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Ifo Geschäftsklima: Erwartungen wegen Ukrainekrieg im Sinkflug - Nord LB

25.03.2022 15:23 Uhr - Autor: Kolumnist  auf twitter

Heute Vormittag hat das Münchner ifo-Institut aktuelle Ergebnisse seiner monatlichen Konjunkturumfrage unter rund 9.000 deutschen Unternehmen veröffentlicht. Demnach hat sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft im März unter dem Eindruck des seit vier Wochen laufenden Krieges zwischen Russland und der Ukraine erwartungsgemäß massiv verschlechtert. Das ifo-Geschäftsklima für die gewerbliche Wirtschaft sank auf 90,8 Punkte, dies ist der niedrigste Wert seit Juli 2020. Der ifo-Geschäftsklimaindex folgt damit den schlechten Vorgaben der Umfragen vom ZEW und von sentix.

Besonders dramatisch ist der Einbruch bei den Geschäftserwartungen. Der Index für die Erwartung der Unternehmen mit Blick auf ihre Geschäftsentwicklung in sechs Monaten ist ausgehend von zuvor 98,4 Punkten auf nur noch 85,1 Punkte regelrecht abgestürzt. Lediglich während der globalen Finanzkrise 2008 und zu Beginn der Corona-Pandemie 2020 waren die Zukunftsaussichten der deutschen Unternehmen kurzzeitig pessimistischer. Die aktuelle Geschäftslage wird von den Unternehmen im März zwar auch schlechter als im Vormonat beurteilt, der Rückgang auf „nur“ 97,0 Punkte fällt hingegen diesmal noch vergleichsweise moderat aus.



Deutliche Belastungen für die Unternehmensstimmung waren zu erwarten, das Ausmaß des heute vom ifo-Institut gemeldeten Stimmungseinbruchs stellt jedoch eindeutig eine negative Überraschung dar. Infolge des vor einem Monat von Russland gestarteten Angriffs auf die Ukraine sehen die Unternehmenslenker erhebliche Belastungen auf sich zukommen. Die Finanzmärkte reagierten vergleichsweise moderat. Der DAX geriet durch die deutlich schlechter als befürchtet ausgefallenen ifo-Zahlen etwas unter Druck und rutschte zeitweise wieder unter die Marke von 14.300 Punkten.

Der Stimmungseinbruch zieht sich quer durch die gesamte Wirtschaft. Besonders stark fällt der Rückgang in der Industrie, im Bausektor und im Handel aus. Der Energiepreisschub erhöht massiv die Kosten für die Unternehmen, insbesondere in energieintensiven Branchen, und dämpft zugleich spürbar die verfügbaren Einkommen und damit die Perspektiven für den privaten Konsum. Hinzu kommen bereits jetzt an verschiedenen Stellen spürbare Verschärfungen der Liefer- und Materialengpässe. Angesichts eines zumindest leicht positiven Saldenwerts präsentiert sich die Stimmung im Dienstleistungssektor noch am stabilsten, aber selbst die weitgehende Lockerung der Coronamaßnahmen konnte auch hier eine empfindliche Abkühlung der Stimmung nicht verhindern.

Das Risiko einer technischen Rezession hat sich für die deutsche Wirtschaft mit dem seit einem Monat anhaltenden Krieg in der Ukraine erhöht. Besonders spürbar werden jedoch die Bremseffekte der Kriegsauswirkungen erst im Frühjahr werden. Die erhoffte Verringerung der Corona-Belastungen wird dem zwar entgegenwirken, hierauf bauen offensichtlich derzeit noch viele Dienstleister. Dennoch sind die Konjunkturprognosen vom Jahresbeginn obsolet, für 2022 haben wir unsere BIP-Prognose auf 1,8% gesenkt – und dies ist auch nur bei Ausbleiben weiterer Eskalationen erreichbar. Ein Abbruch der Energielieferungen aus Russland wäre ein klares Rezessionsszenario.

Fazit: Die Stimmung in den deutschen Unternehmen ist im März infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine noch stärker eingebrochen als befürchtet. Der ifo-Geschäftsklimaindex sackte auf 90,8 Punkte ab. Die auf die nähere Zukunft gerichteten Geschäftserwartungen befinden sich im freien Fall und markieren den tiefsten Wert seit Mitte 2020. Praktisch durch alle Branchen zieht sich der Stimmungseinbruch, die deutsche Wirtschaft gerät vor allem durch den Energiepreisschub sowie eine erneute Verschärfung der Liefer- und Materialengpässe unter Druck. Wir haben unsere Konjunkturprognose bereits auf 1,8% gesenkt, hierfür darf es aber nicht zu weiteren Eskalationen kommen. Ein Abbruch der Energielieferungen aus Russland wäre aus unserer Sicht ein klares Rezessionsszenario.

Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

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