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Smartbroker: „Im vierten Quartal 2026 erwarten wir eine deutlich anziehende Entwicklung“

23.09.2026 07:12 Uhr - Autor: Johannes Stoffels  auf twitter

Andre Kolbinger, Gründer und Vorstandschef der Smartbroker Holding. Bild und Copyright: Smartbroker Holding.

An eine Konsolidierung im Broker-Markt glaubt Andre Kolbinger, Gründer und Vorstandschef der Smartbroker Holding, nicht. Im Gegenteil! Bei den Berlinern setzt man derzeit stark auf das kommende Altersvorsorgedepot. Dies dürfte die gesamte Aktienkultur in Deutschland stärken, so Kolbinger im Gespräch mit der Redaktion von 4investors.de. Der Hauptaktionär der Holding spricht zudem über das PFOF-Verbot, die Neukundengewinnung und die weiteren Pläne rund um den Smartbroker+.

4investors.de: Der Kurs der Smartbroker Holding hat in den vergangenen sechs Monaten rund 30 Prozent verloren. Welche Erklärung haben Sie dafür?

Kolbinger: Wir haben von verschiedenen Investoren dazu unterschiedliche Erklärungen gehört. Manche stören sich daran, dass das Neukunden-Wachstum seit März 2026 nachgelassen hat, andere wiederum sagen, dass wir noch nicht deutlicher rentabel sind. Wieder andere sehen, das Trade Republic sein Angebot ausgeweitet hat.

Ich denke, durch die monatlichen KPI Calls zeigen wir die Entwicklung aller wesentlichen Zahlen sehr transparent. Natürlich ist es schwer, die Rentabilität eines 25 Jahre alten Brokers mit 3 Millionen Kunden mit unserer Rentabilität nach sechs Jahren Brokerage und knapp 300.000 Kunden zu vergleichen.

Wir erreichen unsere Zahlen jetzt mit einem radikal niedrigeren Preis als die ältere Generation von Brokern. Am Tradingverhalten, der Tradingfrequenz und den Einlagen der Kunden kann man klar sehen, wohin die Entwicklung geht.

Die Kunden wollen preiswerte und vor allem moderne Produkte. Das ist das, was wir bauen und damit gewinnen wir Kunden dazu. Da gibt es auch mal Phasen, wo dieses Wachstum geringer ausfällt.

4investors.de: Nutzen Sie diese Kurse, um Ihre Position aufzustocken?

Kolbinger: Das habe ich in den letzten Monaten noch nicht gemacht. Sonst wäre es auch per Directors Dealing gemeldet worden.

4investors.de: Viele Investoren dürften sich sorgen, dass das PFOF-Verbot Ihr Geschäft belastet. Ist das so?

Kolbinger: Nein. Wir konnten unsere Kostenstruktur anpassen und so die wegfallenden Umsätze nahezu vollständig kompensieren.

4investors.de: Erklären Sie bitte noch einmal genau, wie Sie den Ausfall der PFOF-Umsätze kompensiert haben?

Kolbinger: Wir erhalten diese Umsätze nicht mehr, aber wir haben es auf der anderen Seite geschafft, unsere Kosten für den Betrieb des Produktes, darunter vor allem auch die Kosten für Orderabwicklung, Clearing, Settlement etc. zu reduzieren. Wir haben damit weiterhin eine sehr ähnliche Marge. Das zeigen wir auch in unseren monatlichen KPI Calls.

4investors.de: Wird es durch das PFOF-Verbot zu einer Konsolidierung am Broker-Markt kommen?

Kolbinger: Nein. Ich denke, es wird gar keine Konsolidierung geben. Es kommen eher noch neue Anbieter hinzu. Für einen modernen Anbieter macht es keinen Sinn, sich etwas Altes dazu zu kaufen. Die älteren Anbieter wiederum möchten nun erstmal ihre nach 4 bis 6 Jahren „Nachdenken“ entstandenen neuen Produkte für die jüngere Zielgruppe platzieren und schauen, wie das funktioniert. Die Erkenntnis, dass das vielleicht nicht so gut wie geplant funktioniert, wird erst in vielen Jahren kommen. Da diese Unternehmen noch sehr viel Geld verdienen, gibt es von deren Seite keinen großen internen Druck etwas zu tun.

4investors.de: Trade Republic hat im Sommer mit neuen Konditionen auf sich aufmerksam gemacht. Wie sehr war dies eine Belastung für Ihr Geschäft?

Kolbinger: Wir sehen bei uns dadurch keine Veränderung. Man kann die Konditionen auch nicht 1:1 vergleichen. Bei den Auslandsbörsen bei Trade Republic kommen zum Beispiel noch jedes Mal die Gebühren beim Wechselkurs zu den Orderkosten hinzu.

4investors.de: Bei der Zahl der Neukunden hinken Sie mit 31.000 Verträgen hinter den Erwartungen hinterher. Kann man das anvisierte Ziel von 100.000 neuen Kunden bis zum Jahresende noch aufholen?

Kolbinger: Wir liegen seit April 2026 hinter unserer eigenen Planung und haben das auch schon an verschiedenen Stellen kommuniziert. Im vierten Quartal 2026 erwarten wir eine deutlich anziehende Entwicklung, vor allem getrieben durch das Altersvorsorgedepot.

4investors.de: Müssen Sie die Strategie zur Gewinnung neuer Kunden anpassen?

Kolbinger: Wir müssen alles immer an die Realität anpassen. Dafür sind wir Unternehmer. Die Neukundenschwäche der letzten Monate sehen wir allerdings auch bei unseren Mitbewerbern.

4investors.de: Sie geben derzeit rund 160 Euro je Neukunde aus. Wann amortisiert sich ein solcher Kunde?

Kolbinger: Durchschnittlich nach etwa 18 Monaten bis 2 Jahren. Statistisch gibt es eine Kündigungsrate von ca. 3 Prozent pro Jahr. Die verbleibenden Kunden machen jedoch über die Jahre mehr Umsätze. Wir reden also von einem sehr stabilen Geschäft.

4investors.de: Stehen bei Ihnen neue Partnerschaften an, auch um weitere Kunden zu gewinnen?

Kolbinger: Wir bauen unsere Werbung datengetrieben aus. Partnerschaften sind ein Teil davon.

4investors.de: Wie weit sind die Vorbereitungen für das Altervorsorgedepot gediehen?

Kolbinger: Wir arbeiten an der Umsetzung - so wie auch jeder andere Anbieter in diesem Bereich. Wir gehen davon aus, dass wir pünktlich zum Marktstart fertig sein werden.

4investors.de: Sie bieten beim Altervorsorgedepot vieles zu 0 Euro an. Damit liegt Ihre Offerte auf Höhe der Konkurrenz. Was unterscheidet Sie dann von den Mitbewerbern?

Kolbinger: Bisher haben nur sehr wenige ihre konkreten Angebote offengelegt. Wir liegen preislich ähnlich wie Scalable und damit liegen wir beide sehr sehr deutlich unter den Angeboten der Wettbewerber. Die meisten Wettbewerber werden Produkte mit 0,5 Prozent p.a. vorstellen. Im klassischen Vertrieb der Versicherungen und Vertriebe werden die Gebühren noch deutlich höher liegen.

Mit unserem „freien Depot“, damit ist gemeint, dass der Kunde die freie Auswahl aus tausenden Fonds, ETFS und Anleihen hat, werden wir ein Angebot haben, bei dem der Kunde dauerhaft keine Depotführungsgebühren, keine Transaktionskosten und keine Kosten für Sparplanausführungen zahlt. Billiger geht es nicht.

4investors.de: Welche Hoffnung setzen Sie auf das Altersvorsorgedepot?

Kolbinger: Wir gehen davon aus, dass die starke staatliche Förderung in Kombination mit der Einsicht, dass die staatliche Rente nun mal leider nicht sicher ist, das Potential hat, die Aktienkultur in Deutschland deutlich zu stärken. Dies bedeutet mittelfristig deutlich mehr Leser für Finanzmedien und mehr Brokerage Kunden. Das müsste für die Branche insgesamt positiv sein.

Nahezu alle, die in den letzten Jahren in Riester Produkte eingezahlt haben und dachten, dass sie damit ihre Altersvorsorge deutlich aufbessern, realisieren gerade, dass das Einzige, was sie finanziert haben, die Provisionen der Produktanbieter waren. Die Riester Rente kommt im Durchschnitt der Verträge auf eine Rendite von < 1 Prozent p.a., das muss man erstmal schaffen.

Der Kapitalmarkt und damit Fonds und ETFs sind die deutlich besseren Anlageformen. Das wird sich nun beginnen durchzusetzen, so wie man dies schon seit Jahrzehnten in fast allen kapitalistischen Ländern der Welt sieht.

4investors.de: Wie können Sie an dieser neuen Investitionsform verdienen?

Kolbinger: Wir konzentrieren uns darauf, das beste Produkt für unsere Kunden zu bauen. Das heißt Pricing aber auch Einfachheit bei der Bedienung sowie Informationen.

Als Broker kann man von den Emittenten der Produkte von den Produktkosten, den sogenannten Management Fees, einen kleinen Anteil bekommen. Da das Anlagevolumen mit der Summe der Einzahlungen und des Wertzuwachses über die Zeit zunimmt, ist das eine interessante, stabile und steigende Einnahmequelle.

4investors.de: Im August haben Sie sich einen Betriebsmittelkredit über bis zu 20 Millionen Euro besorgt. Damit soll das Wachstum beim Smartbroker+ beschleunigt werden. Wie wollen Sie das Geld konkret einsetzen?

Kolbinger: Das entscheiden wir noch. Es wird für ein stärkeres Kundenwachstum ausgegeben, wenn sich dafür gute Chancen ergeben.

4investors.de: Welche neuen Highlights sind in den kommenden Monaten beim Smartbroker+ zu erwarten?

Kolbinger: Das Thema Altersvorsorgedepot hat erstmal eine große Bedeutung für uns und es ist zeitkritisch. Insofern liegt darauf ein wesentlicher Fokus in 2026. Aber wir arbeiten auch an einigen anderen Themen. Wir werden unser erstes Frontend für Heavy Trader am Wochenende auf der „Finance26“ (vormals WOT) vorstellen.

Ein weiteres spezialisiertes Frontend für eine noch etwas spitzere Zielgruppe kommt im Dezember.
Zudem kommen noch Juniorkonten und Vollmachten-Funktion.

Unsere Produktumfang und unsere Funktionen im Smartbroker+ werden Stück für Stück weiter ausgebaut. Wir denken, dass das eine gute Basis ist, um auch mit den bestehenden Kunden noch mehr Umsätze zu erwirtschaften.



Hinweis auf Interessenskonflikt(e): Der / die Autor(in) oder andere Personen aus der 4investors-Redaktion halten unmittelbar Positionen in Finanzinstrumenten / Derivate auf Finanzinstrumente von Unternehmen, die in diesem Beitrag thematisiert werden und deren Kurse durch die Berichterstattung beeinflusst werden könnten: Smartbroker Holding AG.

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