Börse am Morgen: Alphabet, Drägerwerk, GEA, SAP, Tesla, Börsentermine - Nord/LB
Die britische Inflation hat sich im Juni überraschend stark abgeschwächt und verschafft dem neuen Premierminister Andy Burnham eine vorübergehende Atempause. Die Verbraucherpreise stiegen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 2,6%, nach 2,8% im Mai, wie das Statistikamt ONS bekanntgab. Dies ist der niedrigste Wert seit März 2025. Ökonomen rechneten lediglich mit einem Rückgang auf 2,7%. Grund für die Entspannung waren v. a. gesunkene Benzinpreise infolge der vorübergehenden Deeskalation im Iran-Konflikt.
Tagesausblick
In Frankfurt am Main kommt heute der Kreis der Zentralbanker zusammen, welcher den Leitzins für die Eurozone festsetzt. Die zwischenzeitlichen Entspannungstendenzen in der Straße von Hormus, und folglich auch an der Preisfront, dürfte die EZB zum Ausharren bewegen. Die Mehrheit der befragten Volkswirte geht entsprechend von einem „No-Event“ aus. Es gilt natürlich ganz genau den Ausführungen von Christine Lagarde zu lauschen, ob sich hier und da nicht doch Hinweise auf die künftige Entwicklung der Geldpolitik verbergen. Zudem läutet SAP wie üblich die Bilanzsaison der deutschen Großkonzerne ein. Anleger richten ihr Hauptaugenmerk auf Aussagen zum KI-Geschäft, nachdem SAP zur Finanzierung der Investitionen in die Zukunftstechnologie den Sparkurs verschärfte.
Aktienmärkte
Nach einem verhaltenen Handelsstart knüpfte der DAX an seine Vortagesgewinne an. Der Leitindex stieg auf 25.197 Punkte und kletterte damit über die 21-Tage-Durchschnittslinie als Indikator für den kurzfristigen Trend. Gestützt wurde der Leitindex von einem Kurssprung bei den Aktien des Schwergewichtes Airbus - der weltgrößte Flugzeugbauer will seinen Gewinn dank der starken Nachfrage nach Passagierjets bis 2029 kräftig nach oben treiben. DAX +0,58%; MDAX +0,53%; TecDAX +0,33%.
Vor den nachbörslich anstehenden Quartalsbilanzen mehrerer TechSchwergewichte haben sich die Anleger an der Wall Street zurückgehalten. Neben Texas Instruments und IBM legten mit Alphabet und Tesla dabei auch zwei der „Magnificent 7“ ihre Zahlen vor. Dow Jones -0,01%; S&P 500 -0,14%; Nasdaq Comp. -0,57%.
Unternehmen
Der Anlagenbauer GEA hat nach einem überraschend starken Q2 seine Prognose für das lfd. Jahr angehoben. Beim Umsatz rechnet das Unternehmen nun mit einem organischen Wachstum von 6% - 8% (zuvor: 5% -7%). Im abgelaufenen Quartal übertraf der Konzern die Markterwartungen: Der Umsatz lag mit einem Plus von 11% bei 1,44 Mrd. EUR, die Ebitda-Marge bei 17,4%.
Der Medizintechnikkonzern Drägerwerk hat weitere Zollrückerstattungen erhalten und hebt seine Gewinnprognose für das lfd. Jahr an. Einschließlich Zinszahlungen werde dafür in Q3 ein Ertrag von 14,2 Mio. EUR verbucht. Damit steige die Ergebniserwartung für das Gesamtjahr.
Tesla hat erstmals seit mehr als 2 Jahren mit hohen Ausgaben für KI und Robotik Geld verbrannt. Das Unternehmen verzeichnete in Q2 einen negativen Cashflow, also einen Mittelabfluss, von 1,1 Mrd. USD. Unter Anlegern werden zunehmend Fragen laut, wann sich die massiven Ausgaben auszahlen werden. Die Entwicklung von Technologien für autonomes Fahren verläuft langsamer als von Experten erwartet. Zudem verfehlte Tesla mehrfach selbstgesteckte Ziele. So wächst das RobotaxiNetzwerk langsamer als angekündigt. Die Produktion des eigens entwickelten Robotaxis kommt nach Musks Angaben nur zögerlich in Gang. Das klassische Autogeschäft zeigte sich zuletzt hingegen robust.
Die milliardenschweren Investitionen in neue Rechenzentren zahlen sich für Alphabet aus. Die Cloudsparte der Tochter Google beschleunigte ihr Wachstum in Q2. Die Umsätze von Google Cloud stiegen um 82% auf 24,8 Mrd. USD. Analysten hatten mit einem Plus von 70% gerechnet. Der Konzernumsatz stieg währungsbereinigt um 23% auf 119,8 Mrd. USD. Gleichzeitig vervierfachte sich der Gewinn je Aktie auf 9,11 Dollar. Diese Kennziffern übertrafen die Markterwartungen ebenfalls.
Devisen und Rohstoffe
Unter dem Strich tut sich beim EUR-USD-Wechselkurs seit Ende Juni kaum etwas. Nach den jüngsten Zinssignalen der Währungshüter aus den USA und der Eurozone fehlen wesentliche Impulse.
Nach den anhaltenden Angriffe der USA auf den Iran (11. Tag) haben die Ölpreise anfängliche Aufschläge deutlich ausgeweitet.
Die psychologisch wichtige Marke von 4.000 USD scheint am Goldmarkt zu halten, obwohl der Ölpreis mit deutlichen Gewinnen in die neue Woche gestartet ist und ETF-Investoren wieder verstärkt Mittel abziehen. Eine stärkere Erholung scheint aber durch die Zinssorgen in den USA schwierig.
Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
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