Mynaric: „Wir bleiben mit Facebook im Gespräch“

Illustration eines durch Laser verbundenen Netzwerkes aus Satelliten. Mynaric bietet Laserkommunikationprodukte zum Aufbau entsprechender Netzwerke an. Bild und Copyright: Mynaric.

Illustration eines durch Laser verbundenen Netzwerkes aus Satelliten. Mynaric bietet Laserkommunikationprodukte zum Aufbau entsprechender Netzwerke an. Bild und Copyright: Mynaric.

Nachricht vom 20.07.2018 20.07.2018 (www.4investors.de) - Schon etwas länger halten sich Gerüchte, dass Facebook mit Mynaric zusammen arbeitet. Dies bestätigt Wolfram Peschko, Vorstandsvorsitzender des Unternehmens, im Interview mit der Redaktion von www.4investors.de. Der Manager ist optimistisch, dass Mynaric eine wichtige Rolle beim Aufbau von Laserkommunikationsnetzen spielen wird, an dem weltweit Konzerne wie Facebook, Google oder auch SpaceX arbeiten. Das Ziel: Internetzugang und Kommunikationsmöglichkeiten mit großen Datenmengen in jedem Winkel der Erde.


www.4investors.de: Vor wenigen Wochen hat das Medium Business Insider darüber berichtet, dass Facebook gemeinsam mit einem deutschen Zulieferer in Kalifornien auf Flugzeugen befestigte Laser eingesetzt hat, um die Möglichkeiten schneller Internetverbindungen zu testen. Über diesen Zulieferer gibt es bisher wenig offizielle Informationen. Gerüchten zufolge soll es sich dabei aber um Mynaric gehandelt haben. Stimmt das?

Peschko:
Ja, das ist richtig. Dieser Bericht bezieht sich auf eine wissenschaftliche Publikation, die im Februar 2017 über die erfolgreichen Tests von Facebook in Kooperation mit Mynaric veröffentlicht wurden. Wir führen solche Produktdemonstrationen laufend mit unseren Kunden durch, um die Leistungsfähigkeit unserer Produkte zu demonstrieren. Da es sich um eine neue Kommunikationstechnologie handelt, möchten viele Kunden die Technologie im Einsatz sehen, bevor sie diese in den operativen Betrieb überführen.

www.4investors.de: Was wurde genau getestet?

Peschko:
Getestet wurde eine laserbasierte Luft-zu-Boden-Kommunikation, welche zukünftig für fliegende Netzwerke aus autonomen Drohnen genutzt werden soll. Dabei ging es um die kabellose Datenübertragung zwischen einem Flugzeug und einer Bodenstation mit einer Geschwindigkeit von zehn Gigabit pro Sekunde, was etwa dem parallelen Streaming von 2000 HD-Videos entspricht. Wir konnten zeigen, dass wir diese extrem hohen Datenraten beherrschen und - noch wichtiger – während des Flugs aufrechterhalten können. Dies ist durch die auftretenden Vibrationen und thermische Belastungen eine echte Herausforderung. Wir konnten zudem zeigen, dass unsere Systeme kurze Signalunterbrechungen, die zum Beispiel durch atmosphärische Turbulenzen auftreten, ausgleichen können. Im Gesamtpaket kann das so nach unseren Informationen weltweit keine andere Firma liefern.

www.4investors.de: Facebook hat angekündigt, im Rahmen dieses Projekts kein eigenes Flugzeug bauen zu wollen. Wie geht es mit diesen Tests nun weiter? Brauchen Sie dafür zusätzliche Partner?

Peschko:
Facebook hat das Projekt initiiert, um mittels fliegenden Netzwerken, basierend auf Drohnen, Menschen in abgelegenen Regionen kosteneffizient aus der Luft einen Zugang zum Internet zu ermöglichen. Rund drei Milliarden Menschen haben keinen Zugang zum Internet. Anfänglich hat Facebook hier im Rahmen des Projekts Aquila versucht eine eigene Drohne zu entwickeln. Nun hat Facebook angekündigt, nicht selbst die Drohnen zu entwickeln und zu bauen und stattdessen mit Partnern zusammenzuarbeiten, um diese fliegenden Netzwerke aufzubauen. Facebook hat offensichtlich festgestellt, dass dies in Eigenregie zu komplex und kostenintensiv ist. Die geplanten fliegenden Netzwerke bestehen künftig aus Flugkörpern verschiedenster Art, die in unterschiedlichen Höhen untereinander kommunizieren. So transportieren sie Daten mittels Laserstrahlen über große Entfernungen, beispielsweise zwischen Satelliten und Bodenstationen, auf die Erde. Die Laserkommunikation ist eine Kerntechnologie für ein solch fliegendes Netzwerk, da es quasi die Datenautobahnen darstellt, um die großen Datenmengen zu bewältigen. Den drei Milliarden unverbundenen Menschen könnte damit der Zugang zum Internet ermöglicht werden. Wir bleiben mit Facebook darüber im Gespräch, wie unsere Produkte dazu beitragen können.

www.4investors.de: Welche Perspektiven sehen Sie bei der Kooperation mit Facebook?

Peschko:
Perspektiven gibt es viele. Wie gesagt, wir sind weiterhin in Gesprächen mit Facebook und auch anderen internationalen Konzernen, gerade weil die Laserkommunikation für den Aufbau von fliegenden Netzwerken eine Kerntechnologie darstellt. Weitere Details dazu darf ich Ihnen nicht nennen.

www.4investors.de: Wie ist die Zusammenarbeit mit Facebook entstanden, warum sucht eine Größe aus dem Silicon Valley einen Partner in Gilching?

Peschko:
Die Zahl der Marktteilnehmer in der Laserkommunikation für solche Anwendungen ist international sehr beschränkt. Für diese Art von Projekten bedarf es sehr viel Know-how und Erfahrung. Trotzdem ist es für uns selbstverständlich ein Ritterschlag, wenn ein Unternehmen wie Facebook mit uns zusammenarbeitet. Ausschlaggebend war sicherlich unsere mehr als 20-jährige Erfahrung mit der Laserkommunikation von Flugobjekten. Die Gründer von Mynaric kommen vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und haben die Technologie bereits dort über viele Jahre vorangetrieben.

www.4investors.de: Schon im Februar 2018 hat ein Fachmagazin über die Tests berichtet. Seitdem herrscht Schweigen. Wieso gibt es diese Zurückhaltung?

Peschko:
Wir bewegen uns in einer Branche, für die Verschwiegenheit sehr wichtig ist. Dabei geht es natürlich um den Wettbewerb in diesem Milliardenmarkt der Telekommunikation. Daher halten auch wir uns mit der Nennung der Namen unserer Kunden zurück. Klar ist, dass große internationale Konzerne an entsprechenden Kommunikationsnetzwerken über den Wolken arbeiten. Die meisten dieser Konzerne halten sich aber in der Kommunikation entsprechender Fortschritte bisher zurück.

www.4investors.de: Könnte Mynaric zum Übernahmekandidaten für Facebook werden?

Peschko:
Nein, derzeit nicht. Unsere Unabhängigkeit ist uns sehr wichtig und die Aktien liegen nur zu 33 Prozent im Streubesitz. Unser und das Ziel unserer Kunden ist es, eine neue Art der Breitbandkommunikation zu etablieren. Diese soll durch Netzwerke in der Luft und im Weltall ermöglicht werden. Dazu produzieren wir Laserterminals, welche als Äquivalent zum Glasfaserkabel in der Luft die benötigten Datenautobahnen darstellen. Wir wollen dabei mit vielen Partnern kooperieren.

www.4investors.de: Angeblich stehen Sie auch mit Google und SpaceX in Kontakt. Stimmt das?

Peschko:
Wie gesagt, arbeiten eine ganze Reihe von Konzernen wie Google, Facebook und SpaceX aber auch viele andere, die weniger bekannt sind, an entsprechenden laser-basierten Kommunikationsnetzwerken. Bitte haben Sie aber Verständnis dafür, dass wir uns zu Namen bestehender oder potenzieller Kunden nicht äußern können. Aber gerade weil es sich bei der Laserkommunikation um eine Kerntechnologie handelt und wir unsere Produkte explizit für den Aufbau von Netzwerken entwickeln, sind wir natürlich für alle Unternehmen ein interessanter Geschäftspartner, die ein Datenübertragungsnetzwerk in der Luft oder im Weltall anstreben.

www.4investors.de: Was könnten Sie im Fall der Fälle Google und vor allem auch SpaceX anbieten?

Peschko:
Google arbeitet mit seinem Unternehmen Loon an Ballons, die via Handynetz Internet in schwer zugängliche Gebiete bringen, wie beispielsweise nach dem Hurrikan auf Puerto Rico. SpaceX hingegen möchte zum Zweck der Internetanbindung ein eigenes Netzwerk aus vielen tausend Satelliten in die Erdumlaufbahn bringen. Beide Unternehmen haben unterschiedliche Ansätze, verfolgen aber das gleiche Ziel: Das Internet in alle Winkel der Welt zu bringen.

Für beide Szenarien bietet unser Produktportfolio Lösungen an. Unsere Luft-Terminals ermöglichen Laserkommunikation mit Übertragungsraten von aktuell bis zu 10 Gigabit pro Sekunde zwischen Flugzeugen, Ballons, Drohnen oder anderen unbemannten Fluggeräten und dem Boden. Unsere Terminals für Satelliten ermöglichen Laserkommunikation ebenfalls mit Übertragungsraten von aktuell bis zu 10 Gigabit pro Sekunde zwischen Satelliten über Entfernungen von bis zu 4.500 km. Das entsprechende Produkt für Satellitennetzwerke ist aktuell noch in Entwicklung und soll 2019 fertiggestellt werden. Wir gehen davon aus, dass wir damit als erstes Unternehmen weltweit ein marktreifes Produkt für Satellitennetzwerke anbieten werden können.

Wir konzentrieren uns auf standardisierte Produkte für die Laserkommunikation. Mit unseren Produkten differenzieren wir uns von anderen Unternehmen durch einen Fokus auf den industriellen Aufbau von Netzwerken, die entsprechende Produkte in großer Stückzahl benötigen. So können wir ein attraktives Preis-Leistungsverhältnis anbieten, das Mynaric nicht nur für Facebook, Google und SpaceX, sondern auch für andere Unternehmen in diesem Wachstumsmarkt attraktiv macht.






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