MOLOGEN Aktie in der Achterbahn: „Keinen Grund für den Kursrückgang“ - Interview

MOLOGEN-Finanzvorstand Jörg Petraß im 4investors-Interview – Bild und Copyright: MOLOGEN AG.

MOLOGEN-Finanzvorstand Jörg Petraß im 4investors-Interview – Bild und Copyright: MOLOGEN AG.

Nachricht vom 21.10.2014 21.10.2014 (www.4investors.de) - Bevor es in den vergangenen Tagen für die MOLOGEN Aktie wieder deutlich nach oben ging, war das Papier deutlich gefallen – ohne operativen Hintergrund, wie MOLOGEN-Finanzvorstand Jörg Petraß im 4investors-Interview betont. Der Manager nimmt im Gespräch ausführlich Stellung zum Flaggschiff-Projekt MGN1703. Für die Fertigstellung der Phase III Studie mit dem Krebsmedikament werde man ca. 30 Millionen Euro benötigen, so Petraß. Derweil läuft die klinische Testreihe wie geplant an. Auch die vielen Gerüchte um einen Großaktionär und den Aufsichtsratschef sind ein Thema.


www.4investors.de: Die MOLOGEN-Aktie ist seit Mitte des vergangenen Jahres stark gefallen, hat sich trotz der positiven Entwicklungen in ihrer Medikamentenpipeline deutlich schlechter als der Markt entwickelt. Worauf führen sie das zurück? Wieso kommt ihr Aktienkurs nicht auf die Beine?

Petraß: Das ist völlig richtig und auch wichtig zu betonen: Der Kurs ist in den vergangenen Monaten gefallen, obwohl wir regelmäßige positive Nachrichten zu unseren Produktentwicklungen veröffentlicht haben. Erst kürzlich haben wir über ein neues Produkt in unserer Pipeline berichtet: EnanDIM, eine neue Generation der MOLOGEN-Immunmodulatoren. Zudem kommen wir bei unseren klinischen Entwicklungsprogrammen gut voran, insbesondere mit unserem Hauptprodukt MGN1703, und haben bei den bisherigen Auswertungen durchweg positive und sehr vielversprechende Daten gesehen. Es gibt also keinen Grund für den Kursrückgang mit Blick auf das operative Geschäft. Aber anscheinend gibt es Marktteilnehmer, die sich von MOLOGEN-Aktien trennen. Wir werden natürlich weiterhin zeitnah und transparent über den Fortschritt der klinischen Studien und über wesentliche Ereignisse berichten.

www.4investors.de: Gibt es Hinweise darauf, dass bei ihnen Großaktionäre wie Thorsten Wagner respektive die Global Derivative Trading GmbH Anteile abbaut, nachdem sie im Februar infolge der Kapitalerhöhung unter die 25-Prozent-Schwelle gerutscht ist, oder auch die seit Jahren defizitär arbeitende Salvator Vermögensverwaltungs GmbH als Verkäufer aktiv ist?

Petraß: Wir halten regelmäßigen Kontakt zu unseren Großaktionären. Übrigens genauso wie wir kontinuierlich auch mit potenziellen Neuinvestoren im Rahmen der Kapitalmarktkommunikation sprechen. Bislang sind uns keine offiziellen Mitteilungen zugegangen, die auf eine wesentliche Änderung der Aktionärsstruktur schließen lassen.

www.4investors.de: Ihr Großaktionär Wagner und unter anderem auch MOLOGEN-Aufsichtsratschef Oliver Krautscheid sind regelmäßig Gegenstand von sehr kritischen Berichten auf einer Internetseite. Die persönlichen Angriffe der Autoren dieser Internetseite einmal beiseite gelassen – wie kommentieren sie die rein sachlichen Dinge in diesen Berichten, insbesondere in Bezug auf die Stimmrechte bei ihrer jüngsten Hauptversammlung vom 13.8.?

Petraß: Oliver Krautscheid ist von der Hauptversammlung in den Aufsichtsrat gewählt worden. Herr Krautscheid verfügt über umfassende Aufsichtsrats-Erfahrung und -Expertise. Wir arbeiten unverändert vertrauensvoll mit dem Aufsichtsrat zusammen. Die von ihnen angesprochene Kampagne gegen Herrn Krautscheid ist uns bekannt, allerdings stehen die Hintergründe in keinem Zusammenhang mit dem operativen Geschäft der MOLOGEN AG. Daher möchten wir die im Internet geäußerten Mutmaßungen nicht kommentieren. Was die Hauptversammlung betrifft: Grundsätzlich ist für den ordnungsgemäßen Ablauf, die Feststellung der Präsenz und die Abstimmungen der Versammlungsleiter verantwortlich. Er wird im Regelfall, und wurde auch bei uns, zusätzlich von rechtlichen Beratern unterstützt. Gleichzeitig hat auch der Notar den Ablauf, die Abstimmungen und die Feststellung der Präsenz kontrolliert.

MGN1703: „Nach aktuellen Schätzungen werden wir ca. 30 Millionen Euro benötigen“


www.4investors.de: Ihr Cashposten dürfte bis Ende 2015/Anfang 2016 reichen, die Studien mit ihrem Flaggschiff MGN1703 dauern deutlich darüber hinaus. In den kommenden Monaten müssen sie also aktiv werden. Wie viel Geld benötigen sie zusätzlich zu den aktuellen Cash-Beständen, um MGN1703 zur Marktreife zu entwickeln?

Petraß: Nach aktuellen Schätzungen werden wir ca. 30 Millionen Euro benötigen, um die Phase III-Studie zu finalisieren. Wir haben bereits im Rahmen unserer Kapitalerhöhung im Februar 2014 darauf hingewiesen, dass weitere Mittel zur Fertigstellung der Studie erforderlich sein werden. Die Investoren haben ihr Vertrauen in das Unternehmen und in die Entwicklung unseres Hauptproduktes MGN1703 durch ihre Teilnahme an der Kapitalerhöhung bewiesen.

www.4investors.de: Seit der letzten Kapitalerhöhung im Februar hat sich der MOLOGEN-Aktienkurs deutlich verringert. Wollen und können sie in diesem Umfeld eine weitere Kapitalerhöhung durchführen?

Petraß: Grundsätzlich steht uns der Kapitalmarkt zur Mittelaufnahme zur Verfügung. Wir stehen nicht unter zeitlichem Druck, eine Kapitalerhöhung in dem derzeit schwierigen Marktumfeld durchführen zu müssen. Zudem sind wir weiterhin mit potenziellen Lizenzpartnern für das Produkt MGN1703 in Gesprächen und stehen in regelmäßigem Informationsaustausch. Diese Aktivitäten führen wir parallel zu unseren Studien mit dem Ziel der Auslizenzierung von MGN1703 fort. Natürlich lässt sich der Zeitpunkt eines positiven Abschlusses nicht sicher vorhersagen. Wir werden daher zu gegebener Zeit entscheiden, in welcher Art und Weise wir die benötigten finanziellen Mittel aufnehmen.

www.4investors.de: Welche Rolle spielen in den Jahren bis 2017 für sie Lizenzabkommen bei der Finanzierung? Wann wollen sie Partner für MGN1703 und andere Projekte aus ihrer Pipeline an Bord holen?

Petraß: Wir sind generell an Partnerschaften interessiert, nicht nur für Produkte, die sich bereits in der klinischen Entwicklung befinden, sondern auch für unsere Forschungsprojekte. Der Schwerpunkt liegt derzeit aber eindeutig auf unserer Krebs-Immuntherapie MGN1703. Die aufgenommenen Gespräche werden weiter geführt und wir informieren unsere Gesprächspartner über aktuelle Entwicklungen, so auch über unsere neue EnanDIM-Technologie, die sich derzeit in der präklinischen Entwicklung befindet. Wir haben kürzlich zu diesem neuen Produkt präklinische Daten auf einem namhaften Kongress der Fachwelt vorgestellt. EnanDIM ist eine neue Generation unserer immunaktivierenden TLR-9-Agonisten. Aufgrund des mit MGN1703 vergleichbaren Wirkmechanismus erwarten wir von EnanDIM ebenfalls eine umfassende Immunaktivierung bei gleichzeitig guter Verträglichkeit. EnanDIM ist aber ein einzelsträngiges Molekül und hat daher für uns zusätzliche Vorteile, beispielsweise Kostenvorteile bei der Produktion. Mögliche Anwendungen umfassen die Bereiche der Krebs-Immuntherapien und Anti-Infektiva. Wir demonstrieren hier abermals, dass wir unsere Pipeline mithilfe unserer Innovationskraft auffüllen können, und zwar mit Produktkandidaten, die ein überdurchschnittliches Marktpotenzial besitzen.

An der bestehenden Doppelstrategie aus Lizenzgesprächen und gleichzeitiger Steigerung des Produktwerts durch Weiterentwicklung in Eigenregie hat sich dabei nichts geändert.

MOLOGEN: „Wir planen auch Studienzentren in den USA hinzuzunehmen“


www.4investors.de: Wie lang ist denn derzeit die Schlange interessierter Vermarktungspartner?

Petraß: Grundsätzlich stehen wir mit den relevanten Pharma- und Biotechunternehmen in Kontakt. Bitte haben sie Verständnis, dass ich aus Vertraulichkeitsgründen keine weiteren Informationen dazu geben kann.

www.4investors.de: Die Phase-3 IMPALA-Studie für MGN1703 ist bislang auf Europa begrenzt. Wie wollen sie in den USA vorgehen? Werden weitere Studienzentren hier in die Studie einbezogen, auch als Vorbereitung für eine spätere Vermarktbarkeit des Medikaments bei einer erfolgreichen Studie und anschließender Zulassung?

Petraß: Wir planen im Verlauf der Studie auch Studienzentren in den USA hinzuzunehmen. Wir haben zudem bereits als Voraussetzung einer möglichen Vermarktung eine Sicherheitsstudie in den USA mit dem Wirkstoff MGN1703 im Dezember 2013 erfolgreich abgeschlossen. Das IMPALA-Studiendesign ist so gewählt, dass wir davon ausgehen können, mit positiven Daten auch die Zulassung für die USA beantragen und erlangen zu können.

www.4investors.de: In einer Analyse haben Experten kürzlich geschrieben, dass sie eine Erfolgschance von 65 Prozent für das Projekt sehen. Würden sie sich einer solchen Prognose für MGN1703 anschließen?

Petraß: Wir freuen uns über jede Form von positiver Bewertung, geben für unsere Entwicklungsprogramme aber keine quantifizierten Erfolgswahrscheinlichkeiten an. Dies überlassen wir gern den von ihnen zitierten Experten. Bislang haben wir bei der Entwicklung von MGN1703 ausschließlich positive Studienergebnisse erzielt. Diese positiven Daten müssen jetzt in der Zulassungsstudie-IMPALA bestätigt werden. Für diese Studie konnten wir hoch angesehene medizinische Experten und Studienzentren in vielen europäischen Ländern gewinnen. Auch haben wir die Ergebnisse auf den international renommiertesten wissenschaftlichen Konferenzen präsentiert und sehr ermutigende Rückmeldungen aus der Fachwelt erhalten. Wir vertrauen daher voll auf die Leistungsfähigkeit dieses Produkts.

www.4investors.de: Jüngst haben sie gemeldet, dass der erste Patient im Rahmen der IMPALA-Studie behandelt wurde. Wie ist die Studie seitdem vorangekommen?

Petraß: Die Patientenrekrutierung läuft erwartungsgemäß und die notwendigen technischen und logistischen Prozesse funktionieren gut. Wir gehen davon aus, dass die Rekrutierung plangemäß bis Ende 2016 abgeschlossen werden kann. (Redakteur: Michael Barck  Michael Barck auf Twitter )

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