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Evotec: Der Neustart braucht länger als erhofft - Aktie unter Druck

13.08.2026 12:57 Uhr - Autor: Michael Barck  auf twitter

Evotec kämpft 2026 mit sinkenden Umsätzen und hohen Verlusten. Bild und Copyright: Michael Barck / 4investors.

Evotec steckt 2026 tief in der Transformation, kann aber zumindest im operativen Neugeschäft erste Fortschritte vorweisen. Im zweiten Quartal gingen die Konzernumsätze gegenüber dem Vorjahr um 16,2 Prozent auf 143,5 Millionen Euro zurück, im gesamten ersten Halbjahr summierten sie sich auf 300,1 Millionen Euro nach 371,2 Millionen Euro. Noch deutlicher zeigt sich die Belastung beim Ergebnis: Das bereinigte EBITDA verschlechterte sich nach sechs Monaten von minus 1,9 Millionen Euro auf minus 42,7 Millionen Euro. Hinter den schwachen Zahlen stehen vor allem geringere Umsätze aus strategischen Partnerschaften sowie Verzögerungen bei der Umsetzung von Verkäufen in Erlöse. Mit liquiden Mitteln von 465,6 Millionen Euro verfügt das Hamburger Biotech-Unternehmen allerdings weiterhin über finanziellen Spielraum für den laufenden Umbau.

Dass das operative Bild nicht durchweg negativ ist, zeigt sich vor allem im Basisgeschäft. Bei Discovery & Preclinical Development legten die Nettoverkäufe ohne strategische Partnerschaften im ersten Halbjahr um rund 28 Prozent zu. Evotec führt dies auf eine verbesserte Kundenansprache und die Neuaufstellung der kommerziellen Prozesse zurück. Da zwischen Vertragsabschluss und Umsatzrealisierung Zeit vergeht, soll sich diese Entwicklung insbesondere ab dem vierten Quartal stärker in den Erlösen zeigen. Auch Just – Evotec Biologics berichtet über eine hohe Kapazitätsauslastung und eine breitere Kundenbasis. Der deutliche Umsatzrückgang dieses Segments um 29,3 Prozent auf 72,3 Millionen Euro ist zugleich durch einen hohen Vergleichswert geprägt: Im Vorjahreszeitraum hatte ein Lizenzverkauf an Sandoz die Zahlen erheblich gestützt.

Man sehe „Anzeichen dafür, dass unsere eingeleiteten Maßnahmen greifen. Die kommerzielle Entwicklung gewinnt in beiden Segmenten an Dynamik. Wir sehen weiterhin attraktive Chancen in beiden Segmenten und bleiben überzeugt von der Stärke unserer strategischen Partnerschaftspipeline, in der ein wesentlicher Teil bereits in fortgeschrittenen Gesprächen vorangetrieben wird”, sagt Christian Wojczewski, Chief Executive Officer von Evotec.

Evotecs Baustellen: Kosten und Kooperationen

Eine Baustelle bleiben die strategischen Partnerschaften zusammen mit den Kosten dennoch. Evotec hatte bereits Mitte Juli die Jahresprognose deutlich zurückgenommen und bestätigt diese am Donnerstag. Statt der ursprünglich erwarteten 700 bis 780 Millionen Euro Umsatz werden 2026 nur noch 570 bis 610 Millionen Euro angepeilt. Beim bereinigten EBITDA ist die Verschiebung noch gravierender: Aus den zuvor erwarteten 0 bis 40 Millionen Euro Gewinn ist eine Prognose von minus 70 bis minus 105 Millionen Euro geworden. Rund 40 Prozent der Reduzierung der ursprünglichen Umsatzerwartung resultieren aus zeitlich verschobenen Projekten und Meilensteinzahlungen bestehender Partnerschaften, deren Erlöse nun 2027 erwartet werden. Weitere rund 45 Prozent gehen auf geringere Beiträge aus möglichen neuen Partnerschaften zurück. Damit hängt viel davon ab, ob die derzeit laufenden Due-Diligence-Prozesse und Vertragsverhandlungen tatsächlich in neue Abschlüsse münden.

Parallel versucht Evotec mit dem Transformationsprogramm Horizon die Kostenbasis dauerhaft zu senken. Bis Ende 2027 sollen die jährlichen Kosten um insgesamt 75 Millionen Euro optimiert werden, wobei bereits 2026 rund 20 bis 30 Prozent dieses Effekts erreicht werden sollen. Nach Unternehmensangaben liegen die bisherigen Einsparungen im Plan. Gleichzeitig läuft die im Mai angekündigte strategische Überprüfung weiter.

„Das laufende Geschäftsjahr erfordert weiterhin eine disziplinierte Umsetzung und ein umsichtiges Cash-Management. Unser Fokus liegt unverändert auf der Steigerung der Effizienz im gesamten Unternehmen, der Erhöhung der Transparenz bezüglich unserer Geschäftsentwicklung und strategischen Prioritäten sowie der konsequenten Umsetzung unserer Horizon-Ziele”, so Claire Hinshelwood, Chief Financial Officer von Evotec.

Evotec Aktie verliert mehr als 6 Prozent an Wert

Für Anleger verschiebt sich der Blick deshalb zunehmend auf 2027. Ein Teil der für dieses Jahr erwarteten Erlöse ist lediglich zeitlich nach hinten gerückt, gleichzeitig muss Evotec beweisen, dass aus der besser gefüllten kommerziellen Pipeline tatsächlich profitable Geschäfte entstehen. Gelingt dies zusammen mit den geplanten Kostensenkungen, könnte sich die Ergebnislage deutlich aufhellen. Wie sich die Zahlen konkret verschieben werden, bleibt abzuwarten: Die mittelfristigen Finanzziele von Evotec stehen aktuell im Unternehmen auf dem Prüfstand.

In einer ersten Reaktion auf die Evotec-Zahlen bleiben die Analysten der RBC bei ihrem Kursziel von 10 Euro für die Biotechnologie-Aktie, die man weiterhin auf Outperform setzt. Bei den Zahlen sieht man keine wesentlichen Abweichungen zu den vorab gemeldeten Daten des Hamburger Unternehmens und erwartet keine großen Kursreaktionen der Evotec Aktie. Die Börse sieht das anders: Nachdem der TecDAX-Titel heute Morgen zunächst in der Spitze bis auf 3,88 Euro gestiegen war, notiert Evotecs Aktienkurs mittlerweile nahe Tagestief bei 3,616 Euro mit mehr als 6 Prozent unter dem gestrigen XETRA-Schlusskurs.

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Hinweis auf Interessenskonflikt(e): Der / die Autor(in) oder andere Personen aus der 4investors-Redaktion halten unmittelbar Positionen in Finanzinstrumenten / Derivate auf Finanzinstrumente von Unternehmen, die in diesem Beitrag thematisiert werden und deren Kurse durch die Berichterstattung beeinflusst werden könnten: Evotec.

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