4investors Exklusiv

Aktien

Branchen- und Themenspecials

Ihre privaten Finanzen

4investors News

EverYield: „Europa steht vor einem massiven Infrastrukturaufbau“

03.06.2026 07:39 Uhr - Autor: Johannes Stoffels  auf twitter

EverYield-CEO Mario Mildner. Bild und Copyright: EverYield.

In diesen Tagen begibt EverYield eine Anleihe. Das Papier hat ein Maximalvolumen von 30 Millionen Euro, es läuft bis 2032. Verzinst wird die Anleihe, die bis zum 26. Juni gezeichnet werden kann, mit jährlich 9,0 Prozent.

Bei EverYield dreht sich alles um Klärschlamm. Dieser Markt dürfte in den kommenden Jahren auch dank einer EU-Verordnung stark wachsen. Dazu EverYield-CEO Mario Mildner: „Klärschlamm wird nicht mehr primär als Abfall betrachtet, sondern als strategische Rohstoffquelle.“ Im Exklusivinterview mit 4investors.de spricht Mildner über das Geschäftsmodell von EverYield, bei dem Phosphor eine wichtige Rolle spielt. Mildner redet über den Bau neuer Anlagen und über die Fördermöglichkeiten für solche Investitionen. Die Umweltprüfung rund um den Bau ist ebenso Thema wie die internationale Expansion von EverYield. Angesprochen werden auch planbare Cashflows, die Pläne, wie das frische Geld aus der Anleihe verwendet werden soll, sowie die Idee eines IPOs.

4investors.de: EverYield ist Investoren noch ziemlich unbekannt. Was machen Sie?

Mildner: EverYield entwickelt und betreibt integrierte Energy-Campus-Projekte für die thermische Verwertung von Klärschlamm und die Rückgewinnung von Phosphor. Vereinfacht gesagt: Wir transformieren ein regulatorisches Entsorgungsproblem in eine moderne Infrastruktur-, Energie- und Rohstofflösung. Unser Ansatz verbindet mehrere Wertschöpfungsstufen in einem System: die Annahme und Aufbereitung von Klärschlamm, die thermische Verwertung, die Energiegewinnung sowie die Rückgewinnung von Phosphor als strategischen Rohstoff.

Das Besondere darin ist, dass der Markt in Europa nicht primär durch Konjunktur oder freiwillige Nachfrage entsteht, sondern durch regulatorische Vorgaben. Dadurch entstehen langfristig planbare Cashflows und ein strukturell wachsender Infrastrukturmarkt.

4investors.de: Sie bereiten also Klärschlamm auf, den die Kommunen sowieso beseitigen müssen. Dafür werden sie von den Kommunen bezahlt? Welche Margen sind dort möglich?

Mildner: Genau. Kommunen sind zukünftig gesetzlich verpflichtet, Klärschlamm sicher zu entsorgen. Mit den neuen regulatorischen Vorgaben wird die thermische Verwertung inklusive Phosphorrückgewinnung künftig zum Standard. Die Kommunen zahlen dafür sogenannte Gate Fees, also Entsorgungsgebühren. Diese bilden den defensiven Kern unseres Geschäftsmodells und machen rund 50 Prozent unserer Erlösstruktur aus. Während andere Industrien für ihre Rohstoffe bezahlen müssen, verdienen wir bereits bei der Übernahme unseres Rohstoffs, nämlich Klärschlamm. Unsere Projektmodelle zeigen, dass sich in diesem Bereich attraktive und zugleich stabile Margen erzielen lassen. Für unsere geplante Anlage in der Steiermark kalkulieren wir beispielsweise mit einer EBITDA-Marge von über 60 Prozent. Das ist möglich, weil wir mehrere Erlösströme kombinieren und die regulatorisch gesicherte Nachfrage hohe Planbarkeit schafft.

4investors.de: Wird der Klärschlamm nur von Kommunen geliefert oder gibt es noch andere Lieferanten?

Mildner: Der Schwerpunkt liegt klar auf kommunalen Kläranlagen, weil dort die größten Mengen anfallen und die regulatorischen Verpflichtungen greifen. Gleichzeitig gibt es aber auch industrielle Abwässer und industrielle Klärschlämme, die perspektivisch relevant sein können. Entscheidend ist: Klärschlamm fällt kontinuierlich an. Das macht den Stoffstrom langfristig stabil und unabhängig von klassischen Wirtschaftszyklen.

4investors.de: Ihr Geschäftsmodell ist gesetzlich sogar vorgegeben, da es entsprechende EU-Richtlinien gibt. Wie sehr sind diese bisher in Deutschland umgesetzt worden?

Mildner: Deutschland ist im europäischen Vergleich bereits weit. Mit der Klärschlammverordnung wurden klare Vorgaben geschaffen, insbesondere zur thermischen Verwertung und zur Phosphorrückgewinnung.

Gleichzeitig sehen wir jetzt auch in Österreich einen entscheidenden regulatorischen Durchbruch. Mit der neuen Abfallverbrennungsverordnung 2024 wurde erstmals verbindlich festgelegt, dass ab dem 1. Januar 2033 große kommunale Kläranlagen ihren Klärschlamm thermisch verwerten und daraus Phosphor zurückgewinnen müssen. Betroffen sind Anlagen ab 20.000 Einwohnern, die rund 85 Prozent des österreichischen Klärschlammaufkommens verursachen. Die Verordnung schreibt vor, dass Klärschlamm verbrannt und aus der Asche mindestens 80 Prozent des enthaltenen Phosphors zurückgewonnen werden muss. Alternativ müssen bereits direkt an der Kläranlage mindestens 60 Prozent des Phosphors rückgewonnen werden.

Das zeigt sehr deutlich, wohin sich Europa bewegt: Klärschlamm wird nicht mehr primär als Abfall betrachtet, sondern als strategische Rohstoffquelle. Die Herausforderung liegt weniger in der Regulierung selbst als in der praktischen Umsetzung. Der Aufbau der notwendigen Infrastruktur benötigt Zeit, Genehmigungen, Finanzierung und industrielle Kapazitäten. Genau dort sehen wir unsere Chance: Europa steht vor einem massiven Infrastrukturaufbau, ähnlich dem Aufbau von Müllverbrennungsanlagen vor Jahren. Die regulatorische Richtung ist klar, aber die Umsetzungskapazitäten fehlen vielerorts noch.

4investors.de: Wie wird sich dieser Markt bis 2030 entwickeln?

Mildner: Wir erwarten bis 2030 ein sehr dynamisches Wachstum. Die regulatorischen Fristen rücken näher, gleichzeitig steigt die strategische Bedeutung von Phosphor als kritischem Rohstoff. Phosphor ist unverzichtbar für Landwirtschaft, Düngemittelproduktion und Lebensmittelsicherheit. Gleichzeitig verfügt Europa nur über geringe eigene Lagerstätten und ist stark importabhängig. Allein in Österreich fallen jährlich rund 6.500 Tonnen Phosphor aus kommunalem Klärschlamm an. Hinzu kommt, dass Klärschlamm zunehmend als Schadstoffsenke betrachtet wird. Themen wie Mikroplastik, PFAS, Medikamentenrückstände oder Schwermetalle führen dazu, dass die direkte Ausbringung auf landwirtschaftliche Flächen gesellschaftlich und politisch immer kritischer gesehen wird.

Die thermische Behandlung mit kontrollierter Schadstoffabscheidung und Phosphorrückgewinnung wird deshalb in vielen Ländern zum neuen Standard. Allein auf europäischer Ebene sehen wir langfristig einen Bedarf von rund 1.000 Anlagen. Das zeigt die Dimension des Marktes.

Bis 2030 wird es vor allem darum gehen, die ersten großen Roll-out-Phasen umzusetzen und regionale Infrastrukturnetze aufzubauen. Wer frühzeitig industrielle Standards, Partnerschaften und Finanzierungsstrukturen etabliert, kann sich in diesem Markt eine starke Position sichern.

4investors.de: Wie viele Anlagen betreiben sie derzeit?

Mildner: Wir befinden uns aktuell in der Aufbau- und Roll-out-Phase. Unser Geschäftsmodell ist darauf ausgelegt, die ersten Standorte zu entwickeln und anschließend standardisiert zu skalieren. In unserer Planung sehen wir bis 2032 rund 10 operative Anlagen.

4investors.de: Welche Förderung gibt es von den verschiedenen staatlichen Stellen in Deutschland für ihre Anlagen?

Mildner: Der Bereich wird auf mehreren Ebenen unterstützt, weil es sich um regulatorisch gewünschte Umwelt- und Kreislaufwirtschaftsinfrastruktur handelt. In Deutschland gibt es je nach Bundesland und Programm Fördermöglichkeiten für Umwelttechnik, Energieeffizienz, Kreislaufwirtschaft und Dekarbonisierung. Zusätzlich kommen teilweise Förderungen auf EU-Ebene hinzu. Für unsere Projekte kalkulieren wir in den Modellen mit nicht rückzahlbaren Zuschüssen von bis zu 50 Prozent des CAPEX. Das reduziert die Kapitalbindung erheblich und verbessert die Wirtschaftlichkeit der Projekte.

4investors.de: Wie sieht es mit internationalen Expansionsplänen aus?

Mildner: Unsere Plattform ist bewusst skalierbar aufgebaut. Wir standardisieren Technologie, Prozesse und Projektstruktur, sodass neue Standorte als replizierbare Infrastrukturprojekte umgesetzt werden können. Der Fokus liegt zunächst auf dem deutschsprachigen Raum, weil dort die regulatorische Umsetzung bereits sehr konkret ist.

4investors.de: Was kostet eine Anlage?

Mildner: Das hängt von Standort, Kapazität und technischer Ausgestaltung ab. Für unsere Standardanlage kalkulieren wir derzeit mit einem Brutto-CAPEX von rund 40 Millionen Euro. Durch Förderungen kann sich der effektive Netto-CAPEX allerdings deutlich reduzieren.

4investors.de: Wie lange ist die Lebensdauer einer solchen Anlage?

Mildner: Die Anlagen sind auf langfristigen Betrieb ausgelegt. Wir sprechen hier über klassische Infrastruktur mit Laufzeiten von mehreren Jahrzehnten. Durch laufende Wartung, Modernisierung und technologische Optimierung können die Systeme kontinuierlich weiterentwickelt werden.

4investors.de: Sie verdienen aber nicht nur mit der direkten Entsorgung des Klärschlammes Geld?

Mildner: Nein, genau das macht unser Modell besonders attraktiv. Die Gate Fees bilden zwar den stabilen Basiscashflow, aber zusätzlich entstehen weitere Erlösströme. Wir erzeugen Energie, gewinnen Phosphor zurück und entwickeln digitale Plattform- und Datenlösungen. Dadurch entsteht eine diversifizierte Erlösarchitektur.

4investors.de: Was geschieht, wenn sie den Klärschlamm verbrennen, welche Produkte werden dabei erzeugt?

Mildner: Im Prozess entstehen mehrere wirtschaftlich relevante Stoffströme. Zum einen erzeugen wir Strom und Wärme. Darüber hinaus entstehen Aschen und Salze, die weiterverarbeitet werden können. Besonders wichtig ist die Phosphor-haltige Asche, aus der ein strategisch relevanter Rohstoff zurückgewonnen wird. Damit wird aus einem Abfallstrom eine echte Rohstoff- und Energiequelle.

4investors.de: Wo sind die Margen letztlich besser, bei der Einlieferung des Klärschlamms oder in den anderen Bereichen?

Mildner: Die Gate Fees liefern den stabilsten und planbarsten Cashflow. Energie- und Rohstofferlöse bieten zusätzliches Upside. Strategisch entscheidend ist für uns die Kombination: ein defensiver, regulatorischer Basiscashflow plus zusätzliche kommerzielle Wertströme.

4investors.de: Wie viele Anlagen können sie jährlich errichten?

Mildner: Unser Ziel ist ein standardisierter Roll-out. Gemeinsam mit unseren Industriepartnern schaffen wir die Voraussetzungen, mehrere Projekte parallel umzusetzen. Der entscheidende Faktor ist weniger die Technologie als vielmehr die Geschwindigkeit bei Genehmigungen, Standortentwicklung und Finanzierung.

4investors.de: Und wie viele Anlagen werden in Deutschland in den kommenden Jahren benötigt werden?

Mildner: Deutschland wird einen erheblichen zusätzlichen Infrastrukturbedarf haben. Konkrete Zahlen hängen von regionalen Konzepten und Kapazitäten ab. Wir sind bereits heute mit einigen Kommunen im Gespräch, um Lösungen für die Klärschlammverwertung anzubieten. Grundsätzlich sehen wir europaweit einen Bedarf von rund 1.000 Anlagen. Deutschland wird dabei einer der wichtigsten Märkte sein.

4investors.de: Wie sieht es mit Genehmigungen für ihre Anlagen aus, Stichwort Umweltprüfung?

Mildner: Natürlich unterliegen solche Projekte umfassenden Genehmigungs- und Umweltstandards. Wichtig ist allerdings: Unsere Anlagen bewegen sich bewusst in einer Größenordnung, bei der keine Umweltverträglichkeitsprüfungsverfahren (UVP) erforderlich sind. Dadurch vermeiden wir langjährige Prozesse, die bei Großprojekten häufig mehrere Jahre dauern können. Unsere Projekte werden sozusagen auf regionaler Ebene genehmigt, was die Verfahren deutlich effizienter und planbarer macht. Das ist ein wesentlicher Vorteil unseres standardisierten Roll-out-Modells.

4investors.de: Jetzt begeben sie eine Anleihe. Warum?

Mildner: Der Aufbau einer neuen Infrastrukturklasse benötigt Kapital. Mit der Anleihe schaffen wir die Grundlage für die erste Roll-out-Phase unserer Plattform. Gleichzeitig sind wir überzeugt, dass regulatorisch abgesicherte Infrastrukturprojekte mit langfristig planbaren Cashflows auch für Kapitalmarktinvestoren zunehmend attraktiv werden.

4investors.de: Welche Pläne haben sie mit dem frischen Geld aus der Anleihe?

Mildner: Vorrangiger Verwendungszweck ist die Startfinanzierung für den Erwerb erster Standorte/Projektliegenschaften bzw. bestehender Projektgesellschaften, der Aufbau der Plattform sowie die frühe Entwicklung und der anschließende Roll-out der Energy-Campus-Infrastruktur. Unter Annahme einer Vollplatzierung sollen ca. 10 Millionen Euro bis 13 Millionen Euro primär für das Projekt Steiermark verwendet werden und die verbleibenden ca. 16 Millionen Euro sollen anteilig auf geplante Projekte im Burgenland, im westlichen Niederösterreich und in Nordfriesland verteilt werden.

4investors.de: Steht auch ein Börsengang auf der Agenda?

Mildner: Grundsätzlich denken wir langfristig kapitalmarktorientiert. Derzeit liegt der Fokus aber klar auf dem operativen Aufbau der Plattform und dem erfolgreichen Roll-out der ersten Projekte. Wenn sich das Geschäftsmodell wie geplant entwickelt, kann ein Börsengang perspektivisch natürlich ein sinnvoller nächster Schritt sein.

4investors-News - Everyield

01.06.2026 - EverYield startet Zeichnung einer 9-Prozent-Anleihe ...
20.05.2026 - Everyield: Anleihe in den Startlöchern ...

DGAP-News dieses Unternehmens

03.06.2026 - Beendigung Aktienrückkauf-Programm 2024-2026 und Start eines neuen ...
03.06.2026 - Veränderungen im ...
03.06.2026 - EQS-News: voestalpine AG: voestalpine steigert Ergebnis trotz volatilem Umfeld ...
03.06.2026 - EQS-News: Deutsche Rohstoff AG: US-Bohrprogramm 2026 verläuft planmäßig - ...
03.06.2026 - EQS-News: Wenn Energie planbare Rendite schafft. SEICON Energy GmbH begibt ...
03.06.2026 - EQS-News: M1 Kliniken AG steigert EBIT im Kerngeschäft "Beauty" um 37,6 % auf ...
03.06.2026 - EQS-News:  IBU-tec erhält Großauftrag im ...
03.06.2026 - EQS-News: HELIOS SOLAR AG plant Börsengang im General Standard der Frankfurter ...
03.06.2026 - EQS-News: Homann Holzwerkstoffe veröffentlicht Nachhaltigkeitserklärung 2025 ...
03.06.2026 - EQS-News: Bajaj Mobility AG für ihre 100%-ige Tochter KTM AG: Christof Lischka ...