Börse am Morgen: Deutsche Post, Euro, Anleihen und Konjunkturdaten - Nord/LB
Die Stimmung in der deutschen Elektroindustrie hat sich im September deutlich verbessert. Das Ifo-Geschäftsklima stieg auf 24,8 Punkte, getragen von einer besseren Geschäftslage, steigenden Neuaufträgen und optimistischeren Erwartungen. Die Branche profitiert von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz und entwickelt sich laut Ifo zunehmend zur „Konjunkturlokomotive“ der deutschen Industrie. Risiken bestehen jedoch in Lieferengpässen bei Vorprodukten, da rund 40% der Unternehmen über Materialknappheiten berichten.
Bundesbankpräsident Joachim Nagel betonte gestern in London, dass die EZB ihre geldpolitischen Instrumente, einschließlich des TPI-Programms, ausschließlich zur Sicherung der Preisstabilität einsetzt und nicht zur Steuerung bestimmter Renditeaufschläge ((Spreads) – siehe unten im Rententeil). Trotz steigender Staatsanleiherenditen im Euroraum, insbesondere angesichts der Sorgen um Frankreichs Haushaltslage, sei das TPI nur bei ungerechtfertigten und ungeordneten Marktverwerfungen vorgesehen.
Tagesausblick
Zum heutigen Wochenausklang dürften zunächst die vorläufigen Inflationsdaten der Eurozone das Interesse der Finanzmärkte auf sich ziehen. Unsere Prognose eines Anstiegs auf 3,6% Y/Y spricht für einen nochmals höheren Preisauftrieb, während die unveränderte Kernrate von 2,5% keine zusätzliche Verschärfung der zugrunde liegenden Preisdynamik erwarten lässt. Der Höhepunkt folgt aber am Nachmittag mit dem US-Arbeitsmarktbericht. Nach 162.000 neuen Stellen und einer Arbeitslosenquote von 4,1% im August rechnen wir für September mit 100.000 Stellen und einem Anstieg der Quote auf 4,2%. Eine Bestätigung unserer Prognose würde auf eine nachlassende Beschäftigungsdynamik hindeuten (ohne bereits einen deutlichen Einbruch am Arbeitsmarkt zu signalisieren) und dürfte vor allem an den Renten- und Devisenmärkten Beachtung finden.
Renten- und Aktienmärkte
Die Sorgen um die angespannte Haushaltslage und die hohe Staatsverschuldung Frankreichs haben die Rendite 10-jähriger französischer Staatsanleihen am Donnerstag auf fast 5% (4,96%) und damit auf den höchsten Stand seit über 20 Jahren steigen lassen. Auch der Risikoaufschlag gegenüber Bundesanleihen weitete sich auf ein Mehrjahreshoch aus (140 Basispunkte). Anleger fordern damit fast jeden Tag eine signifikant höhere Risikoprämie für ein Investment in französische Staatsschulden (schon seit geraumer Zeit handeln die Prämien am Markt für Kreditausfallversicherungen zur Abdeckung eines Zahlungsausfalls Frankreichs teurer als bspw. für Italien oder Griechenland). Gleichzeitig setzt sich auch der globale Renditeanstieg unvermindert fort. USStaatsanleihen stehen weiter unter Druck, wobei die Rendite zehnjähriger Treasuries gestern Intraday mit 5,34% sogar den höchsten Stand seit 24 Jahren erreicht hat. Hintergrund sind Erwartungen, dass Inflation und höhere Energiepreise die Zinsen in den USA und auch in Europa viel länger als bisher antizipiert (und entsprechend vom Bondmarkt eingepreist) auf einem erhöhten Niveau halten werden.
Gestern war der Kick-Off in ein neues Börsenquartal. Es sind nur noch 84 Tage bis zur Bescherung am Heiligen Abend. Seit Jahresbeginn hat der dt. Leitindex (Stand 01.10.2026) 1,8% Rendite erwirtschaftet. In das letzte Quartal des Jahres starteten die dt. Aktienmärkte jedenfalls mit roten Vorzeichen. Ob dies ein gutes Vorzeichen für eine Jahresendrallye ist? DAX -1,03%; MDAX -1,92%; TecDAX -0,55%; Dow +0,44%; S&P 500 +0,19%; Nasdaq Comp. +0,04%.
Unternehmen
Die Deutsche Post übernimmt den Paketstationsanbieter myflexbox (Anbieter aus Österreich) vollständig und bündelt dessen Netz mit der eigenen Tochter DeinFach. Dadurch entsteht das größte anbieteroffene Paketstationsnetz im deutschsprachigen Raum, das unter der Marke myflexbox weiter ausgebaut wird. Bis 2030 will die Deutsche Post ihr Automatennetz in Deutschland auf rund 50.000 Stationen erweitern, wobei mindestens die Hälfte offene myflexbox-Stationen sein sollen.
Devisen
Der Euro geriet am Donnerstag in der Gemengelage der französischen Staatsschulden deutlich unter Druck und fiel auf den niedrigsten Stand seit Mai 2025 (während im Gegenzug der US-Dollar von seinem Status als sicherer Hafen profitierte). Marktteilnehmer und Devisenhändler sehen überdies in den hohen Energiepreisen und der steigenden Inflation im Euroraum weiterhin ein erhebliches Risiko für Wachstum und Konjunktur, was in der Konsequenz die europ. Gemeinschaftswährung zusätzlich belastet. Trotz der bereits eingeleiteten und erwarteten weiteren Zinserhöhungen der EZB konnte der Euro damit bislang keinen nachhaltigen Auftrieb ggü. dem Greenback gewinnen.
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