Defensiv-Yoga fürs Depot - Börse München
22.03.2026 09:51 Uhr - Autor: Ulrich Kirstein auf twitter
Der Krieg im Nahen Osten setzt sich unvermindert fort und die gegenseitigen Anschläge auf die Energieinfrastruktur lassen nichts Gutes vermuten, die Börsen rutschen immer wieder in den roten Bereich. Sorgen über Sorgen Schock, Defensive & Gelassenheit Trickserei Fruchtbar im Homeoffice Disclaimer: Dies ist eine Kolumne der Bayerischen Börse AG. Der Inhalt von Text und Video wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
Die Folgen des Krieges zeigen sich an der Tankstelle und an der Börse: „Sorge vor Energiekrieg setzt Aktienmärkte unter Druck“, titelt die Börsen-Zeitung und die Politik will reagieren: „Bundesregierung plant Aufbau einer Notfall-Gasreserve“, berichtet Die Welt. Wenn das mal nicht etwas spät ist. Reagieren die Notenbanken und drehen die Zinsschraube? „Inflationssorgen wegen Iran-Krieg – US-Notenbank hält an Leitzins fest“, notiert Die Welt. Außerdem streiten zwei Banken, es geht um den freiwillig-feindlichen Übernahmeversuch der Commerzbank durch die Unicredit. Begleiten wir die Börsen-Zeitung durch die Woche: „Unicredit erhöht Druck auf Commerzbank“, „Commerzbank wehrt sich gegen Unicredit-Vorstoß“, „Orcel provoziert Bundesregierung“, „Commerzbank-Chefin kritisiert neuen Zug von Unicredit“ und „Orcel ruft Commerzbank zum Dialog auf“. Immerhin, es geht Richtung Deeskalation… Wozu uns aus nicht nachvollziehbaren Gründen zwei bekannte Schlager von Roland Kaiser auf der Zunge liegen: Ich will dich und Manchmal möchte ich schon mit dir…
Der Aktionär sieht rot, beruhigt die Anleger aber mit der Feststellung: „So sicher ist Ihr Depot“, quasi trotz „Irankrieg, KI-Angst, Ölpreisschock, Zinssorgen“. Was tun, fragt sich da die Redaktion: „Kaufen? Verkaufen? Die 30 wichtigsten Aktien im großen Krisencheck“. Börse Online setzt auf „Defensivpower fürs Depot“, muskelkräftig illustriert mit drei Football-Spielern. „Starke Aktien und Derivate für unruhige Zeiten“, verspricht das Magazin des Weiteren. Wenn sie einen dunklen Anzug und Krawatte tragen, könnten Börsenbullen sicher auch Yoga. Das dachten sich jedenfalls die Grafiker von Focus Money und setzten einen solchen auf den Titel: „Reich werden ohne Stress – so bauen Sie professionell Vermögen auf – bis zu 13 % Rendite pro Jahr“, heißt es weiter. Dabei kann es so einfach sein: „Fulminate Power-Aktien“ beschwört Euro am Sonntag. Bleiben wir unseren Schlagern treu und erinnern an ein älteres Stück: Ich zähle täglich meine Sorgen, denn ich sorg mich sehr von Peter Alexander aus dem gleichnamigen Film von 1960!
So manch einer hat bereits die Umwidmung eines riesigen Schuldenpakets in ein „Sondervermögen“ für hinreichend trickreich gehalten. Dass jetzt laut einer Untersuchung von Wirtschaftsinstituten zwischen 86 und 95 Prozent der Mittel im ersten Jahr quasi zweckentfremdet wurden, weil nicht in Infrastrukturmaßnahmen geflossen, sondern zum Stopfen von Haushaltslöchern verwendet, überrascht dann doch. Jedenfalls gab es einen ziemlichen Aufschrei im Blätterwald, wir zitieren einige Schlagzeilen: „Forscher werfen Klingbeil Trickserei vor“ (Süddeutsche Zeitung), „Schulden stopfen Haushaltslöcher“ (Münchner Merkur), „Sondervermögen zweckentfremdet“ (Handelsblatt), „Erwischt!“ (Abendzeitung), „Gestopfte Löcher“ (Die Zeit) und „Klingbeil-Berater trickst XXL-Schuldensauerei schön“ (Bild). Sehen wir es nüchtern: Im Prinzip wurde doch nur an der Infrastruktur des Haushaltes gedrechselt, und der ist ja trotz stetig steigender Einnahmen marode genug. Ob er künftig hält? Hören wir da unseren Finanzminister fröhlich-versonnen Das bisschen Haushalt von Johanna von Koczian pfeifen?
Laut einer Studie der US-Universität Stanford und des Münchner Ifo-Instituts bekommen Menschen im Homeoffice mehr Kinder als all jene, die weder den Bus von der Küche aus lenken noch den OP-Tisch von der Couch aus bedienen können. Lea Hampe stellt in der Süddeutschen Zeitung allerlei Vermutungen nach den Gründen dieses Kinderreichtums auf: „Produktiv arbeiten“ ist ihr Artikel eindeutig zweideutig überschrieben. Die Wahrscheinlichkeit, Kinder zu bekommen, erhöht sich noch, wenn beide Elternteile im Homeoffice „arbeiten“, was uns einigermaßen logisch erscheint. Der Mann auf der Bohrinsel, die Frau im Homeoffice erschweren den Zeugungsakt doch wesentlich. Trotzdem verwundert diese eifrige Elternschaft uns etwas: Denn eigentlich tun Kinder bei der Arbeit im Homeoffice vor allem eines: Sie stören! Wir wollen hier nicht Frau Hampes Ursachenforschung intensivieren, könnten uns allerdings vorstellen, dass sie einen Grund übersehen hat: Gemeinsames Arbeiten im Homeoffice erfordert vor allem eines und das in eher kürzeren Abständen: Versöhnung! Ob aber Nicoles Ein bisschen Frieden reicht?
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