PNE Wind: Der „Machtkampf“ vor der Entscheidung – viele Fragen sind offen

Die Zentrale der PNE Wind AG in Cuxhaven. Am 16. Juni steht die wichtige Hauptversammlung des Unternehmens an. Foto und Copyright: PNE Wind AG.

Die Zentrale der PNE Wind AG in Cuxhaven. Am 16. Juni steht die wichtige Hauptversammlung des Unternehmens an. Foto und Copyright: PNE Wind AG.

15.06.2015 10:14 Uhr - Autor: Michael Barck  Michael Barck auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Regelmäßige Käufe von Aktien der PNE Wind durch Volker Friedrichsen prägten in den vergangenen Wochen das Bild rund um die Windenergieaktie. Über die Volker Friedrichsen Beteiligungs-GmbH hat der größte Einzelaktionär des Cuxhavener Konzerns zuletzt so viele Anteilsscheine gekauft, dass seine Beteiligung an der Gesellschaft wieder über die 15-Prozentmarke gekommen ist. Die Käufe sind das letzte sichtbare Anzeichen im Streit zwischen Friedrichsen auf der einen Seite und dem Vorstandsvorsitzenden Martin Billhardt sowie Teilen des Aufsichtsrates auf der anderen Seite.

Am 16. Juni, wenn in der Cuxhavener Kugelbake-Halle die Hauptversammlung von PNE Wind ansteht, steht gleichzeitig so etwas wie eine mögliche endgültige Entscheidung im Streit an. Gegenseitige Abwahlanträge für die Aufsichtsratsmitglieder, die der jeweils „gegnerischen“ Seite zugerechnet werden, stehen zur Abstimmung an, ebenso damit einhergehend Anträge zur Neubesetzung frei werdender Aufsichtsratsposten, falls Abwahlen zustande kommen. Dass beide Seiten noch einmal konstruktiv miteinander arbeiten, scheint ausgeschlossen. „Das Tischtuch ist zerschnitten“, sagt Friedrichsen gegenüber der Redaktion von www.4investors.de.

Dem Abstimmungsmarathon über den Aufsichtsrat, der auf der PNE-Hauptversammlung anstehen dürfte, geht ein langes Zerwürfnis zwischen den beiden Parteien voraus. Öffentlich wurde dies, als PNE Wind Friedrichsen vorwarf, im Zuge des Verkaufs der WKN AG an PNE Wind wichtige Informationen nicht vorgelegt zu haben. Man müsse einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag abschreiben, da Projekte überbewertet seien, so PNE Wind im Dezember des vergangenen Jahres. Zugleich konfrontierte man Friedrichsen mit Schadenersatzforderungen in Höhe von 6,2 Millionen Euro und WKN-Mitgesellschafter Siemens ebenfalls mit Garantieansprüchen. Dass die WKN AG jüngst Kreditzusatzvereinbarungen nicht erfüllen konnte, die mit Kreditgebern vereinbart waren, bringt vor allem für das Unternehmen und dessen Anteilseigner zusätzliche Schärfe in die Situation.

Streit um Bezüge von Vorstand und Aufsichtsrat sowie Beraterverträge


Tatsächlich scheint mit den Schadenersatzforderungen aber nur ein schon länger schwelender Zwist öffentlich zu eskalieren, der vor allem zwischen Friedrichsen auf der einen Seite sowie PNE-Chef Billhardt und dem Aufsichtsratschef Dieter Kuprian auf der anderen Seite tobt. Entzündet, so Friedrichsen, haben sich die Unstimmigkeiten schon deutlich vorher an Vergütungen für Vorstand, Aufsichtsrat und externe Berater. Der frühere WKN-Eigner wirft Billhardt und Kuprian vor, PNE Wind mit überhöhten Zahlungen an Vorstand, Aufsichtsrat und externe Berater zu belasten. Es würden Beträge gezahlt, die völlig unüblich hoch für mittelständische Unternehmen seien, so der Vorwurf. Hinzu kommen nach Informationen von www.4investors.de lukrative Beraterverträge bei der WKN AG, die nach der Übernahme von PNE Wind an Personen aus dem Bekanntenkreis des Aufsichtsratschefs vergeben worden sein sollen.

Die Cuxhavener widersprechen diesen Vorwürfen vehement. „Die Vergütungen von Vorstand, aber auch Aufsichtsrat stehen im Einklang mit dem Corporate Governance Kodex und sind zu einem überwiegenden Teil an den Erfolg des Unternehmens gekoppelt und daher gerechtfertigt“, sagt Billhardt im Interview mit Smart Investor. Zwei Drittel der Vergütung seien variable Bestandteile, so Billhardt gegenüber Smart Investor, ein Drittel ein „Fixbetrag, der unter dem Durchschnitt von S-DAX, M-DAX, DAX, etc. liegt“

Widersprüchlich sind auch die Informationen zu den Siemens-Ansprüchen. Offen ist, ob sich der Münchener Konzernriese tatsächlich – wie von PNE Wind dargestellt – gütlich mit den Norddeutschen einigen will. Hier gibt es aus Branchenkreisen gemäß 4investors-Informationen aber auch anderslautende Aussagen. Demzufolge soll Siemens keinen Grund sehen, an PNE Wind Zahlungen zu leisten. Man gehe davon aus, dass eventuelle rechtliche Schritte des Windenergiekonzerns erfolglos bleiben. Hier dürften im Zweifelsfall Gerichte das letzte Wort haben. Derzeit ruht das Verfahren und es dürfte noch reichlich Zeit ins Land gehen, bis eine rechtskräftige Entscheidung getroffen wird.

„Gutachten wird keinen Bestand haben“


Ohnehin ist zwischen den Parteien heftig umstritten, ob die Vorwürfe des Windenergiekonzerns gegen Friedrichsen überhaupt zutreffen. Tatsächliche Abschreibungen seien bei PNE Wind bisher nicht erfolgt, so Friedrichsen, sondern lediglich Positionen in der Bilanz des Windenergiekonzerns in Richtung Goodwill verschoben worden. Die Projekte seien im Rahmen der WKN-Übernahme durch die Cuxhavener ausführlich geprüft worden. Es sei eine „Due Diligence mit fast 100 Leuten“ erfolgt, sagt Friedrichsen und verweist darauf, dass im Zuge langjähriger Projektlaufzeiten immer wieder Neueinschätzungen der Situation eines einzelnen Projektes im laufenden Geschäft erfolgen können. Er selbst habe nie eine Garantie für einzelne Projekte abgegeben, sagt der ehemalige WKN-Mehrheitseigner, wohl aber eine Bilanzgarantie. Das Gutachten, mit dem PNE Wind die Schadenersatzforderungen begründet, bezeichnet Friedrichsen als Gefälligkeitsgutachten: „Das Gutachten wird vor Gericht keinen Bestand haben“, so Friedrichsen. PNE Wind sieht das – natürlich – anders.

Der frühere WKN-Mehrheitseigner sieht in der millionenschweren Schadenersatzforderung daher auch vor allem Versuche von Kuprian und Billhardt, ihn aus dem Aufsichtsrat zu drängen. Eine Retourkutsche für seine Opposition gegen die Vergütungen von Vorstand und Aufsichtsrat und einer angeblichen Selbstbedienungsmentalität, die Friedrichsen hart kritisiert. Auch die jüngste Kapitalerhöhung von PNE Wind, bei der das Bezugsrecht der Aktionäre ausgeschlossen wurde, habe diesem Zweck gedient. Sein Anteil solle verwässert werden, sagt Friedrichsen mit Blick auf die kommenden Abstimmungen auf der Hauptversammlung – dies wäre für ihn ein Nachteil gewesen. Üblicherweise sind die Aktionärsversammlungen des Unternehmens an der Nordseeküste eher schwach besucht, sodass Friedrichsens 15-prozentiger Anteil schon ein großes Gewicht in den Abstimmungen darstellt. Mit den jüngsten Käufen hat der PNE-Aufsichtsrat allerdings diese Verwässerung wieder ausgeglichen und hält wieder mehr als 15 Prozent der PNE Aktien. Weitere Käufe wolle er nicht vornehmen, so Friedrichsen.

Mehr zum Thema: PNE Wind verkauft UK-Tochter – Aktie deutlich im Plus

Auf einem Blick - Chart und News: PNE AG

Exklusiv-Berichte und Interviews aus der 4investors Redaktion:

Baumot-Vorstand Stefan Beinkämpen im Exklusivinterview mit der 4investors-Redaktion über die anlaufende Diesel-Nachrüstung, die Folgen der Corona-Krise und die langfristigen Pläne in der Nach-Diesel-Zeit.Baumot: Optimismus für 2020 steigt klar an

4investors-Newsletter

Exklusive Interviews und Analysen für Sie aus der 4investors-Redaktion!

Der Newsletter ist kostenlos. Sie können den Newsletter jederzeit wieder abbestellen. Wir speichern Ihre Mailadresse ausschließlich zum Versand des Newsletters und geben diese nicht weiter! Bitte beachten Sie unsere Datenschutzerklärung.

4investors-News - PNE AG

15.05.2020 - PNE: Eine erfreuliche Entwicklung
13.05.2020 - PNE: „Im ersten Quartal wie geplant entwickelt”
15.04.2020 - PNE: Neues zur Hauptversammlung
02.04.2020 - PNE: Veränderte Strategie
19.03.2020 - PNE verändert die Strategie
20.02.2020 - PNE: Erfolge in Deutschland, Polen und Südafrika
10.01.2020 - PNE: Stockt Morgan Stanley den Anteil weiter auf?
07.01.2020 - PNE: Morgan Stanley holt sich rund 40 Prozent der Aktien
29.11.2019 - PNE: Eine klare Bestätigung
12.11.2019 - PNE: Eine hohe Wahrscheinlichkeit
11.11.2019 - PNE empfiehlt eigenen Aktionären Annahme der Offerte von Morgan Stanley Infrastructure Partners
07.11.2019 - PNE sieht sich „auf Jahressicht gut im Plan”
31.10.2019 - PNE AG - Übernahmeangebot von Morgan Stanley: Die Frist läuft
11.10.2019 - PNE: Fairer Preis für die Aktie
10.10.2019 - PNE vor Übernahme: Morgan Stanley bietet 4 Euro je Aktie
16.09.2019 - PNE: Analysten starten Beobachtung
28.08.2019 - PNE: Mit Übernahmeprämie
27.08.2019 - PNE vor Übernahme? Aktie deutlich im Plus!
16.08.2019 - PNE: Fortschritte auf den Auslandsmärkten
13.08.2019 - PNE: Ein sehr respektables Ergebnis

DGAP-News dieses Unternehmens

20.05.2020 - DGAP-News: PNE AG: Hauptversammlung beschließt ...
13.05.2020 - DGAP-News: PNE AG mit dynamischem Start in das Geschäftsjahr ...
15.04.2020 - DGAP-News: PNE AG führt reine Online-Hauptversammlung am 20. Mai ...
31.03.2020 - DGAP-News: PNE AG: Geschäftsjahr 2019 sehr erfolgreich ...
18.03.2020 - DGAP-Adhoc: PNE AG: PNE plant Ausweitung des Eigenbetriebs auf bis zu 500 MW bis Ende ...
18.03.2020 - DGAP-News: PNE AG: Ausweitung des Eigenbetriebs auf bis zu 500 MW bis 2023 ...
19.02.2020 - PNE-Gruppe startet mit neuen Projekten schwungvoll in 2020 ...
06.01.2020 - DGAP-News: MORGAN STANLEY INFRASTRUCTURE PARTNERS GIBT DAS ENDGÜLTIGE ERGEBNIS DES FREIWILLIGEN ...
29.11.2019 - DGAP-News: PNE AG: Vorstand und Aufsichtsrat der PNE AG empfehlen weiterhin Annahme des ...
27.11.2019 - PNE-Gruppe verkauft Windpark in Brandenburg an CEE ...

Stammdaten dieses Wertpapiers: WKN/ISIN, Börse etc.