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Deutschland: Inflation legt im Juli wieder leicht zu - Nord LB

30.07.2024 17:28 Uhr - Autor: Kolumnist  auf twitter

Das Statistische Bundesamt hat soeben die Schnellschätzung zur Entwicklung der Verbraucherpreise im Juli veröffentlicht. Demnach lag die Inflationsrate, gemessen am nationalen Verbraucherpreisindex (VPI), bei 2,3% Y/Y und damit etwas über den Erwartungen. Der für europäische Zwecke harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) ist auf Jahressicht von zuvor 2,5% im Juni ebenfalls leicht auf nunmehr 2,6% Y/Y gestiegen. Zwar liegen diese Zahlen minimal über den Erwartungen der im Vorfeld befragten Analysten und Volkswirte, doch sollten diese Indikationen vor dem Hintergrund eines erwartbar holprigen Disinflationstrends nicht überinterpretiert werden.

Die unter Herausrechnung von Nahrungsmitteln und Energie ermittelte Kernrate ist im Berichtsmonat voraussichtlich bei 2,9% Y/Y verblieben. Mit der heutigen Schnellschätzung veröffentlichten die Statistiker wie üblich noch keine tiefergegliederten Details, jedoch lassen sich Hinweise aus den mitgelieferten Gütergruppendaten entnehmen. Auffällig sind hierbei die den dritten Monat in Folge bei 3,9% Y/Y verharrenden Dienstleistungspreissteigerungen. Waren und Nahrungsmittel verteuerten sind leicht, entlastende Effekte gab es im Juli lediglich von Seiten der Energiepreise.

Auch aus den Meldungen einzelner Bundesländer hatte sich bereits im Vorfeld eine leichte Aufwärtstendenz besonders im Dienstleistungssektor abgezeichnet. Die Statistiker des wirtschaftsstärksten Bundeslandes NRW meldeten vor dem Hintergrund gestiegener Dienstleistungspreise (+6,2% Y/Y) eine Jahresrate von 2,3% Y/Y. In Sachsen und in Baden-Württemberg zog die Inflation ebenfalls leicht an, in Hessen und Brandenburg blieb sie stabil. In Bayern hingegen ist die Jahresrate leicht auf 2,5% gefallen. Doch auch hier lag die Teuerung bei Freizeitdienstleistungen bei nunmehr 5,2% Y/Y.

Die Zahlen geben auch einen Vorgeschmack auf die Inflationsentwicklung im Euroraum, die von Eurostat am Mittwoch veröffentlicht wird. Von den Mitgliedsländern, von denen bereits Daten vorliegen, berichtete Spanien eine Abschwächung in der Headline-Rate (2,9% Y/Y; HVPI), aber auch die Kerninflation ist im Juli weiter gesunken. In Irland verblieb die Teuerungsrate im Juli nahe dem Dreijahrestief aus dem Vormonat bei 1,5% Y/Y (HVPI), die Kernrate ist leicht auf 2,3% Y/Y gestiegen. Die Juli-Preisdaten aus Euroland insgesamt rechtfertigen somit sicher keine abrupte Kursanpassung der EZB.



Die heute veröffentlichten Daten legen dem EZB-Rat im Hinblick auf die nächste turnusmäßige Sitzung nach der Sommerpause am 12. September keine Steine in den Weg. Zudem liegen bis dahin neben einem weiteren Inflationsdatenpunkt ebenfalls wichtige Lohndaten für das zweite Quartal auf dem Tisch. Wie es im September weitergeht, ließen die Währungshüter auf ihrer letzten Sitzung demonstrativ „wide open“. Mit der sich am aktuellen Rand schwach abzeichnenden konjunkturellen Erholung im Euroraum im zweiten Halbjahr kann von einem konjunkturbedingten Inflationsauftrieb jedenfalls absehbar keine Rede sein. Die EZB dürfte bemüht sein auf ihrem Zinspfad zumindest nicht hinter die moderaten und sogar explizit als realistisch deklarierten Markterwartungen zurückzufallen.

Fazit:
Die Inflation in Deutschland ist nach vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes im Juli wieder leicht auf 2,6% Y/Y (HVPI) gestiegen, die Kernrate (VPI) ohne Nahrungsmittel und Energie verblieb bei 2,9% Y/Y. Die Schnellschätzungen aus einzelnen Bundesländern deuten auf eine weiterhin hartnäckige Inflation hin, die sich aus den Dienstleistungsbereichen speist. Die heute veröffentlichten Daten dürften der EZB aber insgesamt wohl kaum Steine in den Weg legen. Mit der sich am aktuellen Rand schwach abzeichnenden konjunkturellen Erholung im Euroraum kann im zweiten Halbjahr von einem konjunkturbedingten Inflationsauftrieb jedenfalls absehbar keine Rede sein. Die EZB dürfte bemüht sein auf ihrem Zinspfad zumindest nicht hinter die moderaten und sogar explizit als realistisch deklarierten Markterwartungen zurückzufallen.

Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

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