Börse am Morgen: BMW, Euro/Dollar, US-Notenbank, Konjunkturdaten - Nord/LB
Der heutige Handelstag wird US-lastig. Zunächst werden am späten Mittag deutscher Zeit die Einzelhandelsumsätze veröffentlicht.
US-Präsident Donald Trump und Irans Präsident Massud Peschkian haben eine Absichtserklärung zur Beendigung des Krieges unterzeichnet. Das 14-Punkte-Abkommen verlängert die seit April geltende Waffenruhe um 60 Tage und sieht u.?a. ein Ende der Kampfhandlungen, die Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus, die Lockerung von Sanktionen sowie die Freigabe eingefrorener Vermögen vor. Der Iran verpflichtet sich darüberhinaus, keine Atomwaffen zu entwickeln. In den kommenden 60 Tagen sollen Verhandlungen über eine dauerhafte Lösung folgen.
Die infolge des Iran-Konflikts gestiegenen Ölpreise treiben die Inflation im Euroraum weiter an. Die Verbraucherpreise lagen im Mai laut EU-Statistikamt Eurostat 3,2% über dem Vorjahr, womit die vorläufige Schätzung bestätigt wurde. Im April war die Rate bereits auf 3,0% gestiegen.
Die US-Einzelhandelsumsätze sind im Mai um m/m 0,9% und damit stärker als erwartet gestiegen. Der Aprilwert wurde auf +0,4% leicht nach unten revidiert. Ein Teil des Zuwachses ist auf höhere Benzinpreise zurückzuführen. Insgesamt treibt die teure Energie infolge des Iran-Konflikts die Inflation in den USA weiter an, die im Mai mit 4,2% den höchsten Stand seit April 2023 erreichte.
Nach Ergebnissen des „Cloud Report 2026“, den der Branchenverband der deutschen Informations- und Telekommunikationswirtschaft (Bitkom) gestern veröffentlicht hat, sieht die deutsche Wirtschaft eine wachsende Abhängigkeit von ausländischen Cloud-Diensten. Gleichzeitig wären mehr Unternehmen bereit, auf deutsche oder europäische Angebote auszuweichen – selbst bei Nachteilen. 85% der befragten Unternehmen halten die Abhängigkeit von US-Anbietern für zu hoch (Vorjahr: 78%), und 80% fordern wettbewerbsfähige europäische Hyperscaler. Bereits 37% würden Cloud-Dienste bevorzugen, die Daten ausschließlich in Deutschland verarbeiten (Vorjahr: 27%). Zudem überdenken 64% der Cloud-Nutzer ihre Strategie aufgrund der US-Politik (Vorjahr: 50%).
Tagesausblick
Das Zinskarussell dreht sich weiter, heute stehen die schweizerische SNB sowie die Bank of England auf der Agenda. Bei beiden Notenbanken gehen wir davon aus, dass die Leitzinsen stabil gehalten werden. Der Druck auf die Inflation war zuletzt durchaus zu spüren. Die jüngsten Verhandlungen des Iran mit den USA mögen aber dafür sorgen, bei einer potentiell restriktiven Geldpolitik auf die Bremse zu treten. Das für morgen avisierte „Term Sheet“, wenn man so will, hatte bereits im Vorfeld für Erleichterung gesorgt, was vor allem beim Öl zu sehen war. In dieser heiklen geopolitischen Phase möchte man die monetäre Strategie möglicherweise nicht allzu aktionistisch ändern und eine Wait-and-See Taktik verfolgen – aber wir werden sehen!
Aktienmärkte
Vor dem US-Zinsentscheid dümpelten die Aktienmärkte gestern vor sich hin. Der DAX wurde vom Automobilsektor gebremst, nachdem BMW die Jahresprognose revidiert hatte (s. u.). DAX +0,10%; MDAX +0,83%; TecDAX -0,46%.
Nach der Fed-Zinsentscheidung drehte die Wall Street aus Zinssorgen in den roten Bereich. Zwar beließ die Fed – wie überwiegend erwartet – den Leitzins in einer Spanne von 3,50% bis 3,75%, sie deutete jedoch künftige Zinserhöhungen zur Inflationsbekämpfung an. Die Formulierung, wonach Zinssenkungen in diesem Jahr wahrscheinlich seien, wurde gestrichen. Neun der Notenbanker rechnen aktuell mit mindestens einer Zinserhöhung bis zum Ende dieses Jahres. Dow Jones -0,98%; S&P 500 -1,21%; Nasdaq Comp. -1,35%.
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Unternehmen
BMW hat seine Prognose für das aktuelle Geschäftsjahr gekappt. Für das Gesamtjahr erwartet der Konzern nun einen Rückgang des Vorsteuergewinns um mehr als 15% (zuvor: moderater Rückgang) sowie eine Marge im Autogeschäft von nur noch 1% bis 3% (zuvor 4% bis 6%). Vorstandschef Milan Nedeljkovic kündigte an, die laufenden Effizienz- und Sparprogramme deutlich zu intensivieren und zu beschleunigen. Hauptbelastung ist der Einbruch des chinesischen Automarkts. Die Verkäufe gingen hier im Mai um über 20% zurück, und eine Erholung ist nicht in Sicht. Gleichzeitig belasten höhere Energiepreise die globale Nachfrage. BMW rechnet daher nun mit einem leichten Absatzrückgang statt einer stabilen Entwicklung.
Devisen
Der EUR geriet nach den Aussagen der US-Notenbank deutlich unter Druck. Im US-Handel notierte die Gemeinschaftswährung zuletzt bei USD 1,1510. Die EZB hatte den Referenzkurs zuvor auf USD 1,1591 festgesetzt (Vortag: USD 1,1594).
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Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
