Türkei: Vorgezogene Neuwahlen sorgen nur kurzfristig für Erholung - Commerzbank Kolumne

Bild und Copyright: hazartaha / shutterstock.com

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Nachricht vom 25.04.2018 25.04.2018 (www.4investors.de) - Die eigentlich für den 3. November 2019 vorgesehenen Wahlen (Parlament und Präsident) in der Türkei werden nun auf den 24. Juni 2018 vorgezogen. Erdogan begründete dies unter anderem mit der Situation in den Nachbarländern Irak und Syrien sowie der Notwendigkeit, wichtige wirtschaftspolitische Entscheidungen treffen zu können. Die türkische Lira, die seit vielen Wochen stark unter Druck steht, wertete am Tag der Bekanntgabe von vorgezogenen Neuwahlen gegenüber dem USD um rd. 2% auf. In den folgenden drei Handelstagen gab die türkische Währung die Gewinne aber wieder ab (-7,7% ggü. dem USD seit Jahresbeginn). Auch der Leitindex (BIST 100) legte am 18. April 2018 um mehr als 3% zu, bevor er ebenfalls die Gewinne wieder einbüßte (-3,8% seit Jahresbeginn, per 24. April). Wir bestätigen unser neutrales Votum für den Aktienmarkt in der Türkei. Positiv stimmen das nach wie vor robuste Wachstum (BIP-Prognose 2018: +5,4% J/J) sowie die vergleichsweise günstige Bewertung des Aktienmarktes (KGV 2018e: 9; 2019e: 6,6). Nachteilig sind vor allem die sehr hohe Inflation (März: 10,2% J/J) sowie das hohe Leistungsbilanzdefizit (5,6% des BIP in Q4 2017), das zudem recht kurzfristig finanziert ist. Die Notenbank müsste eigentlich den Leitzins deutlich anheben, was aber vor allem aus politischen Gründen bislang unterbleibt. Das stößt vielen Anlegern seit längerer Zeit bitter auf, weshalb sie die Währung tendenziell meiden. Zudem ist der Aufschwung infolge von Konjunktur- und Kreditprogrammen sowie zu niedriger Zinsen recht teuer erkauft. Nach der wahrscheinlichen Wiederwahl Erdogans wäre es daher wichtig, dass die Verantwortlichen in der Regierung und in der Zentralbank eine wieder restriktivere Geld- und Konjunkturpolitik implementieren.

Anleihen


Japan: Index zur wirtschaftl. Aktivität (Feb.), 6:30 Uhr
USA: Hypothekenanträge (bis 20. April), 13:00 Uhr

Der drohende Handelskonflikt, der starke Euro, flaues Wachstum in China, steigende Ölpreise – vor diesen Hintergrund war zu befürchten, dass der Ifo-Index weiter nachgeben würde. Tatsächlich fiel der neue Ifo-Geschäftsklimaindex Deutschland von 103,2 auf 102,1 Punkte im April. Es war damit der fünfte Rückgang in Folge und er war deutlich stärker als erwartet. Allerdings war die Prognose mit einigen Schwierigkeiten verbunden, schließlich bildet der Index jetzt auch den Dienstleistungssektor ab und das Basisjahr wurde von 2005=100 auf 2015=100 verschoben. Da der alte Index 2015 deutlich über 100 lag, verschiebt das neue Basisjahr die gesamte Indexreihe nach unten. Der Index-Verlauf signalisiert eine konjunkturelle Delle. Auch die realwirtschaftlichen Daten lassen erwarten, dass die Produktion in Deutschland im ersten Quartal 2018 weniger stark als im vierten Quartal 2017 gewachsen ist (+0,6% zum Vorquartal). Konjunkturelle Dellen in Aufschwungphasen sind aber nicht ungewöhnlich. Nach den Berechnungen des Ifo-Institutes lag der neue Index seit 2005 nur in wenigen Monaten über dem aktuellen Niveau. Mithin deutet alles darauf hin, dass sich der Aufschwung auch in Deutschland fortsetzt, aber wohl mit etwas weniger Tempo als Ende 2017. Die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen sprangen in den letzten 24 Stunden zweimal über die Schwelle von 3%. Der anhaltende Aufschwung und der jüngste Ölpreisanstieg haben sicherlich zu dem kräftigen Renditeanstieg der letzten drei Wochen beigetragen. Auch die Verbraucherstimmung befindet sich nach den Umfragedaten des Conference Board auf einem hohen Niveau. Das spricht dafür, dass sich das im letzten Quartal eher schwache Konsumwachstum derzeit wieder etwas beschleunigt. Vor dem Hintergrund der extrem positiven US-Arbeitsmarktdaten ist dies sehr plausibel.

Aktien


Air Liquide, AT&T, Umsatz/Ergebnis Q1
Boeing, Credit Suisse, Ergebnis Q1
Deutsche Börse, Ebay, Ergebnis Q1
Facebook, Ford, Ergebnis Q1
GlaxoSmithKline, Klöckner & Co., Ergebnis Q1
Linde, Telefónica Deutschland, Ergebnis Q1
Visa, Ergebnis Q2

Die europäischen Aktienmärkte tendierten gestern in einem vergleichsweise ruhigen Handel uneinheitlich. Die Leitindizes stiegen um bis zu 0,7% (Österreich); Tagesverlierer war der spanische Ibex-Index (-0,4%). Der Euro zeigte sich zum US-Dollar nur wenig verändert. Auch bei der 10jährigen deutschen Bundesanleihe, deren Rendite jüngst wieder deutlich angestiegen war, herrschte Ruhe vor. Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel schwächer als erwartet aus und sorgte damit für etwas Gegenwind. Tagesgewinner im Dax (-0,2%) war die Aktie der Deutschen Bank mit einem Aufschlag von 4,2%. Vor Bekanntgabe der Quartalszahlen am Donnerstag spekulieren offenbar einige Anleger auf positive Nachrichten, vor allem in Bezug auf die vom neuen Chef Sewing angekündigten „harten Entscheidungen“. Die Aktie von SAP (+3,5%) profitierte v.a. von stärker als erwartet steigenden Erlösen im laufenden Geschäftsjahr. Auf europäischer Sektorenebene waren gestern insbesondere Öl- & Gaswerte gefragt, die im Schnitt um 1,2% kletterten. Unter Druck standen dagegen vor allem Titel aus dem Bereich Reise & Freizeit, die durchschnittlich um 1,2% nachgaben. Die Börsen in den USA tendierten gestern infolge steigender Renditen sowie enttäuschender Ergebnisausblicke schwach. Der Dow Jones-Index fiel um 1,7%. Auf Sektorenebene (S&P 500) waren insbesondere Telekomwerte gesucht (+1,2%). Die größten Verluste verzeichneten Industrietitel (-2,8%). Die Börsen in Asien tendierten nach den enttäuschenden US-Vorgaben schwächer. Der Nikkei 225-Index verlor 0,3%.

Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der Commerzbank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!



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Aktie: DAX
WKN: 846900
ISIN: DE0008469008
Branche: Der Deutsche Aktienindex, kurz DAX, ist der wichtigste Index des Frankfurter Aktienmarktes. Der Index besteht aus 30 Aktien. Der Index wurde 1988 an der deutschen Börse als maßgebliches Marktbarometer eingeführt und ist Basiswert für viele Derivate, zum Beispiel im Bereich der Zertifikate und Optionsscheine. Der Startwert des Index geht auf das Jahresende 1987 zurück und ist mit 1.000 Punkten festgesetzt worden. Die wichtigste Form der Berechnung des DAX ist die als Performanceindex, von diesem ist in der Regel in den Medien die Rede, wenn es um den DAX geht. Neben den Kursveränderungen der jeweiligen Aktien werden bei einem Performanceindex zum Beispiel auch Ausschüttungen wie die Dividende berücksichtigt. Die exakte Zusammensetzung des DAX ist immer wieder Änderungen unterworfen. Für die Aufnahme einer Aktie in den DAX ist die Marktkapitalisierung des Streubesitzes sowie der Umsatz der jeweiligen Aktie maßgeblich. Die Zusammensetzung wird alle drei Monate durch den Arbeitskreis Indizes der Deutschen Börse überprüft. Zudem kann es außerhalb des üblichen Turnus Änderungen geben, wenn sich eine nicht im DAX vorhandene Aktie sowohl bei der Marktkapitalisierung des Streubesitzes als auch dem Umsatz unter den Top 25 befindet – die sogenannte Fast-Entry-Regel. Unternehmen, die in den Index aufgenommen werden, müssen unter anderem im Prime Standard des Frankfurter Aktienmarktes notiert sein. Beim Streubesitz gibt es eine Mindestschwelle von 10 Prozent. Im DAX enthalten sind also die umsatzstarken Aktien großer Unternehmen. Beispiele hierfür sind Allianz, Bayer, Commerzbank, Daimler, Deutsche Bank, Deutsche Telekom, SAP, Siemens und Volkswagen. Ihre Gewichtung im Index ist unterschiedlich hoch und berechnet sich nach der Marktkapitalisierung des jeweiligen Unternehmens, basierend auf dem Streubesitz. Die DAX-Kurse werden während des XETRA-Handels auf Basis der Kurse der im Index enthaltenen Aktien berechnet. Vor und nach dem XETRA-Handel werden von der Deutschen Börse AG der Early DAX und der Late DAX berechnet.




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