DAX: Scheitern der Jamaika-Sondierungen als weiterer Belastungsfaktor - Nord LB Kolumne

Bild und Copyright: PriceM / shutterstock.com.

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Nachricht vom 20.11.2017 20.11.2017 (www.4investors.de) - Nach dem Scheitern der Jamaika-Sondierungen in Berlin müssen sich die Finanzmärkte zunächst an die nun aufkommenden erhöhten politischen Unsicherheiten gewöhnen. Damit rückt beim DAX die psychologisch wichtige Marke von 13.000 Punkten zumindest zum Handelsstart noch etwas stärker aus dem Fokus. Die bisherige Marktreaktion blieb bisher aber eher moderat, die Kurse haben sich zuletzt sogar zügig erholt.

An den Börsen war zwar in der Tat mit schwierigen Verhandlungen zwischen CDU, CSU, FDP und den Grünen gerechnet worden, ein Ende der Sondierung hatten die Marktteilnehmer aber im Grunde nicht für ein sonderlich realistisches Szenario gehalten. Zwar waren vor allem große inhaltliche Divergenzen zwischen CSU und Grünen gesehen worden, der Aktienmarkt hatte aber auf eine Verständigung gesetzt. Gerade mit einem Ausscheiden der FDP aus den Verhandlungen war sicherlich nicht gerechnet worden.

Aktuelle Äußerungen des stellvertretenden SPD-Parteivorsitzenden Ralf Stegner zeigen, dass die Sozialdemokraten trotz des Scheiterns der Jamaika-Sondierungen nicht für eine große Koalition zur Verfügung zu stehen scheinen. Stegner betonte in einem Presseinterview, dass es kein Wählervotum für die Fortsetzung einer großen Koalition geben würde.

Damit bleiben der Bundeskanzlerin Angela Merkel eigentlich nur zwei Optionen: Bildung einer Minderheitsregierung oder Neuwahlen. Beide Möglichkeiten dürften in Berlin turbulente Gespräche zur Folge haben. Vor allem auf Bundesebene gelten Minderheitsregierungen – wegen des angenommenen Mangels an Stabilität – als eher unliebsame Alternative zu klar geregelten Verhältnissen. Angela Merkel hatte nach dem Ende der Verhandlungen zudem betont, sie wolle zu einer stabilen Regierung kommen. Eine weitere Möglichkeit sind nun Neuwahlen, wobei hier die vom Grundgesetz vorgegebenen hohen Hürden zu beachten wären. An dieser Stelle würde der Bundespräsident eine wichtige Rolle haben. In einer Rede vor dem Scheitern der Jamaika-Gespräche hatte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Hürde für diese Option verbal allerdings sehr hoch gelegt. Noch heute wollen die Bundeskanzlerin und der Bundespräsident über die Lage sprechen.

Im Rahmen der Rekordjagd waren durchaus bestehende Risiken von den Börsen immer stärker ignoriert worden. Zuletzt hatten die internationalen Aktienmärkte allerdings schon begonnen, erhöhte geopolitische Risiken wieder in die Kurse der Dividendenpapiere einzupreisen. Das Scheitern der Jamaika-Sondierungen war in diesem Kontext aber wohl doch eher als „Tail-Risk“ angesehen worden. Entsprechend hat die Nachricht über das Ausscheiden der FDP aus den Gesprächen heute zum Handelsstart zu gewissen Belastungen für den DAX geführt. Wir halten diese Reaktion für keinesfalls übertrieben. Die Marktteilnehmer werden die politischen Entwicklungen in Berlin nun genau im Auge behalten müssen. Je nach Nachrichtenlage ist ein weiterer – und vielleicht sogar deutlicherer – Druck auf die Kurse sicherlich denkbar.

Fazit: Die Aktienmärkte hatten Risiken zuletzt weitgehend ignoriert und vielleicht zu stark auf eine positive Entwicklung der Weltwirtschaft gesetzt. In den vergangenen Tagen war allerdings schon erkennbar, dass bei den Anlegern eine höhere Risikoaversion aufzukommen schien. Nun müssen die Markteilnehmer sich noch intensiver mit politischen Risiken in Berlin beschäftigen. In diesem Umfeld fühlen wir uns mit einer eher pessimistischen DAX-Prognose sehr wohl und sehen den deutschen Leitindex in drei Monaten weiterhin bei lediglich 12.400 Punkten.


Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

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Aktie: DAX
WKN: 846900
ISIN: DE0008469008
Branche: Der Deutsche Aktienindex, kurz DAX, ist der wichtigste Index des Frankfurter Aktienmarktes. Der Index besteht aus 30 Aktien. Der Index wurde 1988 an der deutschen Börse als maßgebliches Marktbarometer eingeführt und ist Basiswert für viele Derivate, zum Beispiel im Bereich der Zertifikate und Optionsscheine. Der Startwert des Index geht auf das Jahresende 1987 zurück und ist mit 1.000 Punkten festgesetzt worden. Die wichtigste Form der Berechnung des DAX ist die als Performanceindex, von diesem ist in der Regel in den Medien die Rede, wenn es um den DAX geht. Neben den Kursveränderungen der jeweiligen Aktien werden bei einem Performanceindex zum Beispiel auch Ausschüttungen wie die Dividende berücksichtigt. Die exakte Zusammensetzung des DAX ist immer wieder Änderungen unterworfen. Für die Aufnahme einer Aktie in den DAX ist die Marktkapitalisierung des Streubesitzes sowie der Umsatz der jeweiligen Aktie maßgeblich. Die Zusammensetzung wird alle drei Monate durch den Arbeitskreis Indizes der Deutschen Börse überprüft. Zudem kann es außerhalb des üblichen Turnus Änderungen geben, wenn sich eine nicht im DAX vorhandene Aktie sowohl bei der Marktkapitalisierung des Streubesitzes als auch dem Umsatz unter den Top 25 befindet – die sogenannte Fast-Entry-Regel. Unternehmen, die in den Index aufgenommen werden, müssen unter anderem im Prime Standard des Frankfurter Aktienmarktes notiert sein. Beim Streubesitz gibt es eine Mindestschwelle von 10 Prozent. Im DAX enthalten sind also die umsatzstarken Aktien großer Unternehmen. Beispiele hierfür sind Allianz, Bayer, Commerzbank, Daimler, Deutsche Bank, Deutsche Telekom, SAP, Siemens und Volkswagen. Ihre Gewichtung im Index ist unterschiedlich hoch und berechnet sich nach der Marktkapitalisierung des jeweiligen Unternehmens, basierend auf dem Streubesitz. Die DAX-Kurse werden während des XETRA-Handels auf Basis der Kurse der im Index enthaltenen Aktien berechnet. Vor und nach dem XETRA-Handel werden von der Deutschen Börse AG der Early DAX und der Late DAX berechnet.




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