Börse am Morgen: 3M, GM, Windenergie, Konjunkturdaten, Börsentermine - Nord/LB
Die Stimmung unter den Analysten und Finanzmarktexperten hat sich im Juli eindeutig verbessert. Wie das ZEW (Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung) gestern mitteilte, stieg der Indikator für die Erwartungen um mehr als 15 Punkte auf 26,3 (Deutschland) bzw. auf 23,4 (Währungsunion). Auch die Einschätzung über die aktuelle wirtschaftl. Lage hat sich erholt; der Indikator stieg zwar nur um 3,4 auf - 77,6 Punkte, aber auch das war mehr als von Analysten zuvor erwartet. Die seit Mai zu beobachtende Aufhellung setzt sich damit fort. Das ist bemerkenswert, weil die Umfrage in eine Zeit einer neuerlichen Eskalation im Nahen Osten fällt. Das auch die Einschätzung der aktuellen Lage etwas positiver ausfällt, deutet ebenfalls darauf hin, dass die Wirtschaft womöglich nicht so stark unter dem Iran-Krieg leidet, wie vielfach befürchtet. Eine Bestätigung aus der Realwirtschaft kommt aber erst nächste Woche mit der ifo-Umfrage und den ersten Schätzungen zum Wirtschaftswachstum in Q2. Für die morgen anstehende Zinsentscheidung der EZB dürften diese Daten wie auch die anstehende Schnellschätzung zur Inflationsentwicklung zu spät kommen. Die Unsicherheiten bleiben für eine „schnelle“ Entscheidung der Notenbanker zu hoch.
Die Banken im Euroraum haben ihre Kreditvergabestandards für Unternehmen im Frühjahr aufgrund der wirtschaftl. Unsicherheiten rund um den Iran-Konflikt weiter verschärft, allerdings weniger stark als im Vorquartal und deutlich moderater als ursprünglich erwartet. Besonders in GER, FR und ES wurden die Anforderungen strenger, während sie in IT gelockert wurden. Trotz der vorsichtigeren Kreditvergabe ist die Nachfrage nach Unternehmenskrediten leicht gestiegen und dürfte in Q3 weiter moderat zunehmen. Für die EZB unterstreichen die Ergebnisse des gestern veröffentl. Bank Lending Survey die anhaltende Risikoaversion der Banken bei gleichzeitig vorsichtig pos. Kreditnachfrage.
Tagesausblick
Der ökonomische Kalender des heutigen Tages wird bereits um 8:00 Uhr deutscher Zeit abgearbeitet sein, wobei die Inflationsdaten aus dem Vereinigten Königreich von hohem Interesse sind. Es bleibt festzuhalten, dass UK ziemlich glimpflich vom jüngeren Inflationsschock davon kam. Geldpolitisch bleibt man jedoch vorsichtig, selbst ausgewiesene Tauben mögen nicht an der Zinsschraube drehen. Zu den generell ruhigeren Sommermonaten gesellt sich auch eine Blackout-Periode bei der EZB und auch der Fed, wobei das Schweigen zumindest bei der EZB am morgigen Tag gebrochen werden wird. Impulse für die Märkte bleiben vonseiten der Zentralbanker aber weiterhin rar.
Aktienmärkte
Die US-Börsen legten vor den mit Spannung erwarteten Quartalszahlen großer Technologiekonzerne wie Alphabet, IBM und Intel am Dienstag zu, wobei die Nasdaq mehr als ein Prozent gewann und Chipwerte ihre Erholung von Anfang der Woche fortsetzten. Unterstützung kam zudem von positiven Unternehmensnachrichten, nachdem 3M und General Motors ihre Gewinnprognosen anhoben. Im Sog der Wall Street robbte sich der DAX wieder an die 25.000 Punkte-Marke heran.
DAX +0,66%; MDAX +0,42%; TecDAX +0,15%; Dow Jones +0,74%; S&P 500 +0,89%; Nasdaq Comp. +1,29%.
Rohstoffe/Energie
Die Weizenpreise haben in der vergangenen Woche zugelegt, wobei der Euronext-Weizenkurs bspw. um mehr als EUR 30/t stieg. Hauptursachen sind die geopolitischen Spannungen im Schwarzmeerraum, die den Getreideexport aus Russland und der Ukraine beeinträchtigen. Gleichzeitig erwartet der Internationale Getreiderat für 2026/27 trotz einer weltweit hohen Weizenernte von 821 Mio. t einen Bestandsabbau, da der Verbrauch mit 828 Mio. t über der Produktion liegt.
Auch die Rapspreise sind auf über EUR 560/t und damit auf den höchsten Stand seit dreieinhalb Jahren gestiegen. Analog zum Weizen sind auch hier die Treiber die Eskalation des Ukraine-Konflikts mit Risiken für Export- und Sonnenblumenölkapazitäten sowie die deutlich gestiegenen Rohöl- und Pflanzenölpreise infolge der erneuten Eskalation in Nahost. Die erwartete größere EU-Rapsernte (aufgrund ausgeweiteter Anbauflächen) kann den aktuellen Preisauftrieb bislang nicht bremsen.
Deutschland hat mit 10,1GW installierter Offshore-Windleistung erstmals die Marke von zehn Gigawatt überschritten. Ende Juni waren 1.764 Windenergieanlagen in Nord- und Ostsee in Betrieb. Für weitere 2,6GW liegen bereits finale Investitionsentscheidungen vor, während Projekte mit 17,5GW noch auf eine endgültige Investitionsfreigabe warten. Nach aktueller Planung könnte die deutsche Offshore-Windleistung bis zum Jahr 2032 auf 30GW steigen. Offshore-Windparks profitieren dabei von deutlich höheren Volllaststunden als Onshore-Anlagen und erzeugten 2025 rund 26,1TWh Strom (was rechnerisch den Jahresbedarf von etwa 8,7 Mio. Haushalten deckt).
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