Wirecard Aktie: Der Sprung der „toten Katze” - Insolvenzverwalter steht fest
29.06.2020 16:45 Uhr - Autor: Michael Barck auf twitter
Am Freitag noch wenige Cent über der Ein-Euro-Marke, heute in der Spitze bei knapp 4,05 Euro: Die Wirecard Aktie fährt Achterbahn und man fragt sich unweigerlich, warum das Unternehmen nach all seinen Skandalen und dem Insolvenzantrag heute in der Spitze noch auf eine Marktkapitalisierung von knapp einer halben Milliarde Euro kam. Nun sind Insolvenz-Zockereien am deutschen Aktienmarkt leider alles andere als selten und enden in der Regel dennoch im Totalverlust - egal welche Gerüchte zwischendurch gestreut wurden. Dieser Bericht könnte Sie auch interessieren
Einige der „Zocker” mögen sich heute vielleicht sogar von Presseberichten, in denen von angeblichen Übernahmeinteressenten für Wirecard die Rede ist, haben leiten lassen. Dass sich das Interesse potenzieller Käufer auf Tochterfirmen des Pleite-Konzerns aus Aschheim bezieht und nicht auf die überschuldete und illiquide Muttergesellschaft, liest man erst in den Texten selbst, in den Überschriften war dafür wohl kein Platz, oder wird von den Zockern einfach ausgeblendet. Dass Wirecard als Gesamtkonzern wie vor allem die börsennotierte Muttergesellschaft aus der aktuellen Skandal-Nummer mit einigermaßen heiler Haut und Assets, die diese halbe Milliarde auch tatsächlich wert sind, raus kommen, ist ebenso wie die heutige Kursentwicklung in die Rubrik „wilde Spekulation” einzuordnen und eine alles andere als wahrscheinliche Entwicklung.
Harte Tatsachen schafft dagegen das für Wirecard zuständige Insolvenzgericht: Der bekannte Insolvenz-Experte und Rechtsanwalt Michael Jaffe soll den Fall Wirecard als vorläufiger Insolvenzverwalter betreuen. Schon in der vergangenen Woche hatte das Amtsgericht in München Jaffe zum Sachverständigen für ein Gutachten bestellt, womit die Berufung schon abzusehen war. Mit Groß-Pleiten wie bei Wirecard hat der Anwalt Erfahrungen - für Aktionäre hat das aber erst einmal keine Folgen, negativ wie positiv. Sie sind die letzten in der „Insolvenz-Nahrungskette” und bekommen, was übrig bleibt - in der Regel also nichts.Wirecard: Die „Perlen aus Aschheim” - Zocken mit den Übernahmegerüchten
Den Job bei Wirecard dürfte sich James Freis, seit einigen Tagen CEO des DAX-Konzerns, ganz anders vorgestellt haben. Eigentlich sollte der US-Amerikaner erst im Juli zu dem Zahlungsverkehrs-Dienstleister aus Aschheim stoßen und dann als Verantwortlicher Vorstand für den Bereich Compliance das ramponierte Image in Sachen Corporate Governance und Transparenz wieder auf Vordermann bringen. Dann aber begannen die Dinge einen ganz anderen Lauf zu nehmen - spätestens Ende April, als das Ergebnis des KPMG-Audits selbst neutralen Beobachtern des Konzerns das Blut in den Adern gefrieren ließ und Wirecards Wirtschaftsprüfer EY unter Druck setzte. Das Ende ist bekannt: EY gab kein Testat für Wirecards Bilanz des Jahres 2019, weil 1,9 Milliarden Euro an Treuhandvermögen sich nicht auffinden ließen. COO Jan Marsalek musste daraufhin gehen und CEO Markus Braun, als „Macher” von Wirecard von vielen gefeiert, ging freiwillig - womit Freis nicht nur früher in Wirecards Vorstand kam, ... diese News weiterlesen!
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