Börse am Morgen: BT / Verizon, Volkswagen, Gerresheimer, Konjunkturdaten - Nord/LB
Anleger an den europäischen Aktienmärkten blieben zum Wochenstart auf der Hut. Das Hin und Her im Nahen Osten, ein unklarer Zinspfad sowie die Diskussion um KI-Bewertungen lasteten auf der Stimmung.
Das Geschäftsklima in der Eurozone hat sich zum Ende des ersten Halbjahres überraschend aufgehellt. Der von der EU-Kommission erhobene Indikator stieg im Juni um 1,3 auf 95,0 Punkte und damit stärker als von Ökonomen erwartet. Trotz der Verbesserung liegt das Barometer weiterhin unter seinem langfristigen Durchschnitt. Auch das Verbrauchervertrauen legte um 1,3 Punkte auf minus 17,7 Zähler zu, verharrt aber auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Belastend wirken weiterhin die durch den Iran-Konflikt gestiegenen Verbraucherpreise.
Der Containerumschlag in den weltweiten Häfen hat sich im Mai leicht erholt. Das vom RWI und ISL veröffentlichte Containerumschlag-Index stieg um 0,3 auf 141,9 Punkte und stabilisierte sich damit nach den deutlichen Rückgängen der beiden Vormonate. Nach Einschätzung der Forscher dürfte dazu beigetragen haben, dass die Belastungen durch die im Zuge des Iran-Kriegs stark gestiegenen Ölpreise nachgelassen haben. Der Brent-Ölpreis ist seit seinem Höchststand Ende April um knapp 30% gesunken. Die wichtige Schifffahrtsroute durch die Straße von Hormus blieb im Mai jedoch weitgehend gesperrt.
Der deutsche Staat hat 2025 seine Investitionen deutlich ausgeweitet: Die Bruttoinvestitionen stiegen auf EUR 147,5 Mrd. und lagen damit um 12,3% bzw. EUR 16,2 Mrd. über dem Vorjahr. Laut Statistischem Bundesamt war dies der kräftigste Zuwachs seit 2000. Treiber war vor allem ein starkes Plus bei den Ausrüstungsinvestitionen, einschließlich Rüstungsgütern. Bereits zuvor hatten die staatlichen Investitionen nominal deutlich zugelegt (+9,3% 2024, +4,2% 2023, +9,0% 2022). In Q1 2026 hat sich die Dynamik jedoch abgeschwächt: Der Anstieg lag hier nur noch bei y/y 3,2%.
Tagesausblick
Der heutige Handelstag steht ganz im Fokus der deutschen Wirtschaft. Mit Einzelhandelsumsätzen, dem Arbeitsmarktbericht und Inflationsdaten kommt demnach ein ganzer Blumenstrauß an geldpolitisch relevanten Indikatoren. Während die ersten beiden Zeitreihen wohl eher defensive Zahlen veröffentlichen, könnte sich die Inflation nun gemäßigt präsentieren – sicherlich ein gutes Zeichen in Bezug auf die geldpolitischen Weichenstellungen!
Aktienmärkte
Anleger an den europäischen Aktienmärkten blieben zum Wochenstart auf der Hut. Das Hin und Her im Nahen Osten, ein unklarer Zinspfad sowie die Diskussion um KI-Bewertungen lasteten auf der Stimmung. DAX -0,18%; MDAX -0,33%; TecDAX -0,29%.
Das änderte sich aber später an der Wall Street, wo beiderseitige Eskalationsbemühungen für einen gut gelaunten Wochenstart sorgten. Zudem profitierte die Telekombranche von den Nachrichten rund um BT und Verizon (s.u.). Dow Jones +0,59%; S&P 500 +1,18%; Nasdaq Comp. +2,07%.
Unternehmen
Die Telekomkonzerne BT und Verizon bündeln ihr internationales Firmenkundengeschäft in einem Joint Venture mit einem Jahresumsatz von rund USD 4 Mrd. Beide Unternehmen werden jeweils 50% der Anteile halten, wobei Verizon eine Ausgleichszahlung von USD 625 Mio. an BT leistet. BT will die Mittel zum Schuldenabbau nutzen. Für den britischen Konzern ist die Transaktion Teil der Fokussierung auf den Heimatmarkt, während der US-Konzern Verizon Kostensenkungen anstrebt. BT-Chefin Allison Kirkby schloss zudem weitere Partner und eine stärkere Branchenkonsolidierung nicht aus.
Volkswagen steht Medienberichten zufolge vor dem Ausstieg aus der Partnerschaft mit Bosch zur Entwicklung autonomer Fahrsysteme. Grund seien unzureichende Fortschritte und hoher Kostendruck. Trotz Investitionen von rund EUR 1,5 Mrd. gelte die Technologie intern als nicht wettbewerbsfähig, insbesondere bei fortschrittlichen Assistenzsystemen. Künftig will VW laut Bericht verstärkt Hard- und Software zukaufen, um Kosten zu senken und Entwicklungsrückstände schneller aufzuholen.
Gerresheimer ist 2025 infolge hoher Abschreibungen tief in die Verlustzone geraten und weist einen Fehlbetrag von EUR 318,7 Mio. aus. Belastend wirkten Abschreibungen von insgesamt EUR 521,5 Mio., insbesondere auf Projekte der Schweizer Tochter Sensile Medical sowie auf den Firmenwert der US-Behälterglastochter Gerresheimer Moulded Glass Chicago. Eine Dividende wird daher nicht gezahlt. Wegen Bilanzierungsproblemen hatte sich der Jahresabschluss deutlich verzögert, woraufhin die Aktie aus dem SDAX ausgeschlossen wurde.
Rohstoffe
Die Ölpreise legten gestern nach den Angriffen vom Wochenende etwas zu, wobei der Anstieg durch die Hoffnung auf eine anhaltende Hoffnung der Straße von Hormus begrenzt war.
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