Zahlensaison läuft mit Bilanzen von E.On, TUI, Zalando und Co. langsam aus - Börse München Kolumne
10.08.2020 09:50 Uhr - Autor: Robert Ertl auf twitter
Nachdem viele Auguren vor dem Beginn der vergangenen Handelswoche bestenfalls eine Seitwärtstendenz an den deutschen Aktienmärkten vorausgesagt hatten, wurden sie von der Börse eines besseren belehrt. Denn die deutschen Aktienkurse legten in den vergangenen fünf Handelstagen überwiegend merklich zu. Wesentliche Gründe für die freundliche Stimmung waren relativ gute Konjunkturdaten bzw. relativ positive Konjunkturausblicke. Dass z. B. die deutschen Exporte, die Industrieproduktion und auch die Daten zum US-Arbeitsmarkt besser als erwartet ausgefallen sind, verfestigte die Meinung, dass die Wirtschaft Stand jetzt das Schlimmste in Sachen Corona-Krise überstanden hat und drängte negative Einflussfaktoren, wie den immer heftiger werdenden Konflikt zwischen den USA und China oder auch die Angst vor einer zweiten Corona-Welle, in den Hintergrund. Gestützt wurden die Kurse auch von besser als erwartet ausgefallenen Unternehmenszahlen im Rahmen der laufenden Quartalsberichtssaison. So gehörte beispielsweise Siemens mit einem Plus von 4,5 Prozent auf 115,52 Euro zu den großen Wochengewinnern im Dax. Getrieben wurden die Kurse des Münchner Konzerns dabei vor allem von positiven Analystenkommentaren. Auch die Papiere von Daimler profitierten von positiven Analystenkommentaren. Sie sprangen im Wochenvergleich um 7,6 Prozent auf 40,30 Euro. Allerdings blieben auch einige Schwergewichte, hinter der allgemeinen Tendenz zurück. Dies war etwa bei BWM der Fall, die erstmals seit langem einen Quartalsverlust ausweisen mussten. Die Stammaktien des Konzerns notierten zuletzt bei 55,07 Euro. Damit konnten sie sich im Wochenvergleich nur um 1,4 Prozent verbessern, und nur einen kleinen Teil ihrer in den Tagen zuvor verzeichneten Verluste wieder aufholen. Die Anleihemärkte entwickelten sich in der vergangenen Wochen seitwärts und ignorierten die leicht aufgehellten Konjunkturerwartungen weitgehend. Insgesamt stieg die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe im Wochenverlauf leicht um 2 Basispunkte auf -0,51 Prozent. Die Umlaufrendite kletterte im selben Umfang. Sie wurde am Freitag mit -0,55 Prozent errechnet. Noch etwas besser als die deutschen Aktienmärkte kamen die Börsen in den USA voran. Auch wenn es hier zum Wochenausklang zu Gewinnmitnahmen kam, machte der Dow-Jones-Index im Wochenvergleich 3,8 Prozent gut und schloss am Freitag bei 27.433,48 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500-Index gewann 2,4 Prozent und beendete den Handel bei 3.351,28 Zählern. Der technologielastige Nasdaq-100-Index verbesserte sich um 2,1 Prozent auf 11.139,39 Punkte. Er litt zum Wochenausklang etwas unter Gewinnmitnahmen bei den Tech-Schwergewichten, nachdem diese zuvor teils deutlich gestiegen waren. Ausblick Gerade weil die Börsen in den vergangenen Tagen deutlich zulegen konnten, zeigen sich die Analysten für die aktuelle Woche recht vorsichtig. Angesicht eines relativ dünnen Kalenders mit neuen Konjunkturdaten könnten die Corona-Sorgen sowie die sich immer schneller drehende Eskalationsspirale im Konflikt zwischen den USA und China stärker in den Mittelpunkt rücken als in der Vorwoche, begründen etliche Marktbeobachter ihre Vorsicht. Zudem wirft langsam aber sicher die US-Präsidentschaftswahl ihren Schatten voraus. Dass der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden hier aktuelle wohl bessere Karten hat als Amtsinhaber Donald Trump ist in den Augen etlicher Beobachter nicht positiv für die Aktienmärkte. Denn im Falle der Wahl Bidens sei mit Steuererhöhungen zu rechnen, argumentieren sie. Zu den wenigen Konjunkturdaten dieser Woche, die die genannten übergeordneten Themen überblenden könnten, gehören vor allem die neuen ZEW-Konjunkturerwartungen, die am Dienstag bekannt gegeben werden. Die Märkte dürften zudem die Entwicklung der Verbraucherpreise in den USA (Mittwoch) und in Deutschland (Donnerstag) ebenso im Blick haben wie die neuen Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt in der Eurozone sowie zu den Einzelhandelsumsätzen und dem Verbrauchervertrauen in den USA. Die entsprechenden Daten werden am Freitag bekanntgegeben. Die laufende Quartalsberichtssaison läuft derweil langsam aus. Von den Dax-Werten legen in der aktuellen Woche noch E.ON (Mittwoch), sowie die Deutsche Telekom, Deutsche Wohnen und RWE (jeweils am Donnerstag) ihre aktuellen Zahlen vor. Vor allem der Kurs der Telekom hat in der vergangenen Woche aufgrund guter Ergebnisse ihrer US-Mobilfunktochter bereits deutlich zugelegt. Im Fokus dürften zudem etliche Werte der zweiten Reihe stehen, die ebenfalls Quartalszahlen veröffentlichen. Dazu zählen am Montag mit Zalando und am Dienstag mit HelloFresh zwei mögliche Corona-Gewinner, am Donnerstag dagegen mit Tui einer der großen Corona-Verlierer und mit Sixt ein weiteres Unternehmen, das unter der Corona-Krise leidet und in der vergangenen Woche seinen Ausblick für 2020 und 2021 bereits zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit nach unten revidiert hat. Ausgewählte wichtige Termine der Woche Montag. 10.08.: Entwicklung der Verbraucherpreise in China; Entwicklung der Investorenvertrauens in der Euro-Zone; Entwicklung der offenen Stellen in den USA Autor: Dr. Robert Ertl, Vorstand der Bayerischen Börse AG Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Bayerischen Börse AG. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
Dienstag, 11.08.: ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland und die Eurozone; Entwicklung der Erzeugerpreise in den USA; Arbeitslosenquote und Entwicklung der Bruttoninlandsprodukts in Großbritannien
Mittwoch, 12.08.: Vebraucherpreisentwicklung in den USA,
Donnerstag, 13.08.: Verbraucherpreisentwicklung in Deutschland; Entwicklung der Erst- und Folgeaufträge auf Arbeitslosenunterstützung in den USA
Freitag, 14.08.: Entwicklung der Industrieproduktion und der Einzelhandelsumsätze in China; Bruttoinlandsprodukt in der Eurozone; Entwicklung der Einzelhandelsumsätze in den USA; Entwicklung des Verbrauchervertrauens in den USA
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