SLM Solutions: „Halte einen Nachsteuergewinn für durchaus möglich“ - 4investors Exklusiv

28.04.2015, 08:47 Uhr - Autor: Michael Barck  Michael Barck auf Twitter  | 4nvestors auf: Twitter | Google News | Facebook

Uwe Bögershausen, Finanzvorstand beim TecDAX-Kandidaten SLM Solutions, im Interview mit der Redaktion von www.4investors.de.

Uwe Bögershausen, Finanzvorstand beim TecDAX-Kandidaten SLM Solutions, im Interview mit der Redaktion von www.4investors.de.

Hat der TecDAX-Kandidat SLM Solutions einen starken Jahresauftakt verzeichnet? Im Interview mit der Redaktion von www.4investors.de sagt Uwe Bögershausen, Finanzvorstand bei SLM Solutions, dass der Jahresauftakt „ordentlichen Rückenwind“ für 2015 gebe. Details will die Gesellschaft am 13. Mai vorlegen. Für das Gesamtjahr könnten sogar schwarze Zahlen unter dem Strich stehen. Geprägt wird das Bild derzeit allerdings von hohen Investitionen. Bögershausen verrät, warum 2015 ein spannendes Jahr für den Konzern werden soll.


www.4investors.de: SLM Solutions hat gerade die Zahlen für den Auftragseingang im ersten Quartal vorgelegt. Können Sie schon absehen, in welche Richtungen sich Umsatz und Ertrag in diesem Zeitraum entwickelt haben?

Bögershausen:
Die Umsatz- und Ertragskennzahlen für das erste Quartal 2015 kommunizieren wir wie angekündigt am 13. Mai. Was ich aber schon heute sagen kann: Das erste Quartal gibt uns ordentlichen Rückenwind für das laufende Geschäftsjahr. Wir haben unseren wertmäßigen Auftragseingang auf 14,4 Millionen Euro vervierfacht und sind erstmals mit einem nennenswerten Auftragsbestand in ein neues Jahr gestartet. Ein nennenswerter Teil unserer Umsatzguidance für 2015 steht schon in den Büchern. Für das Gesamtjahr streben wir einen Konzernumsatz zwischen 55 und 60 Millionen Euro an, nach rund 34 Millionen Euro im abgelaufenen Jahr. Dieser deutliche Zuwachs wird sich zum einen aus einer größeren Anzahl verkaufter Maschinen, zum anderen aus dem höheren Durchschnittspreis ergeben: Unser Produktmix verschiebt sich zunehmend in Richtung unseres Flaggschiffprodukts SLM 500HL, des derzeit leistungsstärksten Systems im metallbasierten 3D-Druck.

www.4investors.de: Sie erwarten für 2015 eine EBITDA-Marge zwischen 12 Prozent und 13 Prozent nach 13,4 Prozent im vergangenen Jahr. Was ist der Grund für den erwarteten Rückgang?

Bögershausen:
Wir investieren nach wie vor stark in Vertrieb und Service. Dabei handelt es sich um Investitionen, die wir zu einem größeren Teil nicht aktivieren können und die sich daher unmittelbar in unserer Gewinn- und Verlustrechnung niederschlagen. Diese Investitionen werden sich in den kommenden Jahren in Form höherer Umsätze und Margen nachhaltig bemerkbar machen. Meines Erachtens stehen wir mit 12 bis 13 Prozent operativer Marge aber bereits heute gut da. Und falls die Marge am Schluss doch etwas höher liegen sollte, freuen wir uns umso mehr.

www.4investors.de: Ist zu erwarten, dass SLM Solutions bei deutlich steigenden Umsätzen und zugleich sinkenden operativen Margen im kommenden Jahr unter dem Strich einen Gewinn erzielen wird?

Bögershausen:
Wir werden sehen. Ich halte einen Nachsteuergewinn für durchaus möglich. Im Jahr 2014 – das muss man wissen – war unser Nachsteuerergebnis durch diverse Einmaleffekte im Rahmen des Börsengangs verzerrt. Gleichwohl: Unsere wesentliche Ertragskennzahl bleibt die EBITDA-Marge, darüber hinaus geben wir keine Prognose ab.

www.4investors.de: Bleibt der Trend hin zu Multi-Laser-Systemen bestehen, der 2014 zu beobachten war? Wie wird sich dies in den kommenden Jahren auf ihre Marge auswirken?

Bögershausen:
Wir gehen fest davon aus, dass sich der Trend zu Multi-Laser-Systemen in den kommenden Jahren weiter verstärken wird. Der Anteil der Multi-Laser-Systeme an unserem Auftragseingang hat sich bereits 2014 auf 60 Prozent verdoppelt. Warum ist das so? Mittels der Multi-Laser-Technologie können unsere Kunden ihre Bauteilkosten über die höheren Bauraten deutlich reduzieren – bei der SLM 500 HL zum Beispiel um ein Drittel im Vergleich zur kleineren Maschine. Je ausgereifter unsere Technologie, umso größer die Zeit- und Kostenvorteile – und umso größer natürlich die Bereitschaft unserer Kunden, dafür zunächst etwas mehr Geld auszugeben. Das wirkt sich für uns positiv aus – sowohl mit Blick auf unseren Produktmix und Konzernumsatz als auch mit Blick auf unsere Marge.

www.4investors.de: Sie haben nach dem Börsengang im vergangenen Jahr immer noch eine sehr hohe Liquidität. Wollen Sie 2015 stärker investieren, oder wofür sollen die Gelder genutzt werden, zumal Sie Ausschüttungen an die Aktionäre mit Blick auf die Wachstumspläne ja derzeit ausschließen?

Bögershausen:
Wie angekündigt werden wir 2015 nach wie vor stark investieren, um unser internationales Vertriebs- und Servicenetzwerk weiter auszubauen. Unter anderem strecken wir unsere Fühler derzeit nach weiteren asiatischen Ländern aus, z. B. nach China oder Indien. Auch das Thema Forschung und Entwicklung sowie das Geschäft mit Verbrauchsmaterialien stehen nach wie vor auf unserer Agenda. Wir haben eine Menge vor, 2015 wird ein spannendes Jahr für uns und unser wachsendes Team!

www.4investors.de: Sie wollen das Geschäft mit Metallpulvern, Verbrauchsmaterialien im „3D-Druck“, deutlich ausbauen. Wird das eher im Rahmen einer Übernahme oder einer Partnerschaft von statten gehen? Wie weit sind Sie mit Ihren Planungen hier bisher vorangekommen?

Bögershausen:
Was das Geschäft mit Verbrauchsmaterialien angeht, prüfen wir derzeit mehrere Optionen. Eine strategische Partnerschaft mit einem Metallpulverhersteller kommt dabei grundsätzlich ebenso in Frage wie eine Akquisition. Ich gehe davon aus, dass wir dazu im Verlauf des aktuellen Geschäftsjahres mehr berichten können. Fest steht: Das Geschäft mit Metallpulver ist nicht nur ein nachhaltiger Umsatztreiber, sondern auch besonders margenstark.

www.4investors.de: Welche Schwerpunkte wollen Sie bei den Aktivitäten im Bereich Forschung und Entwicklung sowie Vertrieb in den Jahren 2015 und 2016 setzen?

Bögershausen:
Im Bereich Forschung und Entwicklung arbeiten wir daran, unsere Technologie und unsere Maschinen Schritt für Schritt nach vorne zu bringen – etwa was die Vergrößerung des Bauraums, die weitere Steigerung der Bauraten und die Verfeinerung unserer Multi-Laser-Technologie angeht. Wir beobachten aktuell, dass unsere Kunden in aller Welt immer mehr Einsatzmöglichkeiten für das selektive Laserschmelzen entdecken – das Potential der Technologie ist enorm! Unter anderem überraschen uns die schnellen Fortschritte in der Automobilindustrie. Das spornt uns natürlich besonders an, unsere Technologieführerschaft auf absehbare Zeit zu verteidigen. Im Vertrieb wollen wir unseren Internationalisierungskurs fortsetzen. 2014 haben wir bereits unser Vertriebsteam in den USA verdreifacht und erste größere Schritte in Singapur gemacht, 2015 und 2016 werden wir sukzessive weitere vielversprechende Märkte erschließen – vor allem in Asien.

www.4investors.de: Ihr Aktienkurs hat die Hausse des TecDAX seit Mitte Oktober nur geringfügig mitgemacht. Worauf führen Sie die vergleichsweise schwache Performance der SLM Aktie zurück?

Bögershausen:
Meines Erachtens hat sich die SLM-Aktie im Vergleich zu anderen 3D-Drucker-Aktien seit unserem Börsengang im vergangenen Mai gut und ziemlich stabil entwickelt. Und ich glaube, dass sich unsere operativen Erfolge auf Dauer über kurz oder lang auch im Aktienkurs niederschlagen werden. Wir kommunizieren sehr klar mit dem Kapitalmarkt und sagen nur das zu, was wir auch liefern können. Auf mittlere bis lange Sicht wird der Kapitalmarkt dies honorieren, da bin ich überzeugt.

www.4investors.de: Ende 2014 waren Sie im Interview mit unserer Redaktion enttäuscht, dass es die SLM-Aktie nicht in den TecDAX geschafft hat. Rechnen Sie sich angesichts der Statistiken zur Umsatz- und Marktkapitalisierung für die kommenden Termine zur Überprüfung der Indexzusammensetzung Chancen auf einen schnellen TecDAX-Einzug aus?

Bögershausen:
Über eine Aufnahme in den TecDAX würden wir uns natürlich freuen, nicht zuletzt aufgrund der höheren Aufmerksamkeit, die eine Indexzugehörigkeit mit sich bringt. Das ist für uns aber nicht entscheidend – zumal wir uns über mangelnde Aufmerksamkeit internationaler Investoren schon heute nicht beklagen können. Darüber hinaus konzentrieren wir uns in erster Linie auf unser operatives Geschäft – und darauf, die Revolution der industriellen Fertigung entscheidend zu prägen.

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