Marinomed erwartet für dieses Jahr ein zweistelliges Wachstum. Vor allem die deutlich erhöhte Nachfrage nach Carragelose-Produkten als Folge der SARS-CoV-2 Pandemie lässt den Umsatz klettern. Bild und Copyright: science photo / shutterstock.com.

Marinomed Biotech: Ein noch stiller Corona-Profiteur

16.04.2020 11:49 - Autor: Michael Barck ... auf Twitter

Weltweit forschen Medikamenten- und Impfstoffhersteller an Mitteln gegen das neue Corona-Virus Sars-CoV-2, das 2020 die Welt mit einer Pandemie in Atem hält und große Teile des öffentlichen Lebens und der Wirtschaft lahmgelegt hat. Auch die österreichische Marinomed Biotech macht mit – und hat mit dem Wirkstoff Carragelose bereits ein Medizinprodukt am Markt, das helfen könnte. Verwendung findet der Wirkstoff, der aus Rotalgen gewonnen wird, vor allem als Nasenspray. Die Wirkung ist physikalischer Natur und bietet zusätzlichen Schutz gegen respiratorische Viren. Durch die Wirkung wird der Kontakt des Virus mit den menschlichen Wirtszellen erschwert, was die Vermehrung des Virus stoppt bzw. deutlich verlangsamen kann. In klinischen Tests konnte das Medizinprodukt seine Wirkung bereits unter Beweis stellen: Die Viruslast wurde deutlich reduziert und - damit einhergehend - die Dauer der typischen Symptome der Infektion verkürzt - bei Corona-Viren um knapp vier Tage.

Bisherige Daten der klinischen Untersuchungen beziehen sich auf Influenza A, Rhino- und Corona-Viren, allerdings liegen bisher noch keine Studiendaten zu dem neuen Virustyp Sars-CoV-2 vor. Marinomed Biotech bereitet entsprechende Studien vor, bis zu deren Abschluss aber noch einige Zeit ins Land gehen dürfte. Dennoch gibt Carragelose neue Chancen in der Behandlung von Infektionen auch mit dem Virus, das die aktuelle Corona-Pandemie ausgelöst hat und mit Viren verwandt ist, gegen die sich Marinomed Biotechs Wirkstoff bereits als effektiv erwiesen hat.

Hinzu kommt: Parallele Infektionen mit anderen respiratorischen Viren zusätzlich zu Sars-CoV-2 könnten mit dem Mittel abgeschwächt oder sogar verhindert werden. Vor allem für Risikogruppen mit Vorerkrankungen ist dies ein wichtiger Faktor in der aktuellen Pandemie, bei der viele Tote bereits mit Vorerkrankungen zu kämpfen hatten. Parallel-Infektionen zu Sars-CoV-2 zum Beispiel mit Rhinoviren können dann erst recht zu dramatischen Komplikationen und schweren, langen Krankheitsverläufen führen.

Covid-19 Erkrankung kurbelt Absatz von Carragelose an

Man sei in einer guten Startposition, sagt Marinomed-CEO Andreas Grassauer am Donnerstag in einer Telefonkonferenz zu den Zahlen für 2019, die die Österreicher heute vorgelegt haben. Im Unternehmen sei hohes Know-How im Umgang mit dieser Virenart vorhanden. Forschungen laufen, die Österreicher sind in die entsprechenden internationalen Netzwerke eingebunden. Allerdings erschwert die hohe Sicherheitsstufe im Zusammenhang mit dem neuen Corona-Virus die Arbeiten: Die Zahl der Labore, die diese durchführen können, ist begrenzt.

Bei Marinomed Biotech hofft man dennoch auf einen Schub für das operative Geschäft aus dem Einsatz von Carragelose gegen virale Infektionen. Die aktuelle Pandemie hat virale Infekte der Atemwege ins Bewusstsein der Bevölkerung gebracht - und das, nachdem diese Virengruppe jahrelang völlig unterschätzt worden ist. Influenza-Wellen mit vielen tausend Toten wurden in der Öffentlichkeit weitgehend ignoriert oder schulterzuckend zur Kenntnis genommen. Mit der aktuellen Pandemie könnte sich dies deutlich ändern. Dann sind Medikamente und Medizinprodukte gefragt, die auch vorbeugend und während der Erkrankung helfen können - Impfstoffe, aber auch Mittel wie Marinomeds Carragelose.

Die Österreicher verhandeln derzeit mit Partnern über eine Erhöhung der Produktionskapazitäten. Produktionserhöhungen und die Sicherung der Supply Chain seien wesentliche Herausforderungen in diesem Jahr, heißt es aus dem Unternehmen. Marinomed Biotech erwartet eine deutliche Nachfragesteigerung nach Carragelose-Produkten. Der Wirkstoff ist in der EU, Australien und Teilen Asiens zugelassen als Nasen- und Rachenspray sowie für Lutschpastillen.

Corona-Pandemie behindert klinische Studien derzeit

In anderen Bereichen dagegen behindert die Corona-Pandemie und deren Folgen wie umfangreiche Lockdowns die Forschungs- und Entwicklungs-Aktivitäten von Marinomed Biotech - so wie viele Forschungs- und Entwicklungsprojekte anderer Unternehmen auch. Klinische Studien sind derzeit quasi unmöglich, Verzögerungen bei den Entwicklungsprojekten daher an der Tagesordnung. Bei den Österreichern ist vor allem die geplante klinische Studie der 2. Phase mit Tacrosolv betroffen. Man rechnet nun damit, die Studie im Herbst aufnehmen zu können. Auch die Projekte beim Flaggschiff-Projekt Budesolv, einem Nasenspray für allergische Rhinitis, könnten betroffen sein. Vor einem Jahr konnte die Biotech-Gesellschaft die klinische Phase-III-Studie für Budesolv erfolgreich abschließen und alle Studienziele erreichen. Die Folgen der Corona-Pandemie verzögern nun Zulassungsprozesse und das Business Development in dieser Sparte. Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben.

Marinomed erwartet trotz des herausfordernden Umfelds für dieses Jahr ein zweistelliges Wachstum. „Dabei ist in den ersten Monaten 2020 eine deutlich erhöhte Nachfrage nach Carragelose-Produkten als Folge der SARS-CoV-2 Pandemie zu verzeichnen, die sich positiv auf die Umsatzentwicklung auswirken wird”, so das Unternehmen am Donnerstag zum Ausblick. Die Kosten für Forschung und Entwicklung werden aber - wenig überraschend - weiter rote Zahlen zur Folge haben: „Aufgrund der anhaltend hohen Aufwendungen für Forschung und Entwicklung erwartet Marinomed 2020 und auch in den Folgejahren unverändert operativ negative Ergebnisse”, so Marinomed Biotech.

Für 2019 weist das Unternehmen, dessen Aktien unter anderem an der Börse in Wien notiert sind und das auf rund 143 Millionen Euro Marktkapitalisierung kommt, einen Umsatzanstieg von 4,67 Millionen Euro auf 6,14 Millionen Euro aus. Die Summe geht zu einem deutlich überwiegenden Teil auf Verkäufe von Carragelose-Produkten zurück, deren Umsatz im vergangenen Jahr von 4,4 Millionen Euro auf 4,9 Millionen Euro gestiegen ist. Vor Zinsen und Steuern meldet Marinomed Biotech für 2019 einen Verlust von 6,21 Millionen Euro nach zuvor 5,14 Millionen Euro. Unter dem Strich sinkt der Verlust dagegen von 12,1 Millionen Euro auf 7,22 Millionen Euro.

Bei den liquiden Mitteln weisen die Österreicher per Ende 2019 mehr als 12 Millionen Euro aus. Zusätzlich bestehen Finanzierungsmöglichkeiten in Höhe von weiteren 11 Millionen Euro aus einer Darlehenszusage der Europäischen Investitionsbank, die Marinomed Biotech bisher nicht in Anspruch genommen hat.
Daten zum Wertpapier: Marinomed Biotech
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Ticker-Symbol: MBG
WKN: A19LM2
ISIN: AT0000A1WD52

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