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May erleidet bei Brexit-Abstimmung noch herbere Niederlage als erwartet - Commerzbank Kolumne

16.01.2019 08:55 - Autor: Kolumnist ... auf Twitter

Die britische Premierministerin Theresa May hat gestern Abend bei der Abstimmung über den mit der EU ausgehandelten Brexit-Vertrag eine herbe Niederlage erlitten, die alle Befürchtungen übertraf. Theresa May bekam nur 202 Stimmen für den Vertrag, 432 Abgeordnete entschieden sich dagegen. Dabei verfügen Mays Konservative über 317 Stimmen. Es ist die klarste Niederlage, die eine britische Regierung seit 1924 erlitten hat. Die EU reagierte enttäuscht auf das Votum. Dabei hatte May bis zuletzt gekämpft und davor gewarnt, dass nur eine Zustimmung zum Austrittsabkommen einen chaotischen EU-Austritt am 29. März vom Brexit verhindern könne. Labour-Chef und Oppositionsführer Jeremy Corbyn beantragte direkt nach Bekanntgabe des Ergebnisses ein Misstrauensvotum gegen die Premierministerin. Darüber wird heute abgestimmt. Bei Annahme des Misstrauensvotums käme es zu Neuwahlen. Das halten wir aber für sehr unwahrscheinlich.

Trotz der starken Niederlage will Theresa May bis Montag ein geändertes Vorgehen (Plan B) vorlegen und es noch einmal zur Abstimmung vorlegen. Eine Gesetzeszulage, die vergangene Woche verabschiedet wurde, verlangt, dass innerhalb von 3 Werktagen einen Plan B vorzulegen sei. Bei einer erneuten Ablehnung, die dann zu erwarten wäre, müsste die Frist gemäß Artikel 50 des EU-Vertrags verlängert wird, um nachzuverhandeln und einen ungeregelten Brexit zu vermeiden. Die EU müsste einer Verlängerung zwar zustimmen, worauf sie sich u.E. aber einlassen würde. Ein zweites Referendum, was gefordert wird, halten wir für kaum denkbar. Ein ungeregelter Brexit wird weiterhin als sehr unwahrscheinlich gesehen, obwohl die Wahrscheinlichkeit seit gestern Abend gestiegen ist. Das britische Pfund spiegelt die Hoffnung auf einen geregelten Brexit wider, es hat sich gestern nach der Abstimmung wieder deutlich gegenüber Euro und US-Dollar gestärkt.

Anleihen


Japan: Maschinenbauaufträge (Nov.), 00:50 Uhr
Großbritannien: Verbraucherpreise (Dez.), 10:30 Uhr
USA: NAHB Wohnungsmarkt-Index (Jan.), 16:00 Uhr
USA: Fed veröffentlicht Beige Book, 20:00 Uhr

Der gestrige Tag im Rentenhandel stand im Zeichen der Parlamentsdebatte in London über das Brexit-Abkommen. Die Unsicherheit ließ die Kurse deutscher Staatsanleihen leicht ansteigen, dementsprechend sank die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen von 0,23% auf 0,20%. Die Abgeordneten des britischen Unterhauses haben gestern das mit der EU ausgehandelte Brexitabkommen mit 432 zu 202 Stimmen abgelehnt. Premierministerin May muss sich heute Abend einem Misstrauensvotum stellen. Spätestens kommenden Montag will May einen „Plan B“ dem Parlament erneut zur Abstimmung vorlegen (siehe „Im Blickpunkt“). Die gestrigen vorläufigen Zahlen zum deutschen Bruttoinlandsprodukt für 2018 sind insofern positiv zu werten, als dass sie entgegen manchen Befürchtungen keine „technische Rezession“ (zwei Folgequartale mit sinkendem BIP) zeigten. Das Statistische Bundesamt wies für 2018 ein Wachstum von 1,5% aus, woraus sich für das vierte Quartal ein Plus von ungefähr 0,3% gegenüber dem dritten Quartal (-0,2% Q/Q) errechnen lässt. Stützend dürfte zum einen der private Verbrauch und zum anderen der Export gewirkt haben. Wie geht es dieses Jahr weiter? Solange die Nachfrage aus China anhält, spricht vieles dafür, dass die deutsche Konjunktur auch im Frühjahr 2019 zulegt. Für das gesamte Jahr 2019 erwarten wir weiter ein Plus von 1,2%. Der Preisdruck auf der US-Produzentenebene blieb im Dezember weiter schwach. Die Erzeugerpreise sanken um 0,2% gegenüber dem Vormonat. Die Kernrate – ohne die volatilen Preise für Nahrungsmittel und Energie – ging um 0,1% M/M zurück. Die Jahresraten lagen unverändert wie im November bei +2,5% bzw. +2,7% (Kernrate).

Aktien


Bank of America, Ergebnis Q4
Blackrock, Ergebnis Q4
Goldman Sachs, Ergebnis Q4
US Bancorp, Ergebnis Q4

Hatten die europäischen Aktienbörsen in den letzten Tagen schwächere Vorgaben im Tagesverlauf zumeist wieder ab-schütteln können, so gelang es nun umgekehrt nicht, die frühen Kursgewinne (dank der positiven Stimmung an den asiatischen Börsen) zu halten. Der starke Handelsstart verpuffte relativ schnell wieder. Am Tag der Brexit-Abstimmung im britischen Parlament hielten sich die Anleger letztendlich deutlich zurück. Erst am späten Nachmittag sorgte die feste Verfassung der Wall Street wieder für etwas Auftrieb. Zur Eröffnung hatte noch die Aktie der Deutschen Post mit einem Plus von über 2% den deutschen Leitindex Dax 30 angeführt, da sich die Zustimmung der Aufsichtsbehörden für eine Portoerhöhung abzeichnete. Als dann aber die Post meldete, dass diese deutlich unter den erwarteten 10 Cent liegen wird, rutschten die Titel (-2,0%) an das Ende des Kurstableaus. Ebenfalls sehr schwach tendierten nach einer Herabstufung eines Analysehauses die Anteilscheine der Deutschen Lufthansa (-1,8%). Die meisten Branchen des Euroraums konnten leicht zulegen, lediglich Telekommunikation (-0,4%) und Medien (-0,5%) verzeichneten Verluste. In New York bremsten u. a. die nicht vollends überzeugenden Quartalsberichte der Banken die Entwicklung des Leitindex Dow Jones. Die Hoffnung auf eine Steuersenkung in China verhalf dagegen hauptsächlich den IT-Werten zu Kursgewinnen. Der technologielastige Nasdaq 100 zog dementsprechend deutlicher an. Im marktbreiten S&P 500 dominierten die Branchen Gesundheit (+1,7%) und IT (+1,5%), während Grundstoffe (-0,6%) und Industrie (-0,3%) schwächer tendierten. An den asiatischen Börsen überwiegen heute Morgen leichte Verluste. Die europäischen Märkte werden kaum verändert erwartet.

Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der Commerzbank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

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