Robert Ertl, Börse München: „Für Bewegung zumindest hinsichtlich von Einzelwerten oder Branchen könnten die anstehenden Quartalsberichte sorgen, von denen in den kommenden Tagen wieder eine Vielzahl vorgelegt wird.” Bild und Copyright: Bayerische Börse AG.

Hängepartie an den deutschen Aktienbörsen - Börse München

02.08.2021 10:24 - Autor: Robert Ertl ... auf Twitter

Weiter ohne klare Tendenz: Die deutschen Aktienbörsen haben in der vergangenen Woche keine einheitliche Richtung gefunden, nach Auf und Ab aber überwiegend leicht nachgegeben. Vor allem zu Wochenbeginn drückten die zunehmende Regulierung einzelner Branchen des Privatsektors in China und ein schwächer als erwartet ausgefallener Ifo-Geschäftsklimaindex auf die Stimmung. Im weiteren Wochenverlauf erholten sich die Kurse zwar, von einer deutlichen Kauflaune der Anleger war allerdings nicht zu sprechen. Impulse kamen in erster Linie von Unternehmenszahlen und blieben weitgehend auf die jeweiligen Titel oder Branchen beschränkt. Am vergangenen Freitag bescherten Gewinnrealisationen den Märkten dann erneut ein Minus.

Der Deutsche Aktienindex (Dax) gab im Wochenvergleich 0,8 Prozent ab auf 15.544,39 Punkte. Die Titel von MTU Aero Engines allerdings konnten gegen den Trend um 3,6 Prozent zulegen. Der Triebwerkhersteller profitierte dabei von starken Quartalzahlen von Boeing. Der MDax reduzierte sich im Wochenvergleich minimal auf 35.146,91 Zähler. Deutlich schlechter lief die Woche für Morphosys, der Kurs sackte auf Wochensicht um 14,7 Prozent ab. Der Biotechkonzern hatte das obere Ende seiner Umsatzprognose für das laufende Jahr gekappt, negative Analystenurteile folgten. Der TecDax kam um 0,4 Prozent auf 3.681,37 Punkte voran. Der m:access All-Share sank um 0,7 Prozent auf 3.044,23 Zähler.

Die Kurse an den deutschen Anleihemärkten haben in der vergangenen Woche ihre Aufwärtsbewegung der vorangegangenen Wochen fortgesetzt. Unterstützung brachten eine Reihe von Konjunkturdaten, die unterhalb der Erwartungen ausgefallen waren, wie zum Beispiel das Ifo-Geschäftsklima und Wachstumszahlen aus Deutschland oder die Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter in den USA. Die Sitzung der US-Notenbank Fed endete ohne Überraschungen. Fed-Chef Jerome Powell gab zwar Hinweise auf eine absehbar weniger großzügige Geldpolitik, blieb dabei aber vage. Im Wochenvergleich sank die Rendite der marktbestimmenden zehnjährigen Bundesanleihe von - -0,42 auf -0,46 Prozent. Die Umlaufrendite fiel von -0,47 auf -0,50 Prozent.

Die US-Aktienbörsen haben die vergangene Woche unter dem Strich leichter beendet. Zwar waren im Wochenverlauf erneut Rekordstände zu verzeichnen gewesen, am Freitag verdarben aber Gewinnmitnahmen die Wochenbilanz. Der Dow-Jones-Index büßte im Wochenvergleich 0,4 Prozent auf 34.935,47 Punkte ein. Der breiter gefasste S&P-500-Index reduzierte sich um ebenfalls 0,4 Prozent auf 4.395,26 Zähler. Der technologielastige Nasdaq-100-Index gab um 1,0 Prozent nach auf 14.959,90 Punkte. Hier belasteten zu Ende der Handelswoche Quartalszahlen von Amazon, die auf ein nachlassendes Wachstumstempo hindeuteten.

Ausblick

Behält das Gros der Beobachter recht, so könnte sich die Seitwärtsbewegung – einige sprechen auch von einer Hängepartie – an den deutschen Aktienbörsen in der aktuellen Woche fortsetzen. Zwar könnte es durchaus neue Korrektur- und Konsolidierungstendenzen geben, diese dürften aber wie in der vorvergangenen Woche rasch wieder ausgeglichen werden, so die Prognosen. Viel Luft nach oben wird derzeit aber auch nicht gesehen, was unter anderem auf die Unsicherheit durch die rasche Verbreitung der Delta-Variante des Coronavirus und geopolitischen Gegebenheiten wie die Situation in China zurückzuführen ist.

Für Bewegung zumindest hinsichtlich von Einzelwerten oder Branchen könnten die anstehenden Quartalsberichte sorgen, von denen in den kommenden Tagen wieder eine Vielzahl vorgelegt wird. So veröffentlichen aus dem Dax unter anderem Adidas, Allianz, BMW, Infineon, Siemens und Vonovia ihre Zahlen. Aus der zweiten und dritten Börsenreihe berichten unter anderem Hugo Boss, Lufthansa, RTL, Teamviewer und Wacker Chemie. Allerdings war zuletzt zu beobachten, dass selbst mit übertroffenen Konsensschätzungen keine Begeisterung an den Märkten einherging, da die Markterwartungen vielfach noch höher gelegen hatten. Insofern bleibt abzuwarten, ob die anstehenden Zahlen für Schwung sorgen können.

Neben den Unternehmensergebnissen könnten die zu veröffentlichenden Konjunkturdaten für Impulse sorgen. Neben Einkaufsmanagerindizes aus der Eurozone und den USA dürften hier vor allem die US-Arbeitsmarktzahlen im Fokus stehen. Der offizielle US-Arbeitsmarktbericht kommt dabei erst zu Ende der Handelswoche, erste Hinweise dürfte der Bericht des privaten Arbeitsvermittlers ADP zu Wochenmitte geben. Die Anleger dürften die Zahlen dabei insbesondere auf ihre vermuteten Auswirkungen auf die US-Geldpolitik hin betrachten. In der vergangenen Woche war Fed-Chef Powell unter anderem mit dem Hinweis auf den Arbeitsmarkt vage geblieben, was eine Straffung der Geldpolitik betrifft.

Ausgewählte wichtige Termine der Woche

Montag, 02.08.: Einzelhandelsumsätze in Deutschland; Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe in Deutschland und der Eurozone; ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe in den USA; Caixin-Einkaufsmanagerindex für das produzierende Gewerbe in China
Dienstag, 03.08.: Erzeugerpreise in der Eurozone; Markit Einkaufsmanagerindex für das produzierende Gewerbe in den USA; Werkaufträge in den USA; Gesamte Fahrzeugverkäufe in den USA
Mittwoch, 04.08.: Dienstleistungsindizes für Deutschland und die Eurozone; Einzelhandelsumsätze in der Eurozone; ADP-Arbeitsmarktbericht (USA); ISM-Index für das nicht-verarbeitende Gewerbe in den USA; Markit PMI Gesamtindex (USA); Caixin-Dienstleistungsindex für China
Donnerstag, 05.08.: Werkaufträge in Deutschland; Handelsbilanz der USA
Freitag, 06.08.: Industrieproduktion in Deutschland; US-Arbeitsmarktbericht; Verbraucherkredite in den USA

Autor: Dr. Robert Ertl, Vorstand der Bayerischen Börse AG
Daten zum Wertpapier: Börse München


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