Börse am Morgen: Bayer, H&M, Micron, Ölpreise - Nord/LB
Trotz positiver Signale im Nahostkonflikt hellt sich die Verbraucherstimmung in Deutschland nur leicht auf. Das GfK-Konsumklima steigt für Juli um 0,5 auf -29,2 Punkte. Zwar sorgt das Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran für etwas Entspannung und mildere Inflationssorgen, hohe Preise belasten jedoch weiter. Ein deutlicher Aufschwung ist nicht in Sicht. Die Einkommenserwartungen verbessern sich nur geringfügig, die Anschaffungsneigung geht sogar zurück. Größere Käufe wie bspw. Autos stehen bei den Verbrauchern eher nicht auf der Agenda. Positiv ist aber die Konjunkturerwartung, die sich etwas aufhellt. Auch die Preiserwartungen sinken erneut, was wohl auf die zuletzt gefallenen Ölpreise und den Tankrabatt zurückzuführen ist.
Die Stimmung in der deutschen Exportwirtschaft hat sich im Juni infolge der Entspannung im Nahen Osten leicht verbessert. Das Ifo-Barometer für Exporterwartungen stieg von -5,7 auf -3,7 Punkte. Die Elektroindustrie und die Getränkehersteller erwarten steigende Ausfuhren, während die Nahrungsmittelbranche Rückgänge einplant. Moderate Zuwächse werden auch in der Pharmaindustrie sowie von den Herstellern von Glas und Keramik erwartet. In der Chemie hat sich die Lage nach dem Einbruch im Vormonat stabilisiert, aktuell wird nur noch ein leichter Rückgang erwartet. Belastet bleiben hingegen die Auto- und die Metallindustrie, die weiter von sinkenden Exporten ausgehen.
Die Inflationsentwicklung bleibt vorerst ein großes Problem für die US-Wirtschaft. Der PCE-Preisdeflator, ein in den Vereinigten Staaten neben dem Konsumentenpreisindex ebenfalls sehr wichtiger Indikator zur Messung der Inflationsdynamik auf der Ebene des Einzelhandels, legte im Berichtsmonat Mai um 0,4% M/M zu. Dies ist sicherlich keine erfreuliche Nachricht; es hätte aber zweifellos schlimmer kommen können. Der durch den Iran-Konflikt ausgelöste Energiepreisschock hat nicht nur in den USA für steigende Inflationsraten gesorgt. Langsam ist nun aber Besserung in Sicht. Die für die Geldpolitiker in Washington besonders wichtige Kernrate zog am aktuellen Rand um 0,3% M/M an.
Tagesausblick
Bis auf eine Rede des Fed-Offiziellen Goolsbee ist der ökonomische Kalender zum Ende der Woche für die von uns betrachteten Volkswirtschaften leer! Angesichts der hierzulande weiter steigenden Temperaturen – El Niño lässt grüßen – dürfte der ein oder andere Marktbeobachter sicherlich froh sein, dass zumindest wenig Hitzepotential auf den Kapitalmärkten besteht.
Aktienmärkte
Nach einem Erfolg vor dem US-Supreme-Court beim Thema Glyphosat für Bayer schoss die Aktie fast 19% nach oben und hievte den DAX zurück über die Marke von 25.000 Punkten. Darüber hinaus beendeten Zahlen von Micron (s. u.) die Welle von Gewinnmitnahmen in der Technolgiebranche, zumindest in Europa. Denn später an der Wall Street kehrte etwas Verunsicherung wieder zurück. Anleger schwanken zwischen den positiven Aussichten der Chipbranche und den Belastungen für die Unternehmen, die diese teuren Chips benötigen. Apple hat daher angekündigt, die Preise seiner Produkte anzuheben.
DAX +1,03%; MDAX +0,17%; TecDAX +0,25%; Dow Jones +0,14%; S&P 500 -0,01%; Nasdaq Comp. -0,46%.
Unternehmen
Hennes & Mauritz (H&M) hat sich im Frühjahr mit zu straffem Lagermanagement selbst ausgebremst und die Gewinnerwartungen verfehlt, da knappe Lagerbestände die Nachfrage teils nicht decken konnten. Zwar verbesserten sich Rentabilität und Lagerproduktivität im Sinne der Strategie, beim Umsatz blieb der Konzern jedoch hinter den Zielen zurück. Belastend wirkten zudem ein schwaches Verbrauchervertrauen in Europa sowie höhere Rohstoffpreise, insbesondere bei Baumwolle. In Q2 stagnierte das operative Ergebnis bei SEK 5,91 Mrd. (Konsenserwartung: SEK 6,38 Mrd.), bereinigt stieg es um 11%. Auch die Bruttomarge verbesserte sich um 1,2 PP auf 56,6%. Für Juni erwartet H&M währungsbereinigt nur einen Umsatz auf Vorjahresniveau.
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Der Boom bei KI-Rechenzentren treibt die Preise für Speicherchips weiter stark nach oben und beschert Micron erneut kräftige Umsatz- und Gewinnzuwächse. Laut CEO Mehrotra dürfte das knappe Angebot mindestens bis 2027 anhalten. Im vergangenen Quartal verfünffachte sich der Umsatz auf USD 41,5 Mrd. nahezu, der Gewinn je Aktie lag mit USD 25,11 mehr als 13-mal über dem Vorjahr. Für das laufende Quartal erwartet Micron einen Umsatz von USD 49 Mrd. bis USD 51 Mrd. sowie einen Gewinn je Aktie zwischen USD 30 und USD 32, beides liegt über den Markterwartungen.
Rohstoffe
Die Ölpreise gaben gestern zunächst nach, bevor Sorgen über Gebühren in der Straße von Hormus den Preis wieder nach oben trieben.
Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
