Neue JDC Group Anleihe 2019/2024

Bank J. Safra Sarasin: Chinas schwieriger Balanceakt


18.08.2015, 10:42 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4nvestors auf: Twitter | Google News | Facebook

Die chinesische Zentralbank wird sich auch die Erfahrungen ihrer Schweizer Kollegen angeschaut haben bevor sie das Wechselkursregime etwas liberalisiert hat. Gibt eine Zentralbank einmal die Kontrolle über den Wechselkurs auf, dann lassen sich die Marktbewegungen nur sehr schlecht steuern. Es muss daher mit weiteren kleinen Abwertungsschritten beim Renminbi gerechnet werden. Eine stärkerer Kursrückgang oder ein Währungskrieg liegt dagegen nicht im Interesse Chinas.

Feste Wechselkurssysteme haben wichtige Vorteile: Sie sind transparent, berechenbar und natürlich stabil. Zentralbanken geben diese Systeme daher nur auf, wenn sie der Einschätzung sind, dass (1) eine Kursanpassung ökonomisch geboten ist und (2) diese nicht zu neuen Instabilitäten führt. Die chinesische Zentralbank war sich des Abwertungsdrucks auf den Renminbi folglich bewusst, wird aber davon ausgegangen sein, dass dieser auch auf einige Prozentpunkte begrenzt ist. Abwertungsdruck auf den Wechselkurs ließ sich aus mehreren Faktoren ablesen. Zum einen stieg der handelsgewichtete Wechselkurs aufgrund der US-Dollar Anbindung in den vorausgegangenen 12 Monaten um über 10%, obwohl sich die Wirtschaft zunehmend abschwächte. Zum anderen waren beim täglichen Wechselkursfixing und der steigenden Kreditvergabe Anzeichen für eine Kapitalflucht zu erkennen. Des Weiteren hatte auch der IWF die chinesische Währung als nicht mehr unterbewertet bezeichnet und zu einer höheren Flexibilität aufgefordert. Diese sei auch nötig, wenn China den Renminbi als Reservewährung etablieren möchte. Und genau dieser Punkt spricht gegen eine starke Abwertung in den nächsten Monaten. Während der Finanzkrise hat sich China eine starke Glaubwürdigkeit dadurch aufgebaut, dass es den Wechselkurs nicht wie die meisten anderen Schwellenländerwährungen abgewertet hat. Der Renminbi blieb stabil – die Glaubwürdigkeit der Zentralbank hoch, eine berechenbare Währungspolitik zu verfolgen. Wozu sollte sie diese Glaubwürdigkeit nun aufgeben? Am wahrscheinlichsten ist daher, dass sie soweit am Markt interveniert, dass der Renminbi nicht mehr als rund 5% zusätzlich abwertet. Eine Abwertung in diesem Rahmen würde auch die Fed noch nicht von einer Zinserhöhung im September abhalten und sollte die Angst vor einem internationalen Währungskrieg begrenzen. Es bliebe eine eigenständigere und aktivere chinesische Zentralbank sowie ein Ende der Umorientierung vom export- zum konsumgetriebenen Wachstumsmodell. Um Reservewährung zu werden, wird die chinesische Zentralbank in den nächsten Jahren weitere Schritte gehen. Vor allem muss sie ausländischen Anlegern auch Reserve anbieten, die diese halten können. In der Regel sind das Staatsanleihen, die ausgegeben werden, um Haushaltsdefizite zu finanzieren. Logisch wäre es folglich, dass der nächste Konjunkturimpuls aus dieser Richtung resultiert.

Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Bank Sarasin. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

Ihr 4investors-Newsletter

Exklusive Interviews und Analysen für Sie aus der 4investors-Redaktion!

Der Newsletter ist kostenlos. Sie können den Newsletter jederzeit wieder abbestellen. Wir speichern Ihre Mailadresse ausschließlich zum Versand des Newsletters und geben diese nicht weiter! Bitte beachten Sie unsere Datenschutzerklärung.



Nachrichten und Informationen zur Bank Sarasin-Aktie

19.07.2017 - Schweizer Wirtschaft profitiert von europäischem Wachstum – Sarasin Kolumne
20.06.2017 - Europa funktioniert! – Bank Sarasin Kolumne
31.01.2017 - Italien ist wieder auf der politischen Achterbahn – Bank Sarasin Kolumne
17.01.2017 - Trump und die Börse: Die Flitterwochen sind schon vorbei – Bank Sarasin Kolumne
13.12.2016 - Jahresausblick 2017: Aussicht auf finanzpolitischen Rückenwind – Bank Sarasin Kolumne
20.09.2016 - Bank J. Safra Sarasin: Deutschland braucht Inflation und keine Mietpreisbremse
06.09.2016 - Bank J. Safra Sarasin: Verlängerung des EZB-Kaufprogramms wahrscheinlich
30.08.2016 - Bank J. Safra Sarasin: Wichtigeres als die nächste Zinserhöhung
09.08.2016 - Bank J. Safra Sarasin: US-Regulation wirkt wie eine Fed-Zinserhöhung
19.04.2016 - Bank J. Safra Sarasin: Hohe Sparquote ist keine Reaktion auf Negativzinsen
12.04.2016 - Bank J. Safra Sarasin: Negativzinsen werden immer normaler
02.02.2016 - Bank J. Safra Sarasin: Globale Zinsentwicklung – Niedrigzinsumfeld verlängert sich
23.12.2015 - Sarasin: Den Einfluss der Politik nicht unterschätzen – Gefahr zunehmender Regionalisierung
17.11.2015 - Bank J. Safra Sarasin: Die politischen Risiken bleiben hoch
25.08.2015 - Bank J. Safra Sarasin: China öffnet Türe für weitere Abwertungen
28.04.2015 - Bank J. Safra Sarasin: Finanzmärkte im Netz der Politik
18.03.2015 - Bank J. Safra Sarasin: Aufschwung von zyklischen Aktien ist nicht von Dauer
17.02.2015 - Bank J. Safra Sarasin: Euroland zurück auf dem Wachstumspfad
10.02.2015 - Bank J. Safra Sarasin - Dollarstärke: Konsens als Gefahr
03.02.2015 - Bank J. Safra Sarasin: Turbulenter Start ins Jahr für die Anleihen