EZB spielt auf Zeit - Commerzbank-Kolumne | 4investors

EZB spielt auf Zeit - Commerzbank-Kolumne

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Nachricht vom 21.07.2017 21.07.2017 (www.4investors.de) - Die EZB hat bei ihrer gestrigen Ratssitzung keine neuen Entscheidungen getroffen. Selbst der weithin erwartete Trippelschritt Richtung Ausstieg aus der quantitativen Lockerung blieb aus, denn sie behielt den „zukunftsgerichteten Hinweis“ bei, dass die Anleihekäufe auch im Bedarfsfall nochmals vom Volumen her aufgestockt werden könnten. Mit der Konjunkturentwicklung zeigte sich Mario Draghi zufrieden, nicht aber mit der noch immer für den Geschmack der EZB viel zu verhaltenen Preisentwicklung. Für dies gebe es zwar plausible Gründe (Entschuldung nach der Krise, Orientierung der Lohnabschlüsse an den vergangenen, niedrigen Inflationsraten), doch sei man zuversichtlich, dass sich hier mit der Zeit wieder mehr Dynamik einstelle und der Zusammenhang zwischen Konjunktur, Lohnentwicklung und Inflation wieder enger werde. Doch bis es dafür mehr Belege gebe, müsse die EZB mit ihrer Politik geduldig fortfahren.

Nach dem Rendite- und Währungsschub nach seiner Sintra-Rede Ende Juni war Draghi sichtlich bemüht, dem Markt zu signalisieren, dass es die EZB mit einem Ausstieg aus QE nicht eilig hat und sie die Erfolge nicht durch einen zu frühen Exit gefährden will. Um dies zu unterstreichen, betonte er auch, über Ausstiegsszenarien sei nicht gesprochen worden. Der Markt war indes davon ausgegangen, dass darüber schon recht detailliert bei der nächsten Ratssitzung am 7. September befunden werde. Mario Draghi wollte sich indes lediglich auf Herbst „festlegen“. Klar ist freilich: Auch wenn die EZB das Avis hinausschiebt, wird sie schon aus Gründen des schwindenden kaufbaren Materials ihre Anleihekäufe ab 2018 reduzieren. Die Kernbotschaft ist für uns: Die EZB will sich möglichst viel Zeit mit dem Exit lassen; an eine Leitzinsanhebung ist erst in 2019 zu denken.

Zinsen und Anleihen


Japan: Kaufhausumsätze (Juni), 7:30 Uhr
EZB: Survey of Professional Forecasters, 10:00 Uhr
Großbritannien: Staatsausgaben (Juni), 10:30 Uhr
Als Reaktion auf die geldpolitische Entscheidung der Europäischen Zentralbank legte der Kurs des Euro zum US-Dollar deutlich zu und kletterte über die Marke von 1,165 US-Dollar je Euro. Inhaltlich gab es jedoch seitens der EZB nichts Neues. Allenfalls die Aussage vom EZB-Präsidenten Mario Draghi, dass sich der geldpolitische Rat nicht an der Aufwertung des Euro störe, könnten die Märkte als „grünes Licht“ für weitere Kurssteigerungen interpretiert haben. Die Rentenmärkte zeigten sich dagegen ungerührt. Die EZB sendete keine Ausstiegssignale – wie manche Analysten erwartet hatten. Über Ausstiegsszenarien sei nicht gesprochen worden, sagte Draghi und vertröstete die Markteilnehmer auf den Herbst – man wird sich also im September beraten und vielleicht zum selben Sitzungstermin, vielleicht aber auch erst im Oktober, einen Ausstiegsfahrplan verkünden. Zum Handelsschluss waren die Renditen von Bundesanleihen sogar leicht zurückgegangen – was für sich genommen sogar für eine leichte Abwertung des Euro gesprochen hätte. Aus den USA wurde für Juli ein unerwartet deutlicher Rückgang der Verbraucherstimmung – gemessen am Index der Philadelphia Fed gemeldet. Allerdings befindet sich der Index mit 19,50 Punkten weiterhin klar über dem langjährigen Durchschnitt von 9,1 Punkten. Kein Wunder: denn die Arbeitsmarktlage ist weiterhin hervorragend. Das unterstrichen gestern auch die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung, die mit 233.000 erneut rekordverdächtig niedrig waren. Jedoch ist in den USA – ähnlich wie in Deutschland – trotz der guten Arbeitsmarktlage der Lohndruck unverändert niedrig. Draghi hatte dafür gestern eine Erklärung: Die Lohnabschlüsse würden sich an den sehr niedrigen Inflationsraten der letzten Jahre orientieren.

Aktien


Vodafone Group, Umsatz Q2
General Electric, Ergebnis Q2
Colgate-Palmilive, Schlumberger, Ergebnis Q2

An den europäischen Aktienmärkten sorgte gestern einmal mehr EZB-Chef Mario Draghi für Bewegung. Nach einem ohnehin positiven Start in den Tag konnten die Indizes nach der Entscheidung der EZB und insbesondere nach dem begleitenden Kommuniqué noch weiter zulegen, da dieses noch „taubenhafter“ ausfiel, als ohnehin erwartet. Dass die Gewinne nicht gehalten werden konnten und die Marktbarometer letztendlich nur wenig verändert aus dem Handel gingen, lag allerdings ebenfalls an Mario Draghi. Seine Aussagen in der Pressekonferenz führten am Devisenmarkt zu einem klaren Anstieg des Euro, was letztlich die Aktienmärkte unter Druck brachte. Auf Branchenebene führten IT (+0,3%) und Medien (+0,1%) die Gewinnerliste an, während Grundstoffe und Reise&Freizeit (-1,9%, bzw. -1,5%) am deutlichsten nachgaben. Während die großen Titel stark von der EZB-Kommunikation und dem Euro bewegt wurden, sorgte die anlaufende Berichtssaison bei einigen Titeln aus der zweiten Reihe für größere Kursveränderungen. So sorgten schwache Zahlen von Easyjet (-5,6%) auch bei anderen Airlines (u.a. Lufthansa -7,3%) für Gewinnmitnahmen. Aber auch beim IT-Titel Adva Optical (-17,4%) und beim Onlinehändler für Tierbedarf Zooplus (-8,3%) ging es nach enttäuschenden Quartalsausweisen deutlich abwärts. An den US-Märkten konnten sich die Indizes von ihren Tagestiefs erholen und schlossen wenig verändert. Die insgesamt gemischt ausgefallenen Makrodaten hatten keinen größeren Einfluss. Eher sorgte die Berichtssaison für Bewegung. Insbesondere Telekomwerte (+1,4%) waren gefragt. Die guten Zahlen von T-Mobile (USA) und M&A-Fantasie sorgten für Käufe. Zyklische Sektoren gaben nach. In Asien notieren die Indizes heute Morgen uneinheitlich, aber insgesamt wenig verändert.

Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der Commerzbank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

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Aktie: DAX
WKN: 846900
ISIN: DE0008469008
Branche: Der Deutsche Aktienindex, kurz DAX, ist der wichtigste Index des Frankfurter Aktienmarktes. Der Index besteht aus 30 Aktien. Der Index wurde 1988 an der deutschen Börse als maßgebliches Marktbarometer eingeführt und ist Basiswert für viele Derivate, zum Beispiel im Bereich der Zertifikate und Optionsscheine. Der Startwert des Index geht auf das Jahresende 1987 zurück und ist mit 1.000 Punkten festgesetzt worden. Die wichtigste Form der Berechnung des DAX ist die als Performanceindex, von diesem ist in der Regel in den Medien die Rede, wenn es um den DAX geht. Neben den Kursveränderungen der jeweiligen Aktien werden bei einem Performanceindex zum Beispiel auch Ausschüttungen wie die Dividende berücksichtigt. Die exakte Zusammensetzung des DAX ist immer wieder Änderungen unterworfen. Für die Aufnahme einer Aktie in den DAX ist die Marktkapitalisierung des Streubesitzes sowie der Umsatz der jeweiligen Aktie maßgeblich. Die Zusammensetzung wird alle drei Monate durch den Arbeitskreis Indizes der Deutschen Börse überprüft. Zudem kann es außerhalb des üblichen Turnus Änderungen geben, wenn sich eine nicht im DAX vorhandene Aktie sowohl bei der Marktkapitalisierung des Streubesitzes als auch dem Umsatz unter den Top 25 befindet – die sogenannte Fast-Entry-Regel. Unternehmen, die in den Index aufgenommen werden, müssen unter anderem im Prime Standard des Frankfurter Aktienmarktes notiert sein. Beim Streubesitz gibt es eine Mindestschwelle von 10 Prozent. Im DAX enthalten sind also die umsatzstarken Aktien großer Unternehmen. Beispiele hierfür sind Allianz, Bayer, Commerzbank, Daimler, Deutsche Bank, Deutsche Telekom, SAP, Siemens und Volkswagen. Ihre Gewichtung im Index ist unterschiedlich hoch und berechnet sich nach der Marktkapitalisierung des jeweiligen Unternehmens, basierend auf dem Streubesitz. Die DAX-Kurse werden während des XETRA-Handels auf Basis der Kurse der im Index enthaltenen Aktien berechnet. Vor und nach dem XETRA-Handel werden von der Deutschen Börse AG der Early DAX und der Late DAX berechnet.




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