Daimler, VW und Co.: Nach sieben fetten nun sieben magere Jahre? - Commerzbank Kolumne

Bild und Copyright: janon kas / shutterstock.com.

Bild und Copyright: janon kas / shutterstock.com.

Nachricht vom 06.07.2018 06.07.2018 (www.4investors.de) - Die Daimler-Gewinnwarnung hat viele Investoren aufgeschreckt, sie war fast schon eine Zusammenfassung der Herausforderungen in der Autoindustrie. Um ein paar zu nennen: Die Nachwirkungen der Dieselskandale, die Probleme bei der WLTP-Zertifizierung, die bereits beschlossenen und noch drohenden Importzollerhöhungen, steigende Zinsen (schlecht für das Autofinanzierungsgeschäft), mögliche Kartellstrafen, Anstieg der Incentives, rigidere Umweltauflagen usw. Eine der größten Belastungen entwickelt seine Wirkung aber erst jetzt zunehmend: die Investitionen in neue Antriebssysteme, insbesondere in die Elektromobilität. Elektroautos mögen gut für die CO2-Bilanz eines Autoherstellers sein, aber weniger für dessen Konzern-Bilanz. Auch die weiteren technologischen Umwälzungen wie beispielsweise autonomes Fahren, connectivity, shared mobility etc. werden die Branche massiv verändern. Nach sieben fetten Jahren könnte das Wachstum in vielen Absatzmärkten zudem abebben, wodurch sich der Preisdruck verschärfen dürfte. Was gut für den Autokäufer sein mag, wird sich negativ auf die Autoproduzenten auswirken. Es müssen nicht zwangsläufig sieben magere Jahre folgen, aber die mittelfristigen Aussichten sind derzeit eher verhalten. All dies drückt auf das Sentiment der Autobauer- und Zulieferer-Aktien. Positiv lässt sich immerhin festhalten, dass ein Großteil der Belastungen mittlerweile durchaus in den niedrigen Bewertungen reflektiert wird. Nach den heftigen Kursverlusten bei einigen Titeln wären Gegenreaktionen nicht unwahrscheinlich, schon eine Entspannung bei einem der Handelskonflikte würde eine Erleichterungsrally auslösen. Zudem gibt es bei ausgewählten Einzelwerten auch durchaus längerfristige Chancen. In der Summe bleiben wir für den Sektor jedoch zunächst weiterhin vorsichtig und bestätigen unser Votum „Untergewichen“.

Anleihen


Deutschland: Industrieproduktion (Mai), 8:00 Uhr
USA: Handelsbilanz (Mai), 14:30 Uhr
USA: Arbeitsmarktbericht (Juni), 14:30 Uhr

Trotz der ungewöhnlich zahlreichen Brückentage und der Pfingstferien in Nordrhein-Westfalen konnte die deutsche Industrie einen kräftigen Zuwachs der Bestellungen um 2,6% gegenüber April verbuchen. Zudem wurde der Rückgang im April nach unten revidiert – von -2,6% auf -1,6%. Auch die Produktion erhöhte sich im Mai mit 2,6% gegenüber April deutlich kräftiger als erwartet. In der Summe sprechen die Daten dafür, dass sich die Konjunktur in Deutschland in der zweiten Jahreshälfte nicht weiter abschwächt sondern der Aufschwung – nach der Abkühlung im Frühjahr – fortsetzen wird. In den USA lieferte der ADP-Beschäftigungsbericht eine Indikation für den Stellenzuwachs im Juni. Mit 177.000 Stellen war der Zuwachs etwas schwächer als im Mai (189.000). Dies spricht dafür, dass auch der amtliche Arbeitsmarktbericht, der heute veröffentlicht wird, etwas schwächer ausfallen und nach den starken Maidaten (223.000 Stellen) einen Zuwachs unter 200.000 zeigen dürfte. Insgesamt ergeben die Arbeitsmarktindikatoren folgendes Bild: Der Beschäftigungsaufbau setzt sich fort, die Arbeitslosenquote sinkt weiter und die Dynamik hat sich gegenüber 2017 sogar etwas erhöht. So lag der gleitende 6-Monatsdurchschnitt im letzten September bei 160.000 und liegt jetzt bei 195.000 Stellen. Auch der ISM-Index für den Dienstleistungsbereich kletterte gestern weiter nach oben und lag selten höher als die aktuell erreichten 59,1 Punkte. Die Komponente Auftragseingänge legte den dritten Monat in Folge zu und stieg auf 63,2 Punkte. Angesichts der starken US-Konjunkturdaten dürfte allmählich eine Diskussion darüber aufkommen, ob eine konjunkturelle Überhitzung droht. Mit den Renditen ging es gestern aber im Tagesverlauf nach unten.

Aktien


Heute keine relevanten Unternehmenstermine

Trotz der relativ schwachen Vorgaben aus Asien präsentierten sich die europäischen Aktienmärkte am gestrigen Handelstag in einem recht freundlichen Licht. Die Leitindizes stiegen um bis zu 1,2% (Deutschland). Damit hat sich die leichte Erholung der Vortage fortgesetzt. „Highflyer“ waren gestern insbesondere Automobilwerte wie Volkswagen (+4,1%), Daimler (+3,8%) oder BMW (+3,7%). Sie profitierten vor allem von der Hoffnung, dass sich der Handelsstreit zwischen den USA und China/Europa nicht auch noch auf Autozölle ausweitet. Laut einer Zeitungsmeldung habe der US-Botschafter in Deutschland erklärt, dass die USA zu einem kompletten Verzicht auf Autozölle bereit seien, wenn auch Europa darauf verzichte. Im Zuge dieser Nachricht legten auch Aktien von Automobilzulieferern wie bspw. Leoni (+3,3%) oder Hella (+2,8%) zu, die zuletzt spürbar unter dem Handelskonflikt gelitten hatten. Im Dax (+1,2%) waren auch Bankaktien gefragt, die einen Teil ihrer Tagesgewinne aber wieder abgeben mussten, nachdem die Rendite für die 10jährige deutsche Staatsanleihe im Tagesverlauf wieder kräftig nachgab. Auf europäischer Sektorenebene führten am gestrigen Tag mit großem Abstand Automobilwerte die Gewinnerliste an; sie stiegen im Schnitt um 3,4%. Die deutlichsten Verluste wies demgegenüber der Bereich Haushaltsgüter auf, dessen Indexmitglieder im Schnitt um 0,8% einbüßten. Nach der feiertagsbedingten Pause am Mittwoch tendierten die Börsen in den USA am Donnerstag freundlich. Der Dow Jones-Index gewann 1,2%. Wieder einmal führten vor allem IT-Werte den Kursaufschwung an; sie stiegen als Tagessieger im Schnitt um 1,5%. Dagegen verloren Energieaktien durchschnittlich 0,2%. Die Börsen in Asien tendierten zum Wochenschluss nach einem schwächeren Start mehrheitlich freundlicher. Vor allem die zuletzt arg gebeutelten Aktien in China und Hongkong konnten sich etwas erholen.

Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der Commerzbank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

(Werbung)



  Anmelden Abmelden -
Bestätigungslink nicht per Mail bekommen? Bitte kontrollieren Sie Ihren Spamordner und fügen Sie mail@4investors.de zu ihrem E-Mail Adressbuch hinzu! So erhalten Sie jederzeit ihren gewünschten 4investors Newsletter. Wir speichern ihre Mailadresse ausschließlich zum Versand des Newsletters und geben diese nicht weiter! Sie können den Newsletter jederzeit abbestellen. Bitte beachten Sie unsere Datenschutzerklärung.



Aktie: Daimler
WKN: 710000
ISIN: DE0007100000
Aktienindex: DAX
Homepage: http://www.daimler.com/
Branche: Automobilbau und Verkehr




Weitere Nachrichten aus der 4investors-Redaktion

25.09.2018 - FinLab-Fonds steigt bei Instaffo ein
25.09.2018 - SFC Energy und Oneberry bringen neuen Roboter auf den Markt
25.09.2018 - Grammer: Vorstände kündigen Rücktritt an
25.09.2018 - Deutsche Bank Aktie: Achtung, Trendentscheid!
25.09.2018 - Evotec Aktie in der Bredouille - kommt der Befreiungsschlag?
25.09.2018 - Paion Aktie: Kommt eine neue Erholungsrallye?
25.09.2018 - Geely und BYD: Volle Deckung oder hohes Kurspotenzial bei den Aktien?
25.09.2018 - Commerzbank Aktie: Rückt die Fusion mit der Deutschen Bank näher?
25.09.2018 - Datagroup Aktie: Achtung, Kursrallye voraus?
24.09.2018 - mic: Schulden werden abgebaut


Chartanalysen

25.09.2018 - Deutsche Bank Aktie: Achtung, Trendentscheid!
25.09.2018 - Evotec Aktie in der Bredouille - kommt der Befreiungsschlag?
25.09.2018 - Paion Aktie: Kommt eine neue Erholungsrallye?
25.09.2018 - Geely und BYD: Volle Deckung oder hohes Kurspotenzial bei den Aktien?
25.09.2018 - Commerzbank Aktie: Rückt die Fusion mit der Deutschen Bank näher?
25.09.2018 - Datagroup Aktie: Achtung, Kursrallye voraus?
24.09.2018 - Commerzbank Aktie: Showdown um den Trend?
24.09.2018 - Singulus Aktie: Großes Kaufsignal voraus?
24.09.2018 - Evotec Aktie: Ein Lichtblick! Aber…
24.09.2018 - Wirecard Aktie: Enttäuschende DAX-Premiere?


Analystenschätzungen

25.09.2018 - Tesla: Eine klare Zurückhaltung
24.09.2018 - Geely: Fast ein Verdoppler
24.09.2018 - BYD: Neue Spekulationen
24.09.2018 - Commerzbank: Keine Phantasie für den Kurs
24.09.2018 - Deutsche Bank: Was für eine Bewertung
24.09.2018 - RWE: Neue Impulse
24.09.2018 - E.On liegt hinter RWE
24.09.2018 - FinLab: Heliad beeinflusst das Modell
24.09.2018 - Softline: Klarer Wachstumskurs
24.09.2018 - M1 Kliniken: Neues Kursziel nach der Kapitalerhöhung


Kolumnen

25.09.2018 - In Deutschland bleibt das Ifo-Geschäftsklima stabil auf hohem Niveau - Commerzbank Kolumne
24.09.2018 - ifo-Geschäftsklimaindex: Unternehmen bleiben trotz aller Drohkulissen gelassen - Nord LB Kolumne
24.09.2018 - ifo-Geschäftsklimaindex gibt im September nur marginal nach - VP Bank Kolumne
24.09.2018 - Facebook: Aufwärtstrend in Gefahr - UBS Kolumne
24.09.2018 - DAX: Erholungspotenzial bald erschöpft? - UBS Kolumne
24.09.2018 - DAX zurück im Aufwärtstrend: Konsolidierung zum Wochenstart - Donner + Reuschel Kolumne
21.09.2018 - Gold: Richtungsentscheidung steht bevor - UBS Kolumne
21.09.2018 - DAX: Erholungspotenzial bald erschöpft? - UBS Kolumne
21.09.2018 - Türkische Börse nach Zinsentscheid leicht erholt - Commerzbank Kolumne
21.09.2018 - DAX zurück im Aufwärtstrend: EUREX-Verfall kann für Vola sorgen - Donner + Reuschel Kolumne

All Right Reserved by minimalthemes - ©2018 Stoffels & Barck GbR