Börse am Morgen: RWE, Südzucker, Autoindustrie, Großhandelspreise - Nord/LB
Autoindustrie: Die dt Autoindustrie erwartet bis 2035 den Abbau von rund 125.000 weiteren Arbeitsplätzen und damit mehr als bislang prognostiziert. Haupttreiber ist der Umstieg auf Elektromobilität, da E-Autos weniger komplex sind und insbesondere bei Zulieferern weniger Jobs erfordern. Neue Stellen entstehen zwar im Zuge der Transformation, werden jedoch aufgrund schwächerer Standortbedingungen zunehmend im Ausland aufgebaut.
Reisebranche: Der Iran-Krieg belastet die dt. Reisebranche spürbar durch Flugausfälle, hohe Treibstoffkosten & Inflation. Das IfoGeschäftsklima Reisebüros & Reiseveranstalter verschlechterte sich im April auf -43,5 Punkte, wobei Unternehmen ihre aktuelle Lage negativer einschätzen, aber leicht optimistischere Erwartungen äußern. Positiv wirken die Ende April aufgehobenen Reisewarnungen für wichtige Transitländer im Nahen Osten.
Großhandel: Der Nahostkonflikt treibt die dt. Großhandelspreise im April mit +6,3% gegenüber dem Vorjahr so stark nach oben wie seit über drei Jahren nicht mehr (März: +4,1%, Februar: +1,2%). Der Preisanstieg dürfte verzögert auch die Verbraucherpreise beeinflussen, die im April auf +2,9% stiegen – den höchsten Stand seit Anfang 2024, vor allem aufgrund höherer Energiepreise (+10,1%). Nahrungsmittel verteuerten sich mit +1,2% ebenfalls überdurchschnittlich. Auf Erzeugerebene landw. Produkte zeigte sich im März noch kein direkter Kriegseffekt: Die Preise lagen 8,8% unter dem Vorjahr, stiegen aber zum Vormonat um +2,1%. Deutlich günstigere Obstpreise (-31,2%) standen kräftigen Anstiegen (+19,3%) bei Gemüse (z.?B. Gurken (+31,9%), Salat (+20,3%), Tomaten (+14,9%)) gegenüber.
Tagesausblick
Der letzte Tag der Handelswoche ist vonseiten des ökonomischen Kalenders eher ruhig. Gleichwohl werden die Empire State Manufacturing Befragung sowie Zahlen zur Industrieproduktion Auskunft über die Vitalität der US-Wirtschaft geben. Die dortige Konjunktur war bislang eher wenig von den Lieferkettenprobleme betroffen, welche aus der Blockade der Straße von Hormus erwuchsen. Die Industriedaten hatten sich zuletzt jedenfalls robust und chancenbezogen präsentiert.
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Rentenmärkte
Das Inflationsgespenst zieht um. Geopolitische Spannungen und steigende Energiepreise treiben die Renditen globaler Staatsanleihen nach oben, jetzt auch in Japan, wo Renditen 20- jähriger Bonds den höchsten Stand seit 1997 erreicht haben. Gleichzeitig verlagert sich auch die Markterwartung in den USA hin zu einer restriktiveren Geldpolitik, wodurch langfristige Treasury-Renditen in Richtung 5% steigen. Hohe Inflation induziert durch gallopierende Energiepreise sorgen in beiden Märkten für erhöhte Volatilität und anhaltende Unsicherheit.
Unternehmen
Südzucker erwartet für das erste Quartal des neuen Geschäftsjahres einen deutlichen Anstieg des operativen Gewinns. Das EBITDA soll Konzernangaben zufolge den Vorjahreswert von EUR 96 Mio. deutlich übertreffen (die im vergangenen Dezember veröffentlichte Jahresprognose wurde bestätigt). Für 2026/27 rechnet Südzucker aber mit einem leichten Umsatzrückgang (Vorjahr: EUR 8,4 Mrd.). Das EBITDA wird in einer Spanne von EUR 480 bis 680 Mio. Euro antizipiert (Vorjahr: EUR 535 Mio.), ein konkreter Ausblick folgt nächsten Donnerstag (21. Mai).
RWE startete mit deutlichen Gewinnzuwächsen in das Jahr 2026 (getragen vor allem von besseren Windverhältnissen in Europa und dem Ausbau des Ökostromgeschäfts). Neue Wind-, Solarund Speicherkapazitäten von 2,3?GW wurden seit März 2025 in Betrieb genommen. Das bereinigte EBITDA stieg im ersten Quartal um über 20% auf EUR 1,6?Mrd.?, wobei Offshore-Wind sogar um 50% auf EUR 570?Mio.? zulegte. Angesichts des Iran-Kriegs rechnet RWE mit weiter steigenden Gas- und Strompreisen.
Devisen und Rohstoffe
Das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) prognostiziert im aktuellen Mai-WASDE-Report für 2026/27 in einer ersten Schätzung eine globale Weizenproduktion von 819,1 Mio. t und damit rund 25 Mio. t weniger als im Vorjahr. Rückgänge werden für alle wichtigen Exportregionen erwartet, darunter USA, EU, Russland, Australien, Ukraine & Kanada. Auch Bestände (275,0 Mio. t) und Exporte (211,7 Mio. t) sollen gegenüber 2025/26 weiter sinken.
Der Iran-Krieg dämpft die Weltwirtschaft und senkt damit die Ölnachfrage. Die Organisation erdölexportierender Länder hat in ihrem neuen Monatsbericht ihre Prognose für das Nachfragewachstum nach unten angepasst. Für das zweite Quartal erwartet die OPEC nun eine globale Nachfrage von 104,57 Mio. Barrel pro Tag (statt der zuvor prognostizierten 105,07 Mio. Barrel).
Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

