Jamaika gescheitert – was sind die Folgen für Kapitalmärkte und Wirtschaft - Commerzbank Kolumne

Bild und Copyright: Teodor Ostojic / shutterstock.com.

Bild und Copyright: Teodor Ostojic / shutterstock.com.

Nachricht vom 21.11.2017 21.11.2017 (www.4investors.de) - Überraschend sind die Sondierungsgespräche für eine Jamaika-Koalition aus CDU/CSU, FDP und den Grünen in der Nacht zum Montag von der FDP abgebrochen worden. Jetzt stellt sich die Frage: Wie geht es weiter? Möglich sind immer noch 1.) die Bildung einer großen Koalition, dazu müsste die SPD aber eine Kehrtwende hinlegen, 2.) die Bildung einer Minderheitsregierung oder 3.) Neuwahlen. Ziemlich unwahrscheinlich, aber möglich wäre es, dass die FDP an den Verhandlungstisch zurückkehrt. Man kann es drehen und wenden wie man will, das Wahrscheinlichste aus heutiger Sicht sind Neuwahlen. Was sind die Folgen für die deutschen Wirtschaft und die Kapitalmärkte? Die Marktbewegungen zu Wochenbeginn waren überschaubar: Die europäischen Aktienmärkte, allen voran der Dax-Index, eröffneten schwächer, erholten sich im Tagesverlauf aber. Der Euro sackte von 1,18 USD auf fast 1,172 USD kurzzeitig ab, holte den Kursverlust aber schon am frühen Vormittag wieder auf. Die Unsicherheit ist jetzt groß. Merkel hatte nach der Wahl Emmanuel Macrons zum französischen Präsidenten Unterstützung für seine Pläne einer Vertiefung der Integration der EU signalisiert. Eine Jamaika-Koalition wäre aufgrund der FDP wahrscheinlich abweisender mit den Integrationsbestrebungen umgegangen. Jetzt wird eine Regierungsbeteiligung der FDP unwahrscheinlicher, was den Euro unterstützen könnte. Die Folgen für die deutsche Wirtschaft halten sich in Grenzen, denn sie befindet sich in einer ungewöhnlich robusten Verfassung. Ihre Wettbewerbsfähigkeit ist hoch und die expansive Geldpolitik der EZB facht die Nachfrage an. Zuletzt sind insbesondere die Ausrüstungsinvestitionen wieder deutlich angestiegen. Man kann in diesem Umfeld nicht davon ausgehen, dass Investitionen wegen der Unsicherheit in der Politik zurückgefahren werden.

Anleihen


USA: Verkäufe bestehender Häuser (Okt.), 16:00 Uhr

Der Abbruch der Koalitionsverhandlungen zwischen CDU, CSU, FDP und Grünen führte nur zur Börseneröffnung zu steigenden Kursen bei Bundesanleihen. Da gestern keine marktrelevanten Daten anstanden, fehlten dem Markt die Impulse für weitere Kursänderungen. Der Euro tendierte gegenüber dem US-Dollar schwächer und verlor im Vergleich zum Freitagsschluss fast einen Cent. Wie sieht die politische Lage in Deutschland nun aus? Acht Wochen nach der Bundestagswahl ist es unklar, wie es weitergeht. Sofern die SPD nicht doch noch für eine sogenannte Große Koalition zur Verfügung steht, wäre eine Minderheitsregierung unter Führung Angela Merkels möglich. Dabei scheint die Nähe zwischen Grünen und CDU aktuell größer zu sein als zwischen CDU und FDP. Sollte weder eine Große Koalition noch eine Minderheitsregierung zu Stande kommen, bliebe als letzte Möglichkeit eine Neuwahl. Was bedeutet diese Situation für die Märkte? Falls sich eine positive Interpretation der politischen Lage durchsetzt und sich die Märkte bewusst machen, wie gut es um die deutsche Wirtschaft aktuell bestellt ist, müssten die kommenden Tage Entspannung bringen. Dies spräche für fallende Kurse bei Bundesanleihen und engere Risikoaufschläge bei Anleihen der Europeripherie. Denn eines zeichnet sich ab: Die FDP wird wohl keinen Einfluss auf eine Regierung mehr haben, solange es nicht zu Neuwahlen kommt. Für den Euro und die Europapolitik spricht dies für eine schleichende Vergemeinschaftung von Schulden und Risiken sowie mehr staatsgelenkte Investitionspolitik – ganz im Sinne von SPD und Grünen und natürlich vieler Südeuropäer und auch Frankreichs. Damit dürften zumindest bei Emmanuel Macron letzte Nacht die Champagnerkorken geknallt haben, äußerte er sich doch vor der Bundestagswahl wie folgt: „Wenn Angela Merkel sich mit den Liberalen verbündet, bin ich tot“.

Aktien


Hewlett Packard, Ergebnis Q4
Enel, Capital Markets Day
Innogy, Investorentag
Munich Re, Investorentag
Rheinmetall, Kapitalmarkttag (bis 22.11.)

Die europäischen Aktienbörsen haben sich zum Wochenauftakt von den gescheiterten Sondierungsgesprächen über eine Jamaika-Koalition in Deutschland nur kurzzeitig bremsen lassen. Vor allem am Nachmittag sorgte ein schwächerer Eurokurs für Unterstützung und somit dafür, dass ein erneuter Erholungsversuch gestartet werden konnte. Im deutschen Leitindex Dax 30 blieben letztendlich die Auswirkungen der Hängepartie in Berlin begrenzt. Mit an der Spitze der Kursliste standen die Aktien des Versorgers RWE (+2,8%), der somit die zuletzt belastenden Sorgen um einen früheren Braunkohleausstieg abstreifen konnte. Ein Potpourri an Nachrichten verhalf den Aktien von ProSiebenSat1 (+3,2%) zu einem Kurssprung. Spekulationen um eine Übernahme, die künftige Demission des langjährigen Konzernchefs Ebeling sowie eine Kaufempfehlung waren die Kurstreiber. Noch stärker entwickelten sich die Vorzugsaktien von VW (+4,2%) nachdem auf einer Analystenveranstaltung neue Finanz- und Dividendenzeile vorgestellt worden waren. Im EUROSTOXX 50 gaben nur Versicherungen (-0,4%) und Banken (-0,2%) leicht nach, während vor allem Automobile (+1,4%) und Baustoffe (+1,1%) fester tendierten. Im Schweizer Handel stachen die Aktien von Roche (+5,4%) hervor, nachdem der Pharmakonzern Erfolge bei klinischen Studien bekannt gegeben hatte. An der Wall Street sorgten positive Konjunkturdaten und der Konsolidierungsprozess im Halbleiterbereich dafür, dass die Anleger zuversichtlich blieben. Vor allem Telekommunikationstitel (+1,0%) konnten sich wieder etwas erholen An den asiatischen Börsen konnte sich die Erholung verstärkt fortsetzen, vor allem Finanzwerte standen dabei im Fokus.

Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der Commerzbank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

Aktueller Aktienkurs und interaktive Chart-Tools für die DAX Aktie: Hier klicken!!
(Werbung)



  Anmelden Abmelden -
Bestätigungslink nicht per Mail bekommen? Bitte kontrollieren Sie Ihren Spamordner und fügen Sie mail@4investors.de zu ihrem E-Mail Adressbuch hinzu! So erhalten Sie jederzeit ihren gewünschten 4investors Newsletter. Wir speichern ihre Mailadresse ausschließlich zum Versand des Newsletters und geben diese nicht weiter! Sie können den Newsletter jederzeit abbestellen. Bitte beachten Sie unsere Datenschutzerklärung.



Aktie: DAX
WKN: 846900
ISIN: DE0008469008
Branche: Der Deutsche Aktienindex, kurz DAX, ist der wichtigste Index des Frankfurter Aktienmarktes. Der Index besteht aus 30 Aktien. Der Index wurde 1988 an der deutschen Börse als maßgebliches Marktbarometer eingeführt und ist Basiswert für viele Derivate, zum Beispiel im Bereich der Zertifikate und Optionsscheine. Der Startwert des Index geht auf das Jahresende 1987 zurück und ist mit 1.000 Punkten festgesetzt worden. Die wichtigste Form der Berechnung des DAX ist die als Performanceindex, von diesem ist in der Regel in den Medien die Rede, wenn es um den DAX geht. Neben den Kursveränderungen der jeweiligen Aktien werden bei einem Performanceindex zum Beispiel auch Ausschüttungen wie die Dividende berücksichtigt. Die exakte Zusammensetzung des DAX ist immer wieder Änderungen unterworfen. Für die Aufnahme einer Aktie in den DAX ist die Marktkapitalisierung des Streubesitzes sowie der Umsatz der jeweiligen Aktie maßgeblich. Die Zusammensetzung wird alle drei Monate durch den Arbeitskreis Indizes der Deutschen Börse überprüft. Zudem kann es außerhalb des üblichen Turnus Änderungen geben, wenn sich eine nicht im DAX vorhandene Aktie sowohl bei der Marktkapitalisierung des Streubesitzes als auch dem Umsatz unter den Top 25 befindet – die sogenannte Fast-Entry-Regel. Unternehmen, die in den Index aufgenommen werden, müssen unter anderem im Prime Standard des Frankfurter Aktienmarktes notiert sein. Beim Streubesitz gibt es eine Mindestschwelle von 10 Prozent. Im DAX enthalten sind also die umsatzstarken Aktien großer Unternehmen. Beispiele hierfür sind Allianz, Bayer, Commerzbank, Daimler, Deutsche Bank, Deutsche Telekom, SAP, Siemens und Volkswagen. Ihre Gewichtung im Index ist unterschiedlich hoch und berechnet sich nach der Marktkapitalisierung des jeweiligen Unternehmens, basierend auf dem Streubesitz. Die DAX-Kurse werden während des XETRA-Handels auf Basis der Kurse der im Index enthaltenen Aktien berechnet. Vor und nach dem XETRA-Handel werden von der Deutschen Börse AG der Early DAX und der Late DAX berechnet.




Weitere Nachrichten aus der 4investors-Redaktion

23.07.2018 - Siemens Gamesa: Neuer Großauftrag
23.07.2018 - German Startups: Buchwert einer Beteiligung steigt
23.07.2018 - Steinhoff Aktie fällt deutlich: Von neuer Zuversicht aktuell nur wenig zu sehen
23.07.2018 - CeoTronics: In Rödermark wird Kurzarbeit eingeführt
23.07.2018 - PVA Tepla: Übernahme
23.07.2018 - Deutsche Industrie REIT: Die nächsten Zukäufe
23.07.2018 - Mensch und Maschine bestätigt Dividenden- und Gewinnprognose
23.07.2018 - Geely Aktie: Zartes Pflänzchen der Hoffnung
23.07.2018 - BYD Aktie: Die Lage bleibt heiß
23.07.2018 - Evotec Aktie: Heute wird ein wichtiger Tag!


Chartanalysen

23.07.2018 - Geely Aktie: Zartes Pflänzchen der Hoffnung
23.07.2018 - BYD Aktie: Die Lage bleibt heiß
23.07.2018 - Evotec Aktie: Heute wird ein wichtiger Tag!
23.07.2018 - Deutsche Bank Aktie: Traut die Börse dem Braten nicht?
20.07.2018 - Evotec Aktie: Spekulationen auf den großen Ausbruch
20.07.2018 - Secunet Aktie: Pullback oder das Ende der Bullenparty?
19.07.2018 - BYD Aktie: Wichtige Marken liegen jetzt im Fokus
19.07.2018 - Geely Aktie: Erholungsversuch gescheitert - und nun?
19.07.2018 - Siemens Healthineers Aktie: Ein wichtiges Signal
18.07.2018 - Epigenomics Aktie: Spannende Entwicklung - kommt der Ausbruch?


Analystenschätzungen

23.07.2018 - Adyen: Zu wenig Luft für ein Kaufrating
23.07.2018 - Deutsche Bank: Verfehlte Erwartungen
23.07.2018 - Freenet: Vielfältige Unsicherheiten
23.07.2018 - Xing: Mehr Zuversicht
23.07.2018 - Lufthansa: Neues Kursziel vor den Quartalszahlen
23.07.2018 - Adyen: Analysten beobachten den Wirecard-Mitbewerber
23.07.2018 - Wirecard: Klarer Zuschlag beim Kursziel der Aktie
23.07.2018 - Deutsche Bank: Klares Schlusslicht
20.07.2018 - Software AG: Erwartungen legen zu
20.07.2018 - Steico: Wachstumsstory bleibt intakt


Kolumnen

23.07.2018 - DAX: „Aus 200 mach 21“ - 200-Tage-Linie bleibt Gradmesser - Donner + Reuschel Kolumne
23.07.2018 - Allianz Aktie: Abverkauf sorgt für Sorgenfalten - UBS Kolumne
23.07.2018 - DAX: Beginnt der nächste Abwärtstrend jetzt? - UBS Kolumne
20.07.2018 - Aktien: Donald Trump auf Reisen - Weberbank-Kolumne
20.07.2018 - DAX: Schulbuchmäßige Charttechnik - Donner + Reuschel Kolumne
20.07.2018 - Öl: Trotz Ausfälle entspannt sich zumindest kurzfristig die Angebotssituation - Commerzbank Kolumne
20.07.2018 - Platin: Mehrjähriges Tief unterschritten - UBS Kolumne
20.07.2018 - DAX: Es wird jetzt ungemütlich - UBS Kolumne
19.07.2018 - DAX „unterdurchschnittlich“: Test der 200-Tage-Linie als Gradmesser - Donner + Reuschel Kolumne
19.07.2018 - US-Hausbaubeginne gehen überraschend stark zurück - Commerzbank Kolumne

All Right Reserved by minimalthemes - ©2018 Stoffels & Barck GbR