FORTEC Elektronik: „Die Substanz unseres Unternehmens wurde fast komplett ausgeblendet“ - Interview
12.01.2026 07:51 Uhr - Autor: Johannes Stoffels auf twitter
Hinter der FORTEC Elektronik AG liegt ein bewegtes Kalenderjahr 2025. Eine überraschende CEO-Abberufung, Prognosekorrekturen für das Geschäftsjahr 2024/25 und ein vorsichtiger Ausblick haben der FORTEC-Aktie ein Kursminus von über 40 Prozent beschert. Auf der Habenseite stehen u. a. Fortschritte bei der Internationalisierung, inklusive Zukäufen, positive Impulse aus dem Defence-Bereich und ein Dividendenvorschlag von 0,40 Euro je Aktie. Die Analysten von Montega sehen den fairen Wert der FORTEC-Aktie bei 17 Euro.
Im Gespräch mit der Redaktion von 4investors.de sprechen Vorstand Ulrich Ermel und Interim-Manager Henrik Christiansen über die aktuellen Weichenstellungen, verstärkte Aktivitäten in den USA, die ehrgeizigen mittelfristigen Ziele sowie die Neubesetzung des FORTEC-Vorstandes. Sie sind überzeugt: „FORTEC wird gestärkt aus dieser Situation hervorgehen.“
4investors.de: Herr Ermel, das Kalenderjahr 2025 war ein sehr ereignisreiches für die FORTEC Elektronik AG – inklusive Zukäufen, aber auch Gewinnwarnungen und einer überraschenden Veränderung im Vorstand. Wenn man sich die Turbulenzen ansieht, muss man sich Sorgen um die Stabilität der Gesellschaft machen?
Ermel: Das Jahr 2025 war zweifelsohne ein besonders turbulentes für die FORTEC Group. Persönlich stört mich bei dieser Diskussion jedoch, dass in der externen Wahrnehmung das eigentliche Kerngeschäft sowie unsere Kunden und die großen Absatzchancen, die sich uns stellen, nur ganz am Rande thematisiert wurden. Wir haben große Fortschritte in USA erzielt, sind im Mittleren Osten und Nordafrika nun vertreten und konnten sehr viele bestehende Kunden zur vollsten Zufriedenheit beliefern. Die Substanz des Unternehmens wurde im Sog der Sensationsgier auf negative Nachrichten fast komplett ausgeblendet. Um auf Ihre Frage konkret zu antworten: Nein, um die Stabilität der FORTEC Group muss man sich keine Sorgen machen, wir sind solide aufgestellt, verfügen über ein starkes Team und werden gestärkt aus dieser Situation hervorgehen.
4investors.de: Dennoch haben Sie sich entschieden, Ihren am 30. Juni 2026 auslaufenden Vorstandsvertrag nicht zu verlängern. Hatte dies auch mit den genannten Turbulenzen zu tun?
Ermel: Nein, mein Vorstandsvertrag bei FORTEC war von Beginn an auf eine Laufzeit bis 30.06.2026 begrenzt. und aufgrund von unterschiedlichen Vorstellungen zur Führung des Unternehmens innerhalb des Vorstandes habe ich im vergangenen Jahr ein Angebot eines meiner ehemaligen Arbeitgeber gerne angenommen. Deshalb konnte ich auch unter Anbetracht der späteren Veränderungen im Vorstand keine Verhandlung zur Verlängerung mehr führen, denn ich halte mein Wort.
Das ist auf der einen Seite schmerzlich, denn ich sehe viele positive Möglichkeiten bei FORTEC und hätte diese auch gerne noch weiter begleitet, aber meine Nachfolger werden mit nicht weniger Leidenschaft und Begeisterung den Weg weiter beschreiten. Ich werde bis zum letzten Tag meines Mandates für FORTEC gerne meinen Beitrag leisten und freue mich auf die neue Herausforderung bei einem von mir hochgeschätzten Unternehmen.
4investors.de: Sie sprechen die Neubesetzung des FORTEC-Vorstandes an, die im Laufe der nächsten Monate erfolgen soll. Wie weit sind die Vorbereitungen fortgeschritten? Und sind Sie persönlich in den Auswahlprozess eingebunden?
Ermel: Der Auswahlprozess ist bereits im vollen Gange und wir sind zuversichtlich, dass wir zeitnah eine sehr gute Besetzung finden werden. Die Zusammenarbeit zwischen Aufsichtsrat, Personalberatung und mir funktioniert sehr gut, so dass die Organisation eine optimale Besetzung sicherstellen kann.
4investors.de: Die Frage ist für Sie vielleicht schwierig zu beantworten: Wird sich FORTEC mit einem neuen Vorstand neu aufstellen oder setzt man auf Kontinuität?
Ermel: In der Tat ist das für mich spekulativ, aber nachdem Aufsichtsrat und auch das Führungsteam großen Wert auf Verlässlichkeit und Kontinuität legen, würde es mich sehr wundern, wenn ein neuer Vorstand voreilig Grundsätzliches über den Haufen werfen würde.
4investors.de: Das laufende Geschäftsjahr 2025/2026 bezeichnen Sie als „Übergangsjahr, in dem wir zentrale strukturelle Weichen stellen“. Wie sehen diese konkret aus?
Ermel: Wir stellen einige notwendige Weichen und stärken beispielsweise die zweite Reihe in der FORTEC-Führungsebene. Zudem führen wir die Strategie „Strong together“ konsequent fort, denn wir wandeln uns zu einem Unternehmen und führen in diesem Zuge auch globale Verantwortungen ein. Die kontinuierliche Ausrichtung auf Kunden und Kundenwünsche bzw. -anforderungen ist hierbei die Maxime unseres Handelns.
4investors.de: Herr Christiansen, Sie sind nach dem Abgang der bisherigen CEO Sandra Maile als Interim-Manager zu FORTEC gestoßen. Wie fällt Ihre erste Bestandsaufnahme auf und welche Ziele verfolgen Sie?
Christiansen: Nach nunmehr sieben Wochen operativer Tätigkeit ergibt meine erste Bestandsaufnahme, dass der Konzern über eine sehr solide wirtschaftliche Basis sowie eine außerordentlich hohe Liquiditätsposition verfügt. Mein derzeitiger Schwerpunkt liegt darauf, diese hohe Liquidität nachhaltig abzusichern, die internen Reporting-Strukturen weiter zu schärfen und sämtliche relevanten Compliance-Themen einer umfassenden Überprüfung zu unterziehen.
Vor diesem Hintergrund blicke ich mit großer Zuversicht auf die weitere Entwicklung. Zielsetzung für das laufende Geschäftsjahr ist es, die FORTEC Group bis zur voraussichtlichen Neubestellung des Vorstands zur Jahresmitte in ein stabiles und ruhiges operatives Fahrwasser zu führen.
4investors.de: Wo sehen Sie in den kommenden Monaten konkret Ihre Hauptaufgaben bei der Gesellschaft?
Christiansen: Ich sehe meine Aufgaben klar definiert in der Einbringung meiner Kapitalmarkterfahrung sowie in der Weiterentwicklung der internen und externen Kommunikation, insbesondere im Bereich Investor Relations. Dabei gilt es, mit einer offenen und transparenten Kommunikation das Investorenvertrauen nachhaltig zu stärken.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt wie bereits angesprochen in der Sicherstellung und Optimierung der Liquidität des Konzerns sowie in der Identifikation und Nutzung geeigneter Instrumente und Maßnahmen zu deren nachhaltiger Absicherung.
Darüber hinaus ist es mein Ziel, die internen Controlling- und Steuerungsprozesse weiter zu optimieren und sämtliche ESG-Themen, insbesondere im Bereich Compliance, nochmals umfassend und im Detail zu überprüfen.
4investors.de: Und wie lange werden Sie voraussichtlich auf diesem Posten bleiben? Oder werden Sie „normaler“ Vorstand bei Fortec werden?
Christiansen: Ich gehe davon aus, dass ich meine Tätigkeit bei FORTEC im Sommer bzw. Spätsommer 2026 beenden werde, sobald der neue Vorstand vollständig eingearbeitet ist. Ob darüber hinaus eine weitere Tätigkeit als Vorstand in Betracht kommt, liegt ausschließlich im Verantwortungsbereich des Aufsichtsrats.
Unabhängig davon liegt mein Fokus stets klar auf der jeweiligen Herausforderung. Diese gehe ich eng abgestimmt mit dem Aufsichtsrat sowie Herrn Ermel an, mit dem Ziel, die Gesellschaft nachhaltig und in die richtige Richtung weiterzuentwickeln.
4investors.de: Herr Ermel, kommen wir zurück auf das operative Geschäft zu sprechen: Sie wollen ihre Marketing- und Vertriebstätigkeiten in den USA verstärken. Wie weit sind Sie dabei schon fortgeschritten? Was ist für 2026 geplant?
Ermel: Wir haben unser Vertriebsteam in den USA bereits vor einigen Monaten komplett neu aufgesetzt und fokussieren uns nun auf zusätzliche Marketingaktivitäten und die weitere Digitalisierung im Marketing-Prozess. Im Jahr 2026 werden wir die Schlagfähigkeit im Bereich Online-Marketing in der Gruppe allgemein und in den USA im Besonderen weiter ausbauen. Hierzu trägt auch der Ende 2025 erfolgte Wechsel auf ein neues und modernes CRM-System bei, der u. a. sicherstellt, dass wir unsere Kunden nun noch enger und schneller über wichtige Neuigkeiten informieren können. Die weitere internationale Expansion ist ein wesentlicher Meilenstein, um die FORTEC Group auf eine stabile, globale Wachstumsbasis zu stellen..
4investors.de: Am Markt ist nicht jeder mit dem Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr 2025/2026 glücklich, insbesondere auf der Ergebnisseite waren die Erwartungen höher. Können Sie das nachvollziehen?
Ermel: Das kann ich gut nachvollziehen, auf der anderen Seite muss man sich aber auch die hohe Volatilität in der Elektronik- und Halbleiterindustrie vor Augen führen. So schnell wie das Pendel in die eine Richtung schwingt, so schnell kann es wieder zurückschlagen. Wenn man also in einer angespannten „Umsatz“-Situation zu schnell wesentliche Kosten – zum Beispiel Personalkosten – vermeintlich einspart, bezahlt man das beim nächsten Aufschwung-Zyklus doppelt und teilweise sogar dreifach, wenn man gute Mitarbeiter und über Jahre aufgebautes Wissen verliert und es nicht rechtzeitig nachbesetzen kann. Die demographische Struktur in Deutschland erschwert diese Situation zudem. In Kombination mit den Erfahrungen aus dem vergangenen Geschäftsjahr haben wir uns deshalb bewusst für eine konservative Planung entschieden.
4investors.de: FORTEC ist auch im Defence-Bereich aktiv. Was machen Sie dort genau und welche Erwartungen haben Sie an diesen Bereich in den kommenden Jahren?
Ermel: Im Bereich Leistungselektronik sind wir bereits in vielen Defence-Applikationen im Einsatz, hier ist nun die Maßgabe dieses Niveau nicht nur zu halten, sondern weiter auszubauen. Und hierfür sehen wir uns gut aufgestellt. Im Bereich Datenvisualisierung sind wir zwar noch nicht auf einem mit der Leistungselektronik vergleichbaren Niveau, aber auch dort konnten wir bereits einige interessante Defence-Projekte akquirieren. Um hier intern gleichzuziehen, setzen wir auf die erfolgreiche Arbeit unserer speziell für diesen Bereich gegründeten Kundenteams „Defence“. Generell spüren wir in diesem Bereich eine zunehmende Nachfrage und sehen gruppenübergreifend spannende Wachstumschancen.
4investors.de: 2030 wollen sie einen Umsatz von 120 Millionen Euro bis 130 Millionen Euro erwirtschaften. Die EBIT-Marge soll bei mehr als 10 Prozent liegen. Diese Erwartungen stehen weiter felsenfest?
Ermel: Ich bin mir sicher, dass der Markt deutliches Potenzial für uns bereithält. Um dieses Potenzial auch zu heben, ist neben einem stärkeren internationalen Fußabdruck auch Mut und eine strategische Investitionsbereitschaft in die Zukunft erforderlich. Wie Herr Christiansen bereits erwähnt hat, sind wir finanziell gut ausgestattet, so dass wir aus eigenen Mitteln in die Zukunft schreiten können. Die Akquisition in den Niederlanden war hierzu bereits ein wichtiger Schritt und mit dem Ausbau unserer Präsenz in Ägypten haben wir nun auch den Zugang in die wachstumsstarke arabische Region, um die hohe Umsatzabhängigkeit vom deutschen Industrie-Kunden-Segment schrittweise auf ein gesünderes Maß bringen zu können. Vor diesem Hintergrund sind die genannten Ziele zwar ambitioniert, aber durchaus realistisch – eine nachhaltige konjunkturelle Erholung vorausgesetzt.
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