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Cantourage: „Unser Erfolg ist kein Zufall“ - Interview

17.04.2026 07:53 Uhr - Autor: Johannes Stoffels  auf twitter

Cantourage-Vorstand Philip Schetter im Exklusivinterview mit 4investors.de. Bild und Copyright: Cantourage.

Cantourage setzt auf ein starkes internationales Partnernetzwerk. Das betont Vorstand Philip Schetter im Exklusivinterview mit 4investors.de. So kann man rasch neue Produkte auf den Markt bringen und auf Veränderungen reagieren. Für Schetter ist der Einsatz von medizinischem Cannabis eine Verbesserung der Lebensqualität von Patienten. Dabei macht er zugleich klar, dass Cannabis keine Krankheiten heilt.

Im Interview geht es aber auch um finanzielle Aspekte. Die Umstellung auf IFRS ist am Markt vielleicht noch nicht überall wirklich angekommen. Es gibt dadurch erhebliche bilanzielle Effekte, die sich positiv auf das Ergebnis auswirken werden – über Jahre hinweg, wie Schetter erläutert.

Der Manager berichtet in dem Gespräch über die Pläne bei der internationalen Expansion. Er wertet die Internationalisierung als zentralen „Baustein unserer Wachstumsstrategie“. Beim Stichwort Investitionen sagt er: „Unsere Investitionen im Jahr 2026 werden sehr gezielt und effizient ausgerichtet sein.“ Trotz aller Überlegungen der Regierung blickt er weiter positiv auf den deutschen Markt. Auch der Aspekt „Übernahmekandidat“ wird im Interview mit Schetter ausführlich thematisiert.

4investors.de: Cantourage ist seit der Gründung 2019 ein aktiver Player im europäischen "medical cannabis" Markt. Wie begründen Sie Ihren Erfolg?

Schetter:
Erstens haben wir von Anfang an konsequent auf ein asset-light Geschäftsmodell gesetzt. Wir bauen selbst kein Cannabis an, sondern ermöglichen Produzenten weltweit über unsere Plattform einen schnellen und effizienten Zugang zum europäischen Markt. Dadurch sind wir deutlich flexibler, skalierbarer und kapital-effizienter als viele Wettbewerber.

Zweitens haben wir uns frühzeitig auf regulatorische Veränderungen vorbereitet. Die Teillegalisierung in Deutschland und die Liberalisierung in anderen europäischen Märkten kamen für uns nicht überraschend – wir hatten unsere Prozesse, Partnerschaften und Kapazitäten bereits entsprechend aufgebaut und konnten deshalb sofort von der steigenden Nachfrage profitieren.

Drittens profitieren wir von einem starken internationalen Partnernetzwerk und hoher Produktvielfalt. Durch die vielerorts exklusive Zusammenarbeit mit Anbaupartnern aus verschiedenen Ländern sind wir in der Lage, schnell neue Produkte auf den Markt zu bringen und gezielt auf Patientenbedürfnisse zu reagieren.

Hinzu kommt ein klarer Fokus auf Qualität, pharmazeutische Standards und den direkten Zugang für Patienten – etwa über Telemedizinlösungen. In Summe ist unser Erfolg kein Zufall, sondern das Ergebnis eines skalierbaren Geschäftsmodells, regulatorischer Weitsicht und konsequenter Marktorientierung.

4investors.de: Wo werden Ihre Cannabisarzneimittel eingesetzt?

Schetter:
Unsere Produkte kommen ausschließlich in der medizinischen Versorgung zum Einsatz – etwa bei neurologischen Erkrankungen wie Multipler Sklerose oder als Begleittherapie in der Onkologie. Insbesondere seit der Cannabislegalisierung vor zwei Jahren sehen wir aber auch, dass Cannabis immer mehr Akzeptanz als Behandlungsoption für „Volkskrankheiten“ wie chronische Rückenschmerzen, Migräne oder Schlafprobleme findet. Wichtig ist dabei: Cannabis heilt keine Krankheiten – kann Betroffenen durch Linderung von Symptomen aber ein hohes Maß an Lebensqualität zurückbringen.

4investors.de: Wird es künftig weitere Vertriebswege geben?

Schetter:
Mit Apotheken und dem pharmazeutischen Großhandel im In- und Ausland können wir heute bereits auf eine bewährte und zuverlässige Vertriebsinfrastruktur für Arzneimittel bauen. Unser Fokus liegt vielmehr auf einem effizienten Zugang zu Cannabistherapien für Patienten und Ärzte. Unsere eigenen Telemedizinplattformen in Deutschland und Großbritannien werden künftig eine noch größere Rolle spielen, da sie den gesamten Behandlungsprozess digital unterstützen und den Marktzugang deutlich verbessern.

4investors.de: Was ist Ihr USP gegenüber Mitbewerbern?

Schetter:
Cantourage ist das einzige paneuropäische Unternehmen, das sich auf Produktion und Vertrieb von medizinischen Cannabisprodukten spezialisiert. Zentraler Vorteil unseres Geschäftsmodells ist dabei, dass wir die gesamte Wertschöpfungskette abbilden, mit unserem asset-light-Ansatz dabei aber sehr flexibel und risikoarm handeln können. Für Cannabisanbauer auf der ganzen Welt ist Cantourage heute die Adresse, wenn es um einen Markteintritt in die relevanten Medizinmärkte Europas geht. Weit über 100 Präparate unserer Produzenten haben wir bereits gelauncht und können so heute die vermutlich größte Vielfalt an qualitativ hochwertigen, medizinischen Cannabisprodukten anbieten.

4investors.de: Vor kurzem haben Sie die IFRS-Umstellung bekanntgeben – was bedeutet das für Cantourage?

Schetter:
Die geplante Umstellung auf IFRS ist für uns ein wichtiger und folgerichtiger Schritt in Richtung Internationalisierung und höherer Transparenz. Sie verbessert die Vergleichbarkeit für Investoren und stärkt damit unsere Kapitalmarktfähigkeit deutlich. Gleichzeitig ergeben sich aus der Umstellung auch technische, rein bilanzielle Effekte – etwa durch den Wegfall von Goodwill-Abschreibungen in Höhe von rund 3,9 Millionen Euro pro Jahr bis 2033, die das Ergebnis positiv beeinflussen werden, ohne unsere operative Leistungsfähigkeit zu verändern.

Die Entscheidung war zudem regulatorisch begründet: Durch das Überschreiten relevanter Größenkriterien des § 290 HGB und die folglich erstmalige Verpflichtung zur Konzernberichterstattung ab dem Geschäftsjahr 2026 bei dem ein Wahlrecht zwischen HGB und IFRS besteht, ist die Umstellung auf IFRS für uns ein konsequenter nächster Schritt. Weitere Effekte, etwa bei der Umsatzrealisierung, prüfen wir derzeit noch im Detail.

4investors.de: Ist für 2026 ein Umsatzziel von 100 Millionen Euro realistisch?

Schetter:
Nach dem sehr dynamischen Wachstum im Jahr 2025 erwarten wir für 2026 eine gewisse Normalisierung. Gleichzeitig sehen wir aber weiterhin einen klar positiven Trend in unserem Markt. Ein Umsatzniveau von um die 100 Millionen Euro ist aus heutiger Sicht grundsätzlich erreichbar, hängt jedoch maßgeblich von der weiteren regulatorischen Entwicklung sowie dem generellen Marktwachstum in unseren Auslandsmärkten ab.

Wichtiger als die reine Umsatzgröße ist für uns im Jahr 2026 allerdings die deutliche Verbesserung der Ergebnisqualität. Wir arbeiten gezielt an der Bereinigung unseres Portfolios und legen einen stärkeren Fokus auf margenstarke Premiumprodukte. Das kann kurzfristig zu einer etwas geringeren Umsatzdynamik führen, sollte sich jedoch klar positiv auf unsere Profitabilität auswirken. Diese Phase der Fokussierung ist für uns ein bewusster, strategischer Schritt: Wir schaffen damit die Grundlage für den nächsten Entwicklungsschritt, insbesondere im Hinblick auf unsere weitere Internationalisierung. Unser Ziel ist es daher nicht nur zu wachsen, sondern dabei vor allem nachhaltig und profitabel zu wirtschaften.

4investors.de: Welche Pläne verfolgen Sie bei der Internationalisierung?

Schetter:
Die Internationalisierung bleibt ein zentraler Baustein unserer Wachstumsstrategie. Großbritannien ist bereits heute ein wichtiger Markt für uns, und wir sehen dort weiterhin erhebliches Potenzial. Ähnliches gilt für Polen, wo sich der Markt trotz regulatorischer Hürden mittlerweile wieder sehr positiv entwickelt.

Darüber hinaus verfolgen wir konsequent eine Strategie der geografischen Diversifikation, um Abhängigkeiten von einzelnen Märkten zu reduzieren und unsere Wachstumsbasis breiter aufzustellen.

Besonders aufmerksam beobachten wir aktuell die Entwicklungen in Frankreich und Spanien. In beiden Ländern, die traditionell eine hohe Quote von Cannabiskonsumenten aufweisen, werden aktuell die Grundsteine für eine Versorgung mit Medizinalcannabis gelegt. Wir verfolgen die Entwicklungen sehr eng und werden auch in diese Märkte eintreten, sobald es aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoll ist.

4investors.de: Welche Investitionen stehen 2026 an? Und wie sollen diese finanziert werden?

Schetter:
Unsere Investitionen im Jahr 2026 werden sehr gezielt und effizient ausgerichtet sein. Der Fokus liegt dabei insbesondere auf Infrastruktur, Digitalisierung und der Erschließung weiterer Märkte. Gleichzeitig ist es wichtig zu betonen, dass unser Geschäftsmodell bewusst hoch skalierbar und asset-light aufgebaut ist. Das bedeutet, dass wir keine signifikanten Investitionen benötigen, um weiteres Wachstum zu realisieren – im Gegensatz zu vielen Wettbewerbern, die teilweise hohe zweistellige Millionenbeträge in Anbaukapazitäten oder Produktionsinfrastruktur investieren müssen. Unsere wesentlichen Investitionen betreffen daher vor allem den Ausbau unserer Plattform, Prozesse und Teams.

Auf der Finanzierungsseite sind wir sehr komfortabel aufgestellt: Cantourage ist aktuell Net-Cash-positiv im hohen einstelligen Millionenbereich und verfügt über keine klassische Bankenfinanzierung. Das gibt uns ein hohes Maß an finanzieller Flexibilität und Unabhängigkeit. Unser Wachstum finanzieren wir primär aus dem operativen Cashflow. In Summe erlaubt uns diese Aufstellung, profitabel zu wachsen, ohne uns finanziell zu überdehnen – und gleichzeitig flexibel auf Marktchancen zu reagieren.

4investors.de: Werden 2026 neue Produkte auf den Markt kommen, um dem Wachstum einen weiteren Schub zu geben?

Schetter:
Ja, wir arbeiten kontinuierlich an der Erweiterung unseres Portfolios – sowohl bei Blüten als auch bei Extrakten und innovativen Darreichungsformen. Produktvielfalt ist ein zentraler Wachstumstreiber.

4investors.de: Ist die Gesetzgebung in Deutschland für Cantourage eine Herausforderung oder eine Chance?

Schetter:
Die regulatorische Unsicherheit nach den Ankündigungen des Bundesgesundheitsministeriums, Medizinalcannabis wieder stärker zu regulieren, war in den vergangenen Monaten definitiv eine Herausforderung. Es zeigt sich aber immer mehr, dass den Gesetzesänderungen sowohl Dissens innerhalb der Regierungsparteien als auch europarechtliche Bedenken entgegenstehen. Vor diesem Hintergrund sind wir zuversichtlich, dass sich auch der deutsche Markt zukünftig weiter positiv entwickeln wird. Natürlich wünschen wir uns aber klare, verlässliche Rahmenbedingungen für medizinisches Cannabis – mit Fokus auf Patientenzugang, Qualitätssicherung und wirtschaftliche Planbarkeit.

4investors.de: Ist Cantourage ein Übernahmekandidat?

Schetter:
Grundsätzlich zeigt die Entwicklung der Branche, dass gut positionierte Unternehmen im Bereich Medical Cannabis zunehmend in den Fokus von Investoren und strategischen Käufern rücken. Die zuletzt gesehenen Transaktionen wurden teilweise zu attraktiven Bewertungen abgeschlossen, was aus unserer Sicht klar das strukturelle Bewertungspotenzial des Sektors unterstreicht – und damit auch das von Cantourage.

Unsere eigene Positionierung – mit einem skalierbaren Geschäftsmodell, internationalem Partnernetzwerk und wachsender Profitabilität – macht uns grundsätzlich zu einem interessanten Unternehmen in diesem Umfeld. Unser klarer Fokus liegt jedoch aktuell auf dem eigenständigen Aufbau eines nachhaltigen, international ausgerichteten Geschäftsmodells. Wir sind überzeugt, dass wir den größten Wert schaffen, indem wir unsere Wachstumsstrategie konsequent umsetzen und unsere Marktposition weiter ausbauen. Gleichzeitig gilt: In einem sich konsolidierenden Marktumfeld schließen wir strategische Optionen grundsätzlich nicht aus, bewerten diese aber stets unter dem Gesichtspunkt der langfristigen Wertsteigerung für unsere Aktionäre. Die aktuellen Markttransaktionen sehen wir daher weniger als unmittelbare Perspektive, sondern vielmehr als Bestätigung des Potenzials der Branche und des gesellschaftlichen Megatrends Medizinalcannabis insgesamt.

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