Deutsche Verbraucherpreise: Vor allem Basiseffekte treiben die Inflation an - Nord LB Kolumne

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Nachricht vom 30.01.2017 30.01.2017 (www.4investors.de) - Vor wenigen Minuten hat das Statistische Bundesamt seine Vorausschätzung zur Entwicklung der deutschen Verbraucherpreise im Berichtsmonat Januar veröffentlicht. Demnach hat sich der Aufwärtstrend bei der Inflationsrate wie erwartet fortgesetzt. Sowohl in nationaler Abgrenzung als auch in der für europäische Zwecke harmonisierten Ausweisung zog die Teuerungsrate auf 1,9% Y/Y an. Dies ist der höchste Anstieg der Lebenshaltungskosten seit Juli 2013. In einzelnen Bundesländern kletterte die Inflationsrate teilweise recht deutlich über die Marke von 2,0%% Y/Y.

Wie immer stehen mit der Vorausschätzung für die Preisentwicklung im gesamten Bundesgebiet noch keine Detailinformationen zur Verfügung. Den Veröffentlichungen einzelner Statistischer Landesämter lässt sich aber entnehmen, dass die energiesensitiven Komponenten des statistischen Warenkorbs erneut maßgeblich für den Preisauftrieb verantwortlich zeichneten. Allerdings kam es nicht zu einem nennenswerten zusätzlichen Anstieg gegenüber dem Vormonat beim Rohölpreis, so dass es im Vormonatsvergleich bei den Energiepreisen teilweise sogar zu leichten Rückgängen kam. Insofern bestätigt sich einmal mehr, dass bei der Inflation die nochmals gestiegene Jahresrate vor allem auf Basiseffekte bei den Energiekosten zurückzuführen ist.

Aufgrund unseres Prognosemodells hatten wir sogar einen etwas stärkeren Anstieg im Januar für möglich gehalten. Dass es hierzu nicht gekommen ist, ist eher ein Entspannungssignal für die EZB als ein Warnzeichen. Für die morgen zur Veröffentlichung anstehende HVPI Schnellschätzung von Eurostat für die gesamte Eurozone sieht es nun nach einem Anstieg der Jahresinflationsrate auf rund 1,5% Y/Y aus.

Erstmals seit dreieinhalb Jahren liegt die Inflationsrate wieder im von der EZB angestrebten Bereich – allerdings nur in Deutschland. Im gemeinsamen Währungsraum fällt die mittlere Teuerungsrate weiterhin deutlich geringer aus. Zudem zeichnen vor allem Basiseffekte beim Rohölpreis für den Anstieg der Inflationsrate verantwortlich. Für Alarmismus besteht somit kein Anlass, vielmehr ist bereits für das Frühjahr wieder mit leicht sinkendem Preisdruck zu rechnen.

Mittelfristig könnte zwar die Politik von Donald Trump Auswirkungen auf die globale Preisentwicklung haben, insbesondere wenn sich durch seine Abschottungspolitik die Deglobalisierungstendenzen noch verstärken sollten. Dies ist aber alles andere als ausgemacht. Vorerst zählt für die EZB vor allem, wie groß das Risiko einer sich selbst verstärkenden Inflationsspirale einzuschätzen ist. Und hier ist angesichts noch recht hoher Arbeitslosigkeit und Überkapazitäten in einigen Mitgliedsländern noch keine beschleunigte Lohndynamik zu erkennen. Die Kreditdynamik schwächte sich zuletzt sogar eher noch etwas weiter ab. Die EZB wird daher 2017 wie geplant ihre bisherige Politik mit ruhiger Hand fortsetzen.

Fazit: Die deutsche Inflationsrate hat sich zum Jahresauftakt erwartungsgemäß aufgrund im Vergleich zum Januar 2016 deutlich gestiegener Energiekosten der 2%-Marke wieder angenähert. In der Eurozone fällt die Preisdynamik hingegen weiterhin deutlich schwächer aus. Zudem ist der Basiseffekt von temporärer Natur, eine sich selbst verstärkende Dynamik ist selbst in Deutschland bislang nicht zu erkennen. Für das Frühjahr deutet unser Inflationsmodell sogar wieder einen leichten Rückgang der Inflationsrate an. Die EZB wird daher – gerade auch vor dem Hintergrund der vielfältigen politischen Risiken – ihre bisherige Politik wie geplant mit ruhiger Hand fortsetzen. Für Alarmismus bieten jedenfalls die Inflationszahlen derzeit keinen Anlass.


Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!



Aktie: DAX
WKN: 846900
ISIN: DE0008469008
Branche: Der Deutsche Aktienindex, kurz DAX, ist der wichtigste Index des Frankfurter Aktienmarktes. Der Index besteht aus 30 Aktien. Der Index wurde 1988 an der deutschen Börse als maßgebliches Marktbarometer eingeführt und ist Basiswert für viele Derivate, zum Beispiel im Bereich der Zertifikate und Optionsscheine. Der Startwert des Index geht auf das Jahresende 1987 zurück und ist mit 1.000 Punkten festgesetzt worden. Die wichtigste Form der Berechnung des DAX ist die als Performanceindex, von diesem ist in der Regel in den Medien die Rede, wenn es um den DAX geht. Neben den Kursveränderungen der jeweiligen Aktien werden bei einem Performanceindex zum Beispiel auch Ausschüttungen wie die Dividende berücksichtigt. Die exakte Zusammensetzung des DAX ist immer wieder Änderungen unterworfen. Für die Aufnahme einer Aktie in den DAX ist die Marktkapitalisierung des Streubesitzes sowie der Umsatz der jeweiligen Aktie maßgeblich. Die Zusammensetzung wird alle drei Monate durch den Arbeitskreis Indizes der Deutschen Börse überprüft. Zudem kann es außerhalb des üblichen Turnus Änderungen geben, wenn sich eine nicht im DAX vorhandene Aktie sowohl bei der Marktkapitalisierung des Streubesitzes als auch dem Umsatz unter den Top 25 befindet – die sogenannte Fast-Entry-Regel. Unternehmen, die in den Index aufgenommen werden, müssen unter anderem im Prime Standard des Frankfurter Aktienmarktes notiert sein. Beim Streubesitz gibt es eine Mindestschwelle von 10 Prozent. Im DAX enthalten sind also die umsatzstarken Aktien großer Unternehmen. Beispiele hierfür sind Allianz, Bayer, Commerzbank, Daimler, Deutsche Bank, Deutsche Telekom, SAP, Siemens und Volkswagen. Ihre Gewichtung im Index ist unterschiedlich hoch und berechnet sich nach der Marktkapitalisierung des jeweiligen Unternehmens, basierend auf dem Streubesitz. Die DAX-Kurse werden während des XETRA-Handels auf Basis der Kurse der im Index enthaltenen Aktien berechnet. Vor und nach dem XETRA-Handel werden von der Deutschen Börse AG der Early DAX und der Late DAX berechnet.




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