruh. / Warum? / Bin stumm.“
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