DAX: Neue US-Zolldrohungen belasten den Aktienmarkt - Nord LB
19.01.2026 12:41 Uhr - Autor: Kolumnist auf twitter
Der deutsche Aktienmarkt ist am Montag deutlicher unter Druck geraten. Neue Zollandrohungen des US?Präsidenten Donald Trump im Zusammenhang mit dem Streit über Grönland haben die Anleger verunsichert und den DAX unter die wichtige psychologische Marke von 25.000 Punkten gedrückt. Bereits vor Handelsbeginn deutete die Indikation auf einen Rückgang auf etwa 24.938 Punkte hin – rund 1,4?% weniger als der vorherige Schlussstand. Trump hatte am Wochenende angekündigt, ab dem 1. Februar Strafzölle von 10?% und ab dem 1. Juni sogar 25?% auf sämtliche Waren aus acht europäischen NATO?Staaten – darunter Deutschland – zu erheben. Diese Maßnahmen sollen solange gelten, bis ein Abkommen über den „vollständigen Kauf Grönlands“ erreicht werde. Die Verbindung geopolitischer Forderungen mit wirtschaftlichem Druck sorgt für außergewöhnliche Verunsicherung. Es droht eine mögliche Spirale aus Zöllen und Gegenzöllen mit schwer kalkulierbaren Folgen für die exportorientierte EU?Wirtschaft. Vor allem exportstarke DAX?Unternehmen litten unter der Aussicht auf höhere Handelsbarrieren. Bislang hatte der deutsche Leitindex von einer Jahresanfangsrally profitiert, doch die neuen Spannungen beendeten diesen Aufwärtstrend zunächst. Die Europäische Union reagierte geschlossen kritisch auf die Eskalation. EU?Ratspräsident António Costa kündigte kurzfristig einen Sondergipfel an, um eine gemeinsame Linie zu erarbeiten. Zur Diskussion stehen mehrere Optionen. Zum einen sind dies diplomatische Konsultationen. Vertreter der EU-Mitgliedstaaten treffen sich bereits zu Krisensitzungen in Brüssel, um eine abgestimmte Antwort vorzubereiten. Darüber hinaus werden Gegenzölle und sektorale Maßnahmen diskutiert. Einige europäische Politiker sprechen sich für gezielte Gegenmaßnahmen aus – etwa in Form einer Digitalsteuer für US?Konzerne oder Zöllen auf Produkte aus Trumps politischem Umfeld. Und zuletzt kommt der strategischen Diversifikation eine immer größere Bedeutung zu. Die EU prüft verstärkte Kooperationen und Handelsabkommen mit anderen Partnern, um mögliche Auswirkungen US?amerikanischer Zölle abzufedern. Mehrere führende EU?Politiker betonen, dass man sich einerseits nicht unter Druck setzen lassen wolle und andererseits eine weitere Verschärfung der transatlantischen Beziehungen zu vermeiden sei. Solange unklar ist, ob und in welchem Umfang neue Handelsbeschränkungen eingeführt werden, dürfte der DAX volatil bleiben. Eine weitere Eskalation könnte die Märkte stark belasten, da ein breit angelegter Handelskonflikt die deutsche Exportwirtschaft erheblich treffen würde. Fazit: Der Rutsch des DAX unter die 25.000?Punkte?Marke ist eine unmittelbare Reaktion auf die überraschend harten Zolldrohungen der USA. Die EU steht vor der Herausforderung, einerseits Stärke zu demonstrieren, andererseits aber eine Eskalation zu verhindern, die die wirtschaftliche Stabilität gefährden könnte. Eine koordinierte europäische Antwort erscheint wahrscheinlich – ob diplomatisch, handelspolitisch oder strategisch. Klar ist: Die kommenden Wochen werden entscheidend sein für die weitere Marktentwicklung und die Zukunft der transatlantischen Beziehungen. Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
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