Enapter Aktie: Experte zieht nach Strategiewechsel die Reißleine
Enapter wächst zwar wieder deutlich, doch für eine belastbare Bewertung reicht das mwb research vorerst nicht mehr. Nach dem tiefgreifenden Strategiewechsel stellt das Researchhaus sowohl Anlageurteil als auch Kursziel unter Überprüfung. Grund sind offene Fragen zu Finanzierung, künftiger Kostenstruktur und Geschäftsentwicklung. Im ersten Halbjahr 2026 hat Enapter den Umsatz nahezu verdoppelt, schreibt aber weiterhin hohe Verluste. Die in den letzten Jahren stark gefallene Enapter Aktie steigt aktuell um 4,63 Prozent auf 1,04 Euro.
Der vorläufige Halbjahresumsatz erhöhte sich von 5,6 Millionen Euro auf 10,8 Millionen Euro. Das EBITDA verbesserte sich von minus 8,1 Millionen Euro auf minus 4,5 Millionen Euro. mwb führt den Umsatzanstieg allerdings vor allem auf die Abarbeitung des Ende 2025 vorhandenen Auftragsbestands von 36 Millionen Euro zurück und sieht darin noch keinen Beleg für eine grundlegende Nachfragebelebung. Das EBIT von minus 28,5 Millionen Euro enthält eine bereits erwartete Wertberichtigung von 19,8 Millionen Euro auf den Standort Saerbeck. Ohne diesen Effekt hätte der operative Verlust bei rund 8,7 Millionen Euro gelegen. Im zweiten Halbjahr droht eine weitere Belastung von 17 Millionen Euro aus Forderungen gegenüber Clean H2. Die vollständigen Halbjahreszahlen will Enapter am 30. September vorlegen.
Mit dem strategischen Neustart verlagert Enapter den Schwerpunkt stärker nach China und reduziert zugleich die eigene Kapitalbindung. Bei der Produktion der Elektrolyse-Stacks arbeitet das Unternehmen mit dem chinesischen Hersteller Runqing zusammen. Die ersten 100 Stacks wurden bereits gefertigt, bis zum Jahresende sollen es mehrere Tausend werden. Das neue Modell soll Enapter Zugang zu günstigeren Produktionsstrukturen und einer breiteren Lieferantenbasis verschaffen, ohne selbst entsprechende Fertigungskapazitäten vorhalten zu müssen.
Wichtige Finanz-Fragen sind ungeklärt
Finanziell bleiben jedoch wesentliche Punkte offen. Enapter hatte im August eine Kapitalerhöhung über 10 bis 12 Millionen Euro angekündigt, die bislang noch nicht formal abgeschlossen ist. Gleichzeitig fehlt ein finanzieller Ausblick für die neue Strategie. mwb hält deshalb seine bisherigen Prognosen nicht mehr für ausreichend belastbar und wartet auf konkretere Angaben zum neuen Geschäftsmodell sowie die Bestätigung der Kapitalmaßnahme.
Die bisherigen Schätzungen sahen für 2026 einen Umsatz von 39,7 Millionen Euro und einen Verlust je Enapter Aktie von 1,55 Euro vor. Für 2027 wurden 55,6 Millionen Euro Umsatz und minus 0,04 Euro je Aktie erwartet, für 2028 schließlich 75,0 Millionen Euro und ein Gewinn von 0,14 Euro. Eine Dividende war für keines der drei Jahre eingeplant. Diese Prognosen stehen nach dem Strategiewechsel nun jedoch ausdrücklich auf dem Prüfstand.
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