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Iran-Krieg schüttelt die Börsen durch - Beiersdorf, Öl - Börse München

09.03.2026 10:11 Uhr - Autor: Kolumnist  auf twitter

Ulrich Kirstein von der Börse München wirft einen Blick auf die Entwicklungen an den deutschen und internationalen Aktien- und Anleihemärkten. Bild und Copyright: Bayerische Börse AG.

Wie nicht anders zu erwarten hat der vor neun Tagen ausgebrochene Krieg zwischen den USA und dem Iran die deutschen Aktienmärkte in der vergangenen Woche durchgeschüttelt und die Kurse deutlich nach unten getrieben. Daran änderten auch kurzzeitige Erholungsversuche nichts. Grund für die Kursverluste war vor allem der durch den Krieg ausgelöste Ölpreisschock und die daraus resultierenden Konjunkturängste. So sind die Öl-Futures in der vergangenen Woche je nach Sorte zwischen 12 Prozent und knapp 36 Prozent in die Höhe geschossen – und damit teilweise innerhalb einer Woche so stark gestiegen wie seit 1983 nicht mehr. Auch die Sorgen, dass der Krieg einen Flächenbrand auslösen könnte, verdüsterten die Stimmung. Dagegen ignorierten die Marktteilnehmer die neuesten Konjunkturdaten weitgehend. Mit wenigen Ausnahmen: So belasteten beispielsweise die deutlich schlechter als erwartet ausgefallenen US-Arbeitsmarktzahlen die Börsen am Freitag zusätzlich.

Der Deutsche Aktienindex (Dax) stürzte im Wochenverlauf um 6,5 Prozent auf 23.644,89 Punkte. Der MDax verlor 6,3 Prozent und beendete den Handel am Freitag bei 29.580,35 Zählern. Der TecDax verlor 4,5 Prozent auf 3.617,74 Punkte. Und der m:access All Share rutschte um 2,3 Prozent auf 1.139,13 Punkte ab.

Angesichts der Konjunkturängste schauten die Anleger umso kritischer auf neue Unternehmensveröffentlichungen im Rahmen der laufenden Bilanzberichtssaison. Besonders abgestraft wurden unter den Dax-Werten Beiersdorf, die um 21,48 Prozent in den Keller rauschten. Hier stieß den Anlegern vor allem der schwache Ausblick des Unternehmens bitter auf. Auch Bayer (-13,19 Prozent), Continental (-12,90 Prozent) und Adidas (-9,38 Prozent) gaben nach Veröffentlichung ihrer jüngsten Zahlen überproportional stark nach.

Überraschenderweise profitierten Staatsanleihen angesichts des Kriegs und der fallenden Aktienkurse nicht von ihrem Status als sicherer Hafen. Stattdessen kamen auch am Rentenmarkt die Notierungen unter Druck. Marktteilnehmer begründeten dies vor allem mit steigenden Inflationssorgen aufgrund des Kriegs und dessen Auswirkungen. So kletterte die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe im Wochenverlauf deutlich – und zwar um 21 Hundertstel auf 2,86 Prozent. Die Umlaufrendite wiederum erhöhte sich um 17 Basispunkte auf 2,79 Prozent.

Naturgemäß standen die Aktienbörsen auch in den USA unter Druck. Allerdings hielten sie sich deutlich besser als in Deutschland. Der Dow-Jones-Index beispielsweise fiel im Wochenvergleich „nur“ um 3,01 Prozent auf 47,501.55. Das war allerdings noch immer sein stärkster Wochenverlust seit rund einem Jahr. Der marktbreitere S&P-500-Index gab um 2,01 Prozent auf 6,740.02 Zähler nach. Und der technologielastige Nasdaq-100 ging mit einem Wochenminus von 1,3 Prozent – und damit mit 24.643,01 Punkten – aus dem Handel.



Ausblick
Auch in der neuen Handelswoche wird die Antwort auf die Fragen, wie es mit dem Krieg zwischen den USA und dem Iran und damit auch mit der Ölversorgung durch die Straße von Hormus weitergeht, entscheidend für Entwicklung am Aktien- und am Rentenmarkt sein. Angesichts der über das Wochenende weiter rasant gestiegenen Ölpreise stellen viele Marktteilnehmer dabei vor allem die Frage, wie weit die Kurse zumindest zunächst noch fallen werden. Entspannung ist nach allgemeiner Auffassung erst dann in Sicht, falls es den USA gelingen sollte, die Durchfahrt durch die Straße von Hormus für Handelsschiffe zu gewährleisten. Angesichts des alles andere überlagernden Themas „Öl“ dürften jedenfalls die aktuellen Konjunkturdaten von den Börsianern weitgehend ignoriert werden.

Allerdings stehen in der aktuellen Woche auch nur relativ wenige, üblicherweise wichtige, Konjunkturdaten auf dem Kalender. Dazu zählen bereits am heutigen Montag die neusten Zahlen zur Industrieproduktion in Deutschland. Am Dienstag folgt die deutsche Handelsbilanz für Januar, und am Mittwoch gibt es neue Zahlen zu Entwicklung der Verbraucherpreise. Eine möglicherweise interessante und kursbewegende Veröffentlichung könnte zum Wochenausklang mit den Zahlen zum US-Verbrauchervertrauen folgen.

Angesichts der teilweise extremen Reaktionen der Anleger auf unter den Erwartungen liegende Zahlen, dürfte die nach wie vor laufende Bilanzberichtssaison weiter spannend bleiben. Wie üblich ballt es sich dabei zur Wochenmitte. So veröffentlichen am Mittwoch unter anderem Henkel, Rheinmetall sowie Porsche Geschäftszahlen, und am Donnerstag folgen beispielsweise BMW, RWE, Daimler Truck und Zalando. Zudem veröffentlicht die Deutsche Bank an diesem Tag ihren Geschäftsbericht.





Ausgewählte wichtige Termine der Woche
Montag, 09.03: Industrieproduktion in Deutschland; Sentix-Investorenvertrauen in der EU.
Dienstag, 10.03: Deutsche Handelsbilanz im Januar; Wiedervekäufe von Häusern in den USA.
Mittwoch, 11.03: Entwicklung der Verbraucherpreise in Deutschland und den USA; Entwicklung der Realeinkommen in den USA.
Donnerstag, 12.03: US-Handelsbilanz; Erstanträge Arbeitslosenhilfe USA.
Freitag, 13.03: Industrieproduktion in der Eurozone; Verbrauchervertrauen in den USA; US-Bruttoinlandsprodukt (2. Veröffentlichung).

Disclaimer: Dies ist eine Kolumne der Bayerischen Börse AG. Der Inhalt von Text und Video wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

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