Börse am Morgen: Agile Robots, Ryanair, EZB, Anleihen, Ölpreise - Nord/LB
Das DIW zeigt sich optimistischer für die deutsche Wirtschaft und hebt seine Wachstumsprognose für 2026 auf 1,2% an. Für 2027 erwartet das Institut nun ein Plus von 1,0%. Stützend wirken die robuste Entwicklung des Außenhandels und ein Energiepreisschock (Iran-Krieg), der geringerer als zunächst befürchtet war. Wichtigste Wachstumstreiber bleiben staatliche Investitionen in Infrastruktur, Klimaschutz und Verteidigung. Im Juni hatte das DIW seine Prognose für das laufende Jahr noch auf 0,5% halbiert und für 2027 ein Wachstum von 0,8% in Aussicht gestellt.
Die Angebotspreise für Wohnimmobilien in Deutschland sind seit März 2025 laut IWH um2,5% gestiegen und damit deutlich schwächer als im europäischen Durchschnitt von 6,6%. Grundlage ist der erstmals veröffentlichte European Real Estate Index, der 43 Mio. Immobilienangebote in 1.154 europ. Regionen auswertet. Nach Angaben des IWH ermöglichen die Daten eine frühzeitige Einschätzung regionaler Markttrends. Angesichts der hohen Bedeutung von Wohnimmobilien für Vermögen privater Haushalte, die Kreditvergabe und die Finanzstabilität liefert der Index zudem wichtige Impulse für Forschung und Wirtschaftspolitik. Wohnimmobilien machen zwischen 50% und 72 des Nettovermögens privater Haushalte aus. Darüber hinaus entfielen in 2022 fast 40% der Kredite und Forderungen von Banken (Euroraum) auf diesen Sektor.
Die US-Wirtschaft ist laut dem Konjunkturbericht der Fed (Beige Book) zuletzt leicht gewachsen. Preise und Beschäftigung legten moderat zu. Der Ausblick bleibt grundsätzlich positiv, allerdings sorgen höhere Energiepreise, geopolitische Unsicherheiten und internationale Konflikte für Zurückhaltung. Zudem erschwert die gestiegene Preissensibilität der Verbraucher vielen Unternehmen die Weitergabe höherer Kosten.
Tagesausblick
Heute wird eine ganze Reihe spannender Wirtschaftsindikatoren erwartet, z.B. Inflationszahlen aus der Schweiz, PMIs aus europäischen Ländern und Daten aus den USA. Als spannendste Zeitreihe aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten dürften heute die Einkaufsmanagerdaten aus dem Services-Bereich gelten. Wir erwarten eine anhaltend positive Dynamik. Außerdem beginnt ab heute die sog. „Quiet Period“ der EZB. Das Schweigen wird bei den beiden großen Notenbanken EZB und Fed sodann erst wieder gebrochen, wenn die jeweilige Zinsentscheidung feststeht.
Renten- und Aktienmärkte
Die Renditen deutscher und europäischer Staatsanleihen waren im Tagessaldo nahezu unverändert. Zuvor erreichte die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen aber mit 3,39% den höchsten Stand seit April 2011. Der Stimmungswandel kam durch eine Rede von Fed-Vertreter John Williams, der auf nachlassenden Inflationsdruck verwies. US-Anleihen schafften daraufhin sogar ein Kursplus.
DAX -0,50%; MDAX -0,67%; TecDAX -0,30%. Der DAX litt gestern unter den zunächst deutlich gestiegenen Anleiherenditen und der Erwartung weiterer Zinserhöhungen. Auch die Wall Street startete nach schwächer als erwartet ausgefallenen Daten zum US-Arbeitsmarkt (ADP) leichter, bevor auch hier die Rede von John Williams half, die Kurse ins Plus zu drehen. Dow Jones +0,56%; S&P 500 +0,46%; Nasdaq Comp. +0,45%.
Unternehmen
Das Münchener Roboter-Startup Agile Robots sieht im Markt für humanoide Roboter langfristig größeres Potenzial als in der Automobilindustrie. Gründer Zhaopeng Chen erwartet, dass KI-gesteuerte Roboter den Fachkräftemangel abfedern und Beschäftigte unterstützen statt ersetzen. Auch Roland Berger rechnet der Branche langfristig ein Marktvolumen von USD 4 Billionen zu und sieht Chancen für die Rückverlagerung arbeitsintensiver Prozesse nach Europa. Agile Robots, unterstützt unter anderem von Softbank und Xiaomi, steigerte seinen Umsatz 2025 auf EUR 320 Mio. und erwartet für dieses Jahr eine Verdopplung. Zu den Wettbewerbern zählen Neura Robotics, Robco und Unitree.
Ryanair hat wegen der stark gestiegenen Treibstoffkosten seine Passagierprognose für das Geschäftsjahr 2026/27 von 216 auf 214 Millionen Fluggäste gesenkt und vor einem Gewinnrückgang gegenüber dem Rekordvorjahr gewarnt. Als Reaktion auf die hohen Kerosinpreise will Europas größter Billigflieger seine Winterkapazitäten stabil halten, um die saisonalen Verluste zu begrenzen. Belastend wirken vor allem die infolge des Irankriegs deutlich gestiegenen Ölpreise, obwohl Ryanair einen Großteil seines Treibstoffbedarfs abgesichert hat. Bereits im Sommer reduzierte die Airline ihr Angebot in Belgien und strich dort zwei Millionen Sitzplätze.
Rohstoffe
Die Ölpreise kletterten gestern nach gegenseitigen Angriffen im Nahen Osten zunächst weiter. Am Nachmittag trat aber eine Stabilisierung ein.
Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
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